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Samstag, 28. Februar 2026

Frauen mit Sportwagen erfasst: Geständnis im Mordprozess

Frauen mit Sportwagen erfasst: Geständnis im Mordprozess


WUPPERTAL. Der Mordprozess um den Tod einer jungen Frau in Remscheid, die von einem 640-PS-Sportwagen erfasst worden ist, hat mit einem Geständnis begonnen. Er sei verantwortlich für den Tod der 19-Jährigen, ließ der Angeklagte (25) über seinen Verteidiger erklären. Er habe angetrunken mit seinem Auto angeben wollen. Das sei leichtsinnig und rücksichtslos gewesen, aber:
,,Ein Mörder bin ich nicht.“

Der Wagen sei beim Anfahren ausgebrochen, auf den Bürgersteig geraten und habe zwei junge Frauen erfasst, hieß es. Die 19-Jährige starb wenige Tage später an schweren Kopfverletzungen, eine 17-Jährige wurde mit Knochenbrüchen und lebensgefährlichen inneren Verletzungen im Krankenhaus behandelt.

Zudem soll der Angeklagte mehrfach gerast sein, innerorts mit weit über 100 Kilometern pro Stunde.
„Es gibt schlimme und richtig schlimme Tage“, sagte die bei dem Unfall schwer verletzte 17-Jährige, inzwischen 18 Jahre alt, als Zeugin aus. Sie habe täglich Kopf- und Rückenschmerzen, leide unter Schlafstörungen. ,,Ich bin geprägt von Angst und Panik." Derzeit versuche sie, ihr Abitur nachzuholen. Sie habe ein Jahr verloren durch den Unfall.

Made in Germany neu gedacht

Die deutsche Autoindustrie steckt 140 Jahre nach der Patentanmeldung von Carl Benz mitten in einer Transformation.

STUTTGART. Vor 140 Jahren veränderte Carl Benz die Welt Am 29. Januar 1886 meldete er das Patent für sein ,,Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb“ unter der Nummer 37435 beim Kaiserlichen
Patentamt in Berlin an. Für viele gilt das als Geburt des modernen Automobils. Und als Grundstein für eine der größten Erfolgsgeschichten der deutschen Wirtschaft.

Die Autos haben Deutschland in die Weltspitze der Industrienationen katapultiert. Sie haben den Deutschen Hunderttausende Arbeitsplätze und gute Gehälter beschert. Die Verbrenner standen für Ingenieurskunst und höchste Qualitat. Mercedes-Benz, BMW, Audi, Porsche und VW kennen die Menschen überall.
(beides dpa Meldungen im Bonner Generalanteiger)

Carl Benz ist derjenige, der Entwicklungen angestoßen hat, die in seiner Nachfolge die Geschosse gebaut haben, mit dem eines von Ihnen die 19-Jährige getötet und die 17-Jährige für ihr Leben mit täglichen Kopf- und Rückenschmerzen, Schlafstörungen, mit ständiger Angst und Panik gezeichnet hat.
Das Geschoß konnte vom Fahrer nicht gebändigt werden, „brach“ aus (das gab es in der Vergangenheit nur bei 1PS-lern, der jetzige hatte 640 davon) und erfasste die Frauen auf dem Bürgersteig.
Die Autos haben Deutschland in die Weltspitze der Industrienationen katapultiert und die beiden Frauen in Tod und Unglück geschleudert, und sie sind bei weitem nicht die einzigen, die von Adrenalin gesteuerten Schwachköpfen mit solchen Geschossen Menschen getötet, verletzt oder für das weitere Leben physisch und psychisch gezeichnet haben.

WDR Aktuelle Stunde . 20.02.2026:
„Zwei Frauen sterben auf der A555: Ex-FC-Spieler erklärt "tiefe Schuld"“, „Mit 205 km/h über die Autobahn“, "Polo durch Wucht des Aufpralls explodiert".
„Angeklagte streiten ab, dass es sich um ein Autorennen handelte“
„Am ersten Verhandlungstag versicherten beide Angeklagte, sich kein Autorennen geliefert zu haben. "Es ging wirklich nur um den Flow und den Spaß", sagte der eine Angeklagte.“ 
Der „Flow und Spaß" kostete zwei Frauen das Leben.

Wie hätten die Gesellschaften sich entwickelt ohne Carl Benz und die Entwicklungen, die er angestoßen.
Die Gesellschaft hätte einen vernünftigen Personen- und Güternah- und -fernverkehr Sie hätte verzichten können auf den wahnsinnigen Landschaftsverbrauch durch Land- und Bundesstraßen. Die Landschaft wäre durch sie nicht in kleine Teile zerrissen worden, die den Arten keine Entwicklungsmöglichkeiten mehr lassen und das Artensterben wesentlich beeinflussen.
Den Städten wären die autogerechten Schneisen erspart geblieben. Millionen Menschen wären nicht getötet worden. Die Klimakatastrophe hätte zwar durch den Verzicht auf Carl Benzens Entwicklungen nicht verhindert, aber deutlich herausgezögert werden können und die Hoffnung entstehen lassen können, sie noch rechtzeitig zu verhindern oder mindestens abzuschwächen.

Wie die Autolobby von den Herstellern bis zu Verkehrsclubs sinnvolle Verkehrsträger systematisch verhindert hat, wird exemplarisch deutlich am „Große Amerikanische Straßenbahnskandal“ (*) einer Reihe von Ereignissen in den USA zwischen den 1930er- und 1950er-Jahren. 
Große Konzerne wie General Motors, Firestone und Standard Oil kauften zahlreiche Straßenbahnunternehmen auf. Sie legten die elektrischen Straßenbahnen schrittweise still. An ihre Stelle traten Busse mit Verbrennungsmotoren, die von den beteiligten Firmen (den „Erben“ von Carl Benz) produziert wurden. Das führte in vielen Städten zum vollständigen Verschwinden der Straßenbahnnetze und die Abhängigkeit vom Auto nahm stark zu. 1949 wurden einige der beteiligten Firmen wegen Verschwörung verurteilt. Die Strafen fielen gering aus und hatten keine abschreckende Wirkung.
Bis heute gilt der Skandal als Beispiel für den Einfluss großer Konzerne auf Stadtentwicklung und Verkehrspolitik.
Die Entwicklung von Carl Benz war das Schlimmste, was der Welt und allen Arten ihrer Bewohner hätte zustoßen können.

(*)https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fer_Amerikanischer_Stra%C3%9Fenbahnskandal
 

Donnerstag, 20. November 2025

Schweigegang 2025 in Rheinbach - Peter Schürkes

Schweigegang 2025 in Rheinbach - Peter Schürkes

In einer Welt, in der mehr und mehr das Recht der Stärkeren gilt, ist meine Vorstellung deutlich aus der Mode gekommen: das Mitgefühl für die Schwachen und Gequälten. Für die Getöteten kommt mein Mitgefühl zu spät.

Seit mehr als 30 Jahren organisieren wir den Schweigegang „Erinnern Gedenken Mahnen“ in Rheinbach mit. Erinnern, gedenken, mahnen gilt uns sowohl für die Vergangenheit, für die Gegenwart und die Zukunft. Der Schweigegang nimmt seinen Weg zu den Häusern vor denen Stolpersteine verlegt sind. Er erinnert und gedenkt, der Menschen, mit denen das deutsche Volk von 1933 bis 1945 auf unglaublich grausame, menschenverachtende Art umgegangen ist. Der Schweigegang mahnt auch Jahrzehnte nach dem Ende der Naziherrschaft, nie wieder derartiges geschehen zu lassen.

Wenn ich an das, was das deutsche Volk getan hat, denke, erfasst mich Grauen. Juden wurden auch mit Hilfe einer Datenverarbeitung von IBM fabrikmäßige getötet, zusammen mit homo- und bisexuellen Menschen, Menschen mit Behinderungen, nichtjüdischen Zivilisten, die des Ungehorsams, des Widerstands oder der Mitgliedschaft in einer Partisanengruppe beschuldigt wurden, Polen, politischen Gegnern und Andersdenkenden, Sinti, Roma und Menschen, die abwertend als „Zigeuner“ bezeichnet wurden, in Deutschland lebenden Schwarzen, sowjetische Kriegsgefangenen, sozialen Randgruppen, die abwertend als „Asoziale“ oder „Berufsverbrecher“ bezeichnet wurden, und Zeugen Jehovas.

Ich fürchte, ich habe nicht alle, deren wir gedenken sollen, genannt.

Der Schweigegang sollte auch die Gegenwart in das „Erinnern Gedenken Mahnen“ aufnehmen. Wir haben uns immer gefragt, welchen Sinn der Schweigegang haben kann, wenn er das nicht leistet. Er soll seit dem 7. Oktober 2023 an unschuldig feiernde Menschen erinnern, die von der Hamas getötet wurden oder als Geiseln starben. Auch das erfüllt mich mit Grauen. Besonders denken will ich an die inzwischen befreiten Geiseln, deren Eltern, Verwandte, Freunde und die anderen, die um das Leben der Geiseln bangten. Das Schicksal der gestorbenen Geiseln erfüllt mich mit Grauen, wenn ich daran denke, wie sie gequält wurden bis zum Tod. Ich sagte gerne, ich litte mit ihren Familien, Verwandten und Freunden, aber das käme einer Überschätzung meiner Person gleich.

So wie mich der Überfall der Hamas auf die friedlich Feiernden oder ahnungslos in ihren Häuser lebenden Menschen mit Grauen erfüllte, erfüllt mich der grausam, menschenverachtende Einsatz der israelischen Militärwalze mit Grauern.

Welches Ziel wurde mit der gezielten Bombadierung der Menschen im Gazastreifen verfolgt? Die Hamas auszulöschen? Selbst wenn es so geplant war, war es von vornherein zum Scheitern verurteilt, wie man nachträglich sieht, hat die Hamas alle Verluste durch Neurekrutierung ersetzt hat. Als Ziel der rechtsextremen in Teilen faschistischen Regierung unter Netanjahu wurde die Befreiung des Geiseln, wenn überhaupt als nachrangig, wie die Demostranten auf dem sogenannten Geiselplatz in Tel Aviv immer beklagten.Auf dem Platz warf der Cousin einer verschleppten Geisel dem Verteidigungsminister und dem Ministerpräsidenten vor, sie hätten fünf Ziele genannt, keines davon habe die Geiseln betroffen. Erreicht wurde die komplette Zerstörung des Gazastreifens.

Wichtigstes Ziel war für Netanjahu sein Machterhalt, auch um der Justiz zu entgehen, die ihn wegen Korruption und Bestechlichkeit angeklagt hat. Die Justiz kann aber nicht handeln, solange er an der Regierung ist.

Wenn ich in den Medien lese oder sehe, zum Beispiel auf arte: „Israel - Extremisten an der Macht“, welches Schicksal für die Palästinenser Netanjahus Verteidigungsminister Israel Katz, Polizeiminister Itamar Ben-Gvir und Finanzminister und Siedlungsminister Bezalel Smotrich vorgesehen haben, erfüllt mich das mit Zorn. Die von ihnen gehätschelte faschistische Siedlerbewegung träumt öffentlich die Ideologie, ihr Israel ginge vom Nil bis zum Euphrat, als ihr von Gott vermachtes Siedlungsgebiet. Wer dieser Gott auch immer sei. Das ist, eng betrachtet, der Osten Ägyptens, Palästina, Jordanien, Libanon und der Südwesten Syriens und des Irak.

Die Weltgemeinschaft – mit ein paar Ausnahmen – fordert eine Zweistaatenlösung für Palästina, auch als Voraussetzung für Frieden. Moshe Zimmermann, israelischer Historiker, Antisemitismusforscher, Professor emeritus an der Hebräischen Universität Jerusalem und Interviewpartner in Presse und Rundfunk in Deutschland, wenn es um Israel geht, erklärte unlängst: „Die Israelis wollen nicht, die Palästinenser können nicht.“ Der UN-Teilungsplan vom 29. November 1947 beschloss für Palästina einen Staat für Juden und einen für Araber. Der Staat der Araber existiert nicht, dafür stehen seit 3 Jahrzehnten Benjamin Netanjahu und der größte Teil der jüdischen Bevölkerung Israels.

Gäbe es zwei Staaten, hätten der Iran und weitere Feinde Israels einen Grund weniger, feindselig zu sein. Das Massaker am 7. Oktober 2023 hätte es nicht gegeben. 1.200 Menschen wären nicht ermordet worden, die Hamas hätte nicht 240 Menschen als Geiseln nach Gaza verschleppt, sie hätten keine Qualen erleben oder sterben müssen.

Es hätten 100.000 Menschen, darunter 30.000 Kinder, im Gazastreifen nicht sterben müssen, zigtausende Palästinenser hätten nicht Arme, Beine und Augen verloren.

Warum gibt es den Staat der Palästinenser nicht? Zurück zu Moshe Zimmermann: „Die Israelis wollen nicht, die Palästinenser können nicht.“

Schließt das Mitleid mit den vom 7. Oktober betroffenen Menschen das Mitleid mit den bombardierten Menschen aus oder umgekehrt? Beides Mal: Nein!

Es gibt kein Terroristen-Gen. Es sind die Umstände, die Lebensbedingungen, die Terroristen machen. Die Bedingungen aufzuzählen ist unnötig, weil jeder kritisch, nicht ideologisch verblendet, nicht fanatisch religiös denkende Mensch weiß, wie Terroristen Terroristen werden. Inklusive der Terroristen der Hamas, die am 7. Oktober 2023 mordend, vergewaltigend und verschleppend den Zaun durchbrachen, der sie bis tief unter die Erde einsperrt.

Im Juni 2023 habe ich eine Kolumne mit dem Titel: „Terrorist – Warum? Falsche Frage! Terrorist – Wodurch?“, hier veröffentlicht. Das war drei Monate vor dem grausamen Überfall der Hamas auf zum Teil friedlich feiernde Menschen. Der Beitrag wurde gerade nochmal veröffentlicht, siehe unten.

Wichtig ist: Es ist ein Unterschied, etwas zu verstehen oder etwas gutzuheißen!

Auf rheinbacher.de habe ich des Öfteren über Israel/Palästina geschrieben.

Der ehemalige israelische Premierminister Ehud Olmert hat am 09. November in einem Interview mit dem Deutschlandfunk die Gewalt extremistischer israelischer Siedler im besetzten Westjordanland verurteilt. Die Palästinenser würden dort Opfer von Gewalt und Gräueltaten. Er könne den Gedanken nicht ertragen, dass Israelis anderen das antäten, was ihnen selbst über Generationen hinweg angetan worden sei.

Ehud Olmert kritisierte die aktuelle, rechtsextreme Regierung Israels. Er wirft ihr vor, das Trauma der Angriffe am 7. Oktober zu instrumentalisieren, um eine Lösung des Konfliktes mit den Palästinensern zu verhindern. Extreme und messianische Haltungen bedrohten das Fundament des Staates Israel.

Auf den Trümmern von Rafah will die Regierung Israels ein Lager für 600.000 Palästinenser errichten. Ehud Olmert spricht am 14. Juli von einem »Konzentrationslager«. Die Hardliner der Regierung seien gefährlicher als jeder äußere Feind.

Zum Schluß!

Meine Sympathie gilt immer der schwächeren, gequälten, verstümmelten und getöteten. Das ist ist der Grund für mein Engagement für den jährlichen Schweigegang.

Meine besondere Empathie gilt den Palästinensern, die die Schuld der Schoah für uns sühnen. Während wir in der Mehrheit im Überfluss leben, leben sie unter zumeist unsäglichen Bedingungen ohne Freiheit, ohne einen eigenen Staat und in Unsicherheit, bedroht von einer menschenverachtenden Regierung Israels und fanatischen israelischen Siedlern.

Donnerstag, 30. Oktober 2025

Terrorist-Warum? Falsche Frage! Terrorist-Wodurch?

Terrorist-Warum? Falsche Frage! Terrorist-Wodurch?


„Wie Terroristen gemacht werden“ ist der Titel eines Videos mit dem Terrorismusforscher und Ethnologen Günther Schlee, vom Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung in Halle  bei „Campus Talks ∙ ARD alpha“(2). 

Einleitend spricht Schlee über die Entstehung und weitere Entwicklung von  al-Shabaab(1), wie sie sich insbesondere radikalisierte dadurch, dass die „Die somalische Regierung und die Regierung des autonomen Teilstaates“ die lokale Bevölkerung nicht an den Erlöse aus Schürfrechten für u.a. Koltan beteiligten, sondern sie unter sich und einem australischen Bergbauunternehmen aufteilten. „Sie (die Bevölkerung) griff zu den Waffen, verbündete sich mit al-Shabaab und kämpfte hinfort im Namen des Islam gegen den dekadenten Westen und seine somalischen Verbündeten. ...Es gab aber auch eine militärisch politische Allianz, die dieses ökonomische Netzwerk absichern sollte und das agierte unter dem Motto „War on Terror“. Krieg gegen den Terror sind seit dem 11.September 2001 Worte all derer die, wenn sie auf Ablehnung stoßen diese Ablehnung auf islamistische Verschwörung zurückführen statt, wenn auch wie in diesem Fall, ein Teil ihrer Gegner Leute waren, die nur etwas Geld für Zink und Koltan haben wollten“.

Schlee weiter: „Der Terrorismus, der wirkliche wie der vermeintliche entsteht durch Ausgrenzung und Marginalisierung. Wenn wir das Verständnis dieses Vorgangs,  … also (für die) Ursachen des Terrorismus (aufbringen) kann (das) uns natürlich nicht dazu bringen unsere Abwehrbereitschaft in irgendeiner Weise einzuschränken aber das Verständnis dieses Prozesses kann dazu beitragen, dass wir im Rahmen unserer politischen Möglichkeiten eine Politik zu betreiben, die weniger Menschen zu Terroristen werden lässt und ich glaube das ist also eine wichtige Funktion, das wir in diesem Sinne verstehen, deren Kalkül nachvollziehen, denn verstehen müssen wir auch unsere Feinde insbesondere unsere potentiellen Feinde bei denen noch die Möglichkeit besteht, sie erst gar nicht zu Feinden werden zu lassen“

Diesen Absatz hätte sich alle israelischen Politiker seit der Gründung ihres Staates, also von Ben Gurion bis Netanjahu immer wieder vorlesen lassen sollen. Vielleicht müssten Israelis dann keine Raketengriffe von „Terrorristen“ erleben.
Es gäbe in Palästina möglicherweise zukünftig keine „Terroristen“, käme Israel endlich den UN-Resolutionen nach und förderte die Zweistaatenlösung für Palästina. Dazu gehörte zu allererst die israelische Gesellschaft gäbe ihren „Anspruch“ auf Siedlungen für „Großisraeliten“ auf. Ein erster Schritt wäre, sie stoppten den israelischen Staatsterror: „Israelische Behörden haben nach palästinensischen Angaben eine mit EU-Geldern finanzierte Schule in einem Dorf nahe Bethlehem zerstört. Die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa berichtete, israelische Soldaten seien am frühen Morgen in Begleitung von Bulldozern in das Dorf im südlichen Westjordanland eingedrungen.“(4). 
Die Palästinenser haben die Soldaten zu Recht „Terroristen“ genannt, die getrieben von Rechtsextremisten und religiösen Fanatikern, die eine Regierung Netanjahu unterstützen, der ohne sie vor Gericht stünde.
Immer wenn wir Deutsche über Palästina reden, sollten wir bedenken, dass wir durch den Holocaust erst einen Staat Israel notwendig machten, der nicht im Land der Mörder entstand. Wir waren froh, dass die Palästinenser mit Gewalt aus ihrer angestammten Heimat vertrieben und heute noch aus den Räumen der israelischen Siedlungen und von deren Zufahrtsstraßen vertrieben werden. Hinzu kommt unser rassistischer Ansatz, indem wir „weißen“ Juden instiktief mehr Rechte zusprechen als Arabern / Palästinensern.
Peter Schürkes

(1)Wikipedia
Die Harakat al-Shabaab al-Mujahideen (HSM...) Bewegung der Mudschahedin-Jugend‘ – kurz al-Shabaab ...ist eine militante islamistische Bewegung in Somalia. Al-Shabaab kontrolliert Teile Südsomalias und setzt dort die Scharia in strenger Form durch. Die Gruppierung ist wahhabitisch beeinflusst.(3) Ihr Ziel ist die Errichtung eines islamischen Staates am Horn von Afrika und die Beteiligung an einem weltweiten Dschihad. Die Organisation steht auf der Liste der durch das Außenministerium der Vereinigten Staaten als terroristisch bezeichneten Organisationen im Ausland.

(2)https://www.ardmediathek.de/video/campus-talks/wie-terroristen-gemacht-werden/ard-alpha/Y3JpZDovL2JyLmRlL3ZpZGVvL2U3MTY2NzlkLWU0OGItNGNhNi1hMTIzLTA1ZTY1OWVjODFiMA
(3)https://de.wikipedia.org/wiki/Wahhabiten
 

Mittwoch, 20. August 2025

Hat das Schwein eine Seele?

Hat das Schwein eine Seele?


Nein, das Schwein hat keine Seele, nur der Mensch hat eine.
Der Mensch ist Säugetier, ein Tier allgemein, ein Lebewesen noch allgemeiner - Viren gehören nicht dazu. Gemeinsam ist allen Lebewesen sie reproduzieren sich.

Dennoch ist der Mensch ein grundsätzlich anderes Wesen: Der Mensch verfügt über eine Seele, hat ein Schwein nicht. Der Mensch hat einen Gott, hat ein Pferd nicht. Der Mensch hat ein Leben nach dem Tod, die Kuh stirbt einfach so und dient dann anderen Lebewesen als Nahrung. Was mit der Seele nach dem Tod des Mensch geschieht regeln die Religionen. 

Die christliche: Ein Mensch kommt in einen Himmel wenn er religiös und gut war. Wohin kommt ein guter, nicht religiöser Mensch? Ein religiöser richtig schlechter Mensch kommt in eine Hölle. Ist er nur schlecht kann er zur Bewährung ins Fegefeuer gehen. Wohin kommt der (sehr) schlechte Mensch wenn er nicht religiös war? Entscheidend ist die Seele. 

Der Mensch ist aber wie alle anderen Lebewesen auch ein Ergebnis der Evolution. Weil außer dem Menschen kein Lebewesen eine Seele hat und der Mensch sich aus den nicht beseelten Primaten evolutionär entwickelt hat, muss es zu einem nicht festlegbaren Zeitpunkt ein Lebewesen mit der ersten Seele gegeben haben.

Die Frage ist welches Lebewesen war das? War es ein Individuen? War es eine ganze Gruppe? Ist die Seele bei den Hominiden zwischen dem Sahelanthropus vor 7 Millionen Jahren und dem Ardipithecus vor 3 Millionen Jahren oder zwischen ihnen und dem Homoerektus vor 2 Millionen Jahren entstanden. Hatte der Neandertaler eine Seele oder doch erst der Homo sapiens so vor 100.000 Jahren eine? Wenn ja, gleich am Anfang oder erst später.

Die Frage ist auch: Wie entsteht die Seele in der Evolution. Die Evolution funktioniert mit hochkomplexer biologischer Materie. Die Seele aber hat nichts materielles, biologisches. Biologisches hat eine Lebensdauer. Die Seele hat keine, sie bleibt ewig. Wie kann etwas nicht materielles nicht biologisches vererbt werden? Mit der DNA eher nicht. Der Erbvorgang braucht Atome, Moleküle, Proteine. Die Seele käme ohne aus.

Man wird wohl feststellen müssen die Seele ist eine Fiktion! Aber wieso glauben so viele Menschen es gäbe eine. Es hat wohl mit Todesangst zu tun. Andere Tier haben sicher auch Todesangst. Die Ängste aber unterscheiden sich erheblich. Das andere Tier hat Todesangst im Augenblick einer tödlichen Gefahr, der Mensch hat sein ganzes Leben lang Todesangst unabhängig von einer realen Gefahr. Die Angst ist mal mehr mal weniger bestimmend einfach weil der Mensch weiß, dass er sterben wird, was die anderen Lebewesen nicht wissen – wahrscheinlich nicht.

Also reduziert sich die Frage nach dem Ursprung der Seele auf die Frage, was führte zum Glauben der Menschen an eine solche.

Ist vielleicht die erste Grablege die Geburtsstunde der Fiktion eine Seele zu haben?
Wenn man akzeptiert, dass Bestattungen den Glauben an ein Leben nach dem Tod voraussetzt ist Glauben an eine Seele mindestens 2,5 Mio. Jahre alt. Für diese Zeit sind Bestattungen in Südafrika bekannt. 

Zurück zum Neandertaler. Auch er hatte wohl lebenslang Angst vor dem Tod, sonst hätte er seine Verstorbenen nicht beerdigt und mit Gerät und sicher auch Wegzehrung ausgestattet. Sah er sich also beseelt? 

Man könnte einfach tolerant sein und es jedem überlassen an eine Seele zu glauben oder nicht. Problematisch aber wird es wenn die Seele oder allgemein das Leben nach dem Tode für Herrschaftsansprüchen benutzt werden. Wenn mit Hinweis auf die Religion unvorstellbarer Reichtum angehäuft wurde und wird. Wenn gar mit Alleinvertretungsansprüchen Tötung von Andersgläubigen gerechtfertigt wird. Auch das oft genug in der Geschichte geschehen und immer noch für manche rechtens.

Die Religionen werden zusammenbrechen, wenn die Menschheit in Gänze zur Kenntnis nimmt: Wir sind nichts anderes als unsere Mitwesen gleichgültig ob Säugetiere, Vögel, Fische, Pflanzen, Pilze oder Bakterien. Wenn die Menschheit nicht mit dem Wahn lebt es gäbe nach dem physischen Leben etwas anderes als Verrottung. Keine Seele, kein Gott, kein Teufel, kein Himmel, kein Fegefeuer, keine Hölle. Gespinste die geglaubt wurden und geglaubt werden und mit denen das gesamte Priestertum seine Existenz rechtfertigt. Was sonst noch so unter dem religiösen Deckmantel als Macht ausgeübt wird 
kann man in den Links unten nachlesen.

Peter Schürkes

https://www.derstandard.de/story/2000132762716/bischof-fuer-ratzinger-entschuldigung-nachmuenchner-missbrauchs-gutachten

https://correctiv.org/aktuelles/2022/01/19/was-die-kirche-zu-ratzinger-und-dem-missbrauchsskandal-in-garching-nicht-erwaehnt-kirche-gutachten-sexueller-missbrauch-bischof-papst-garching/?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

https://www.youtube.com/watch?v=PfF_ArkQzFY

https://zeitung.faz.net/faz/feuilleton/2022-01-22/56d022c176b218282f15339541d6b1d7/?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

 

Donnerstag, 14. August 2025

Mit (Gegen) Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens.

Mit (Gegen) Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens.

„Die Jungfrau von Orleans“, Friedrich Schiller.


Im Bonner Generalanzeiger war ein Artikel von Wolfgang Wiedlich zu lesen:
„Trump und die Beweise von Hawaii“ „ KLIMAWANDEI“ „Der US-Präsident will das weltweit zentrale CO₂-Messlabor schließen, wo seit 1958 die sogenannte Keeling-Kurve entstand, damit der wichtigste Umweltdatensatz des 20. Jahrhunderts.“

 Kann es sein, dass die Welt sich von einem Größenwahnsinnigen kidnappen, als Geisel nehmen lässt?
Die Götter kämpfen vergebens nicht allein gegen Trump, sondern vergebens auch gegen die 71 Millionen Trumpwähler, die nicht begreifen, wen und was sie gewählt haben.
Sie verstehen nicht, dass ihre Wälder aufgrund der galoppierenden, klimawandelgetriebenen Dürren brennen (zuletzt im US-Nationalpark „Grand Canyon“ und in Südkalifornien – mit 10 Menschen, die nicht mehr leben, und rund 250 Milliarden Dollar Schaden).

Sie sind nicht in der Lage, zu begreifen, weshalb ihre Städte in Sturzfluten versinken.
Zuletzt im Kerr County im US-Bundesstaat Texas, mit mehr als 100 Toten, zu spät gewarnt, weil Trump mit Hilfe von Elon Musk, jemandem, der Zusammenhänge nicht versteht, die nichts mit Raffen zu tun haben, den Nationalen Wetterdienst „geschreddert“ hat. Er versteht auch wie Trump nicht: Treibhauseffekt schwängert die Atmosphäre mit Milliarden von Tonnen Wasserdampf, der schnell zu apokalyptischen Regenfällen führt.
Trump und seine Anhänger sind nicht in der Lage, zu begreifen, dass Wirbelstürme ihre Städte verwüsten (2005 New Orleans mit fast 2000 Menschenopfern und 125 Milliarden Schäden). Aber was macht das schon bei 1,2 Billionen Zinskosten, mit denen die USA weltweit die Banken päppeln?
Das ist bei weitem nicht alles: Wüstenbildung im Südwesten der USA ist auch in Europa (u. a. in Spanien) angekommen.
Steigende Meeresspiegel bedrohen nicht nur kleine Pazifikinseln, die den Menschen dort ihr Überleben unmöglich machen, sie bedrohen auch weltweit die Küstenstädte (etwa New York oder Hamburg).
Auftauender Permafrost in den arktischen Gebieten mit Zerstörung der Infrastruktur (Alaska, Sibirien), löst in den hochalpinen Regionen Bergstürze aus (zuletzt in Blatten im Lötschental im Schweizer Kanton Wallis).
Millionen Menschen verlieren ihre Heimat und suchen nach „Ersatzheimaten“, die man ihnen in den Verursacherländern nicht bieten will, in den USA mit Trump, bei uns mit Dobrindt. Beide sind Hassprediger gegen Migranten, auch gegenüber Menschen, die hoffen, ihre „Ersatzheimat“ gefunden zu haben. Viele, die sich auf den Weg machen, sterben auf dem Migrationsstreck von Süd- und Zentralamerika zur Grenze zwischen Mexiko, um ihre neue Heimat in den Vereinigten Staaten zu finden. Afrikaner sterben an Durst oder ertrinken, werden von Schleppern ausgebeutet, in überfüllten Booten auf See geschickt oder von Banditen überfallen. Und das wird unterstützt von Trump und seinen Wählern, auch von der AfD, ihren Wählern und Sympathisanten, auch aus der CDU und besonders der CSU. Boshaft formuliert sind alle, die die reichen Länder nicht erreichen, aus deren Sicht „gute“ Migranten.
Das alles und weiteres, getrieben durch das Herausreißen, Herausheben, Herauspressen („Drill Baby Drill“) in Millionen und hunderten Millionen von Jahren angehäuften Schätzen, um sie in zweihundert Jahren zu verbrennen. Dafür ist nicht nur, aber im höchsten Maße das Heimatland des Wissenschaftsfeindes verantwortlich. Auch darin ist Trump der größte aller Zeiten, gegen den die Götter vergebens kämpfen.

Habe ich was vergessen? Mit Sicherheit!
Man hätte die Umschreibung „ gegen den die Götter vergebens kämpfen“ ersetzen können durch ein einzelnes Wort: Idiot(en)! Es wäre Trumps Wortwahl inspiriert.
In der gleichen Generalanzeiger-Ausgabe wie der Artikel, auf den sich die Kolumne bezieht, wird Trump auf Seite 8 zitiert mit: „Jerome ist ein sturer Idiot“. Gemeint ist Jerome Powell, Präsident der US-Zentralbank, der den Zinssatz nicht den Wünschen des größten Ökonomen aller Zeiten von galaktischer Intelligenz anpassen will.

Wenn es nach dem größten aller Klimawandelleugner geht, werden demnächst die Seiten gelöscht oder zumindest nicht mehr aktualisiert: Globale CO₂-Konzentration; Globale Methan-Konzentration, globale N₂O-Konzentration; Globale Temperatur:

https://gml.noaa.gov/webdata/ccgg/trends/co2/co2_mm_mlo.txt

https://gml.noaa.gov/ccgg/trends_ch4/
https://gml.noaa.gov/ccgg/trends_n2o/
https://data.giss.nasa.gov/gistemp/tabledata_v4/GLB.Ts+dSST.txt

Die ersten drei zeigen den Grund, die wichtigsten Treibhausgase, die vierte das Ergebnis, die Temperatur. Alle vier werden noch monatlich aktualisiert und für sie gibt es keinen Ersatz gleicher Qualität.

Peter Schürkes

Sonntag, 10. August 2025

Vorschriften

Vorschriften

Gibt es zu viele Vorschriften? Das kann man problemlos mit Ja beantworten! Das erklärt aber nicht, warum es so viele Vorschriften zum Klimaschutz, zum Artenschutz, zum Menschenschutz, zum Denkmalschutz und weitere gibt. Die Antwort ist einfach: Es liegt an der nicht ausreichenden Intelligenz der Gesellschaften als Ganzes, den Firmenlenkern, den Gewerkschaftsfunktionären insbesondere und der von allen dreien mit Lobbyisten getriebenen Politik. Man könnte „mangelnde Intelligenz“ auch durch ein Wort ersetzen, was man nicht schreiben sollte.

Die mangelnde Intelligenz oder das mit dem anderen Wort Beschriebene zeigt sich darin, dass Vorschriften überhaupt notwendig sind. Beispiel: Klimaschutz-Vorschriften wären nicht notwendig, wenn Gesellschaft, Firmenlenker, Gewerkschaftsfunktionäre und die von ihnen getriebene Politik den Verstand benutzt hätten, den sie von Natur aus (eigentlich) haben sollten. Der ist leider von Raffgier verdeckt. Beim Klima gibt es einen einfachen Zusammenhang, den jede und jeder auch ohne Hochschulstudium versteht: Treibhausgase sind Treibhausgase, weil sie wie der Sonnenschein im baulichen Treibhaus wirken. Das Innere des Treibhauses wird wie gewollt wärmer. Das Treibhaus erlaubt es, Pflanzen zu ziehen, die normalerweise ohne das Treibhaus nicht wüchsen. Treibhausgase in die Atmosphäre → Atmosphäre wird wärmer/heißer. So einfach ist das.

Das aber ist ein Problem, wenn die Treibhausgase bewirken, dass auch außerhalb von ihm Pflanzen wachsen, die da nicht hinpassen. Im Treibhaus werden auch die Pflanzen früher reif, was positiv, weil gewollt, ist. Das aber ist außerhalb des Treibhauses negativ, unter anderem, weil bestimmte Arten sich an der Temperatur orientieren und andere an der Jahreszeit. Wenn die Temperatur vor der Jahreszeit davonläuft, passt das Auftreten der einen Art nicht zu dem der anderen, wenn sie voneinander abhängig sind.

Durch den Klimawandel ändert sich das Zugverhalten vieler Vogelarten. Kurzstreckenzieher kehren immer früher zurück, brüten früher. Langstreckenzieher wie der Kuckuck: Er überwintert südlich des Äquators und der Klimawandel wird zur Bedrohung.

Im Oktober 1989 besuchte Michail Gorbatschow die DDR. Seine Mahnung „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“ ging in die Geschichtsbücher ein – obwohl er ihn so nicht formuliert hat. Der Satz aber passt hervorragend zum Thema. Der „Schmarotzer“-Vogel ist selbst in Gefahr – der Kuckuck legt seine Eier gern in fremde Nester, damit andere Vögel das Kuckucksei ausbrüten. Doch der Klimawandel macht dem Kuckuck einen Strich durch die Rechnung: Er kommt pünktlich zu uns – und damit zu spät – „Alle Vögel sind schon da, alle Vögel, alle!“ Ihre Jungen haben das Nest schon verlassen. Ihre Eltern werden nicht zu ihm zurückkehren, um ein Kuckucksei auszubrüten – warum auch? Der Kuckuck wird wohl ziemlich bald in der Liste der Ausgestorbenen auftauchen, wenn er keine andere Lösung findet. Die Alternative „eigenes Nest“ ist keine, weil das „Schmarotzertum“ keine Bosheit ist, es steckt in den Genen des Kuckucks. Damit ist das „gern“ oben zu streichen.

„Blüterzauber und Sorgenfalten“. Mallorcas Mandelbäume entfalten ihre Pracht zu früh für die Bienen, die dafür sorgen sollen, dass nach der Blüte die Mandeln kommen. Der Frühling auf Mallorca verschiebt sich immer weiter in das, was früher Winter genannt wurde.

Das war eines von massenhaften Beispielen für den Zusammenhang von Klimawandel und Artenschwund.

https://www.ardalpha.de/wissen/natur/tiere/artenschutz/rote-liste/kuckuck-selten-klimawandel-vorwarnliste-100.html
https://www.nationalgeographic.de/tiere/2020/11/heimische-tierwelt-im-klimawandel-stirbt-der-kuckuck-aus

Peter Schürkes

 

Montag, 21. Juli 2025

Trockenperioden und heiße Tage

Trockenperioden und heiße Tage


Wir haben seit 1995 vor dem Haus eine 10m³ fassende Zisterne und benutzen sie im Wesentlichen zur Toilettenspülung und für einen kleineren Teil zum Wässern von Pflanzen. Wir haben lediglich in drei Jahren Trinkwasser im Juli / August im Umfang von 2m³ nachfüllen müssen. In diesem Jahr haben wir Ende Mai bis jetzt (30. Juni) schon 2m³ Trinkwasser nachfüllen müssen.
Die Langzeit-Wetterprognose sagt für NRW im Juli an zwei Tagen „stellenweise Regenfall“ und an vier Tagen „leichte Regenschauer“ voraus.
Das wird nicht viel Wasser in unsere Zisterne spülen. Wir werden also weiter beachtlich nachfüllen zu müssen. Unsere Zisterne ist aber nur ein Symptom, der Grund ist die derzeitige Trockenperiode und deren Grund ist der Klimawandel!
Die größere „Zisterne“ ist sicher der Bodensee, und der wird nicht ausschließlich zur Klospülung benutzt. Der aus ihm gespeiste Rhein dient der Schifffahrt, der Energie- und Trinkwasser- und Brauchwassergewinnung für die Landwirtschaft, der Fischerei, Erholung und Sport.
Im April zeigte der Pegel bei Konstanz mit 270 cm den rekordverdächtig niedrigsten Stand seit fast einem halben Jahrhundert. Normal wären hier 310 cm. Das entspricht einer Menge Wasser.
Am 1. Juli beträgt der aktuelle Pegel 345 cm, der historisch niedrigste Wert liegt bei 333 cm und das Mittelwasser bei 433 cm.
Mit den im Klimawandel häufiger werdenden Trockenperioden gehen immer mehr Ernteausfälle mit wirtschaftlichen Folgen für die Landwirtschaft einher. In der Folge steigen die Preise für die Konsumenten. Die Landwirtschaft selbst ist ein bedeutender Treiber des Klimawandels. Nicht nur mit den rülpsenden, Methan ausstoßenden Kühen und den „Gewaltigtraktoren“. Der Sprit für sie wird mal wieder billiger, aufgrund der effektiven Lobbyarbeit des Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied.
Auch Alois Rainer, Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Heimat der Bundesrepublik Deutschland, ist heftig beteiligt. Der will mehr Fleisch in Kitas und Schulen, womit wir wieder bei den Methan rüpsenden Klimakühen wären. Rinder und Schweine liefern Gülle, und daraus weicht auch das klimatreibende Methan … und, und, aber dabei wären wir bei einem neuen Thema.
Mehr Fleisch will auch der „Klimaktivist“ Markus Söder: „Leberkäs statt Tofu-Tümelei". Gibt es dümmere Sprüche? Söder fragen! Er kann sicher eine Antwort geben.
Vergessen wir einen weiteren bedeutenden Klimatreiber nicht: die Konsumenten. Wären die schlauer als Joachim Rukwied, Alois Rainer und Markus Söder, gäbe es weniger Kühe und Schweine und die könnten tiergerechter gehalten werden.

Mit den vom Klimawandel getriggerten sommerlichen Trockenperioden gehen mehr und mehr heiße Tage mit mehr als 30° einher. Davon hatten wir Ende Juni schon ein paar und weitere werden kommen. 

Die Entwicklung der heißen Tage von 1963 bis 2024 und eine Prognose bis 2100 zeigt die Grafik.
Die rote Kurve spiegelt sicher nicht die künftige Realität, es ist aber das, was die derzeitigen Daten hergeben. Es könnte aber noch schlimmer werden mit sicher steigenden Temperaturen.

Die Folgen der heißen Tage sind:

Hitzeausschläge: Sie treten besonders häufig bei kleinen Kindern in Folge übermäßiger
Schweißabsonderung auf.
Jeder Sonnenbrand schädigt die Haut. Ein starker Sonnenbrand erfordert ärztliche Hilfe.
Ein Sonnenstich bewirkt Hitzestau im Schädelinneren und eine Reizung der Hirnhäute. Kinder und Menschen mit Glatze sind besonders gefährdet.
Hitzekrämpfe entstehen durch vermehrtes Schwitzen bei körperlicher Anstrengung. Der Körper verliert wichtige Mineralsalze, Spurenelemente und Flüssigkeit.
Ein Hitzekollaps kann durch langes Stehen in der Hitze entstehen. Die Folge sind kurzfristige Bewusstlosigkeit und Kollaps.
Ein Hitzschlag ist ein medizinischer Notfall und kann aus einer Hitzeerschöpfung entstehen, wenn Betroffene sich nicht ausruhen und weiterhin hoher Hitze ausgesetzt sind.

Quelle: Texte stark zusammengestrichen:
https://www.lzg.nrw.de/_media/pdf/hitze/hitzebedingte_erkrankungen.pdf


Freitag, 27. Juni 2025

Permafrost im Hochgebirge

Permafrost im Hochgebirge 


Der „Leim der Alpen" löst sich auf. 
Ist der Titel von Joachim Willes Artikel in „klimareporter“

Es geht im Wesentlichen darum, ob und wie der Klimawandel die Situation in der Hochgebirgswelt verändert. Anlass für den Artikel war der Bergsturz im schweizerischen Blatten.
So glücklich die Bürger Blattens, das furchtbare Unglück überlebt zu haben, weil sie gerade noch rechtzeitig evakuiert und nicht verschüttet wurden.
So furchtbar muss für sie der Verlust des Heimatdorfes sein und die bange Frage, ob sie jemals das Dorf auf dem Schutt und Geröll wieder zu neuem Leben erwecken können.
Wahrscheinlich nicht mehr rückholbar ist, was zu jedem Haushalt gehört. Die Blattener hatten nur 15 Minuten, um ihr Dorf zu verlassen. Was kann man schon in 15 Minuten einpacken und mitnehmen? Die komplette Familiengeschichte inklusive Möbel, auch geebte. Familiendokumente, Fotos und was den Menschen sonst noch wichtig ist, liegt alles unter dem Material des Bergsturzes begraben.
Drei Evakuierte nahe 80 oder über 80 Jahre berichten, sie hätten fast nur die Kleider am Leib mitnehmen können. Nahezu alles, was ihnen lieb und teuer war, hätten sie verloren: Fotos, Briefe, Dokumente über Hochzeit und Geburt. Die Erinnerungen. Die Heimat.
Die materiellen Schäden betragen mehrere Hundert Millionen Euro schätzt der Schweizerische Versicherungsverband.

Etwa drei Millionen Kubikmeter Gestein und Gletschereis stürzten auf das Dorf im Lötschental.
Mit Sicherheit haben die durch den Klimawandel erhöhten Temperaturen eine bedeutende Rolle gespielt. In den Alpen war der Anstieg gegenüber den Temperaturen in der Mitte des 19. Jahrhunderts 2°, hingegen im globalen Durchschnitt derzeit 1,5°. Als Folge verlieren die Gletscher weltweit massiv an Masse und ziehen sich in höhere Regionen zurück. Wichtiger für den Bergsturz von Blatten ist der Permafrost. Der auftauende Permafrost führt in den hochalpinen Regionen weltweit zu Erdrutschen, Murgängen und eben zu Bergstürzen. Permafrost entsteht auf Böden, deren Temperatur mindestens 2 Jahre nacheinander unter 0 °C liegt. Permafrost „kittet“ den Boden, Schutthalden oder Felswände.
Der „Kitt“ verschwindet nicht von jetzt auf gleich. Der Prozess ist schleichend, bis der „Kitt“ der den Schutt, das Geröll und die großen Blöcke zusammenhält, sich so weit aufgelöst hat, dass der Berg bricht.

Man kann sich das vorstellen wie einen Stab, der sich „gutmütig“ biegt, bis er bricht. Der Stab bricht, wenn die Biegekraft die Elastizität des Stabes übersteigt, der Berg bricht wenn der flüssig gewordenen Permafrost auftaut. Beanspruchter Stab und Berg ohne „Kitt“ sind dynamische Systeme. Solche können bei Überbeanspruchung chaotisch reagieren. Die Bifurkation ist ein mathematisches Modell zur Verdeutlichung:

Dynamische Systeme können ihren Zustand unmittelbar ändern. Sie können dann ins Chaos übergehen, der Stab unter der Biegekraft, aktuell der Permafrost unter Temperaturstress. Der Graf stellt in der Waagerechten den zeitlichen Verlauf der Änderung am System dar, der Biegekraft am Stab, der Temperatur im Permafrost. Die Senkrechte zeigt die Wirkung auf das System, auf die Spannung im Stab, auf das Tauen des Permafrostes. Der Prozess verläuft zunächst relativ „friedlich“, bis das System plötzlich ins Chaos stürzt. Der Stab bricht bei bestimmter Belastung, der Berg stürzt, wenn der Kitt nicht mehr hält. Das System kann zunächst zwei verschiedene Zustände annehmen, im Graf den unteren oder oberen, wobei nie feststellbar ist, wo sich das System aufhält. Im zeitlichen Verlauf verhält sich das System immer chaotischer. Der Stab bricht, der Berg stürzt. 
Damit soll nicht behauptet werden, dass beim Stab allein die Biegehraft für das Brechen und beim Berg der auftauende Permafrost die alleinige Ursachen sind. Der Ausschlag für den Bruch oder den Sturz kann aber die Kraft oder das flüssige Wasser als „Schmiermittel“ im Boden sein.
20 bis 25 Prozent der Landfläche der Erde sind ständig gefroren. Der größte Teil liegt auf der Nordhalbkugel. Überall dort, wo der Permafrost in den Hochgebirgen vorkommt, also auch in denen der Südhalbkugel, waren gewaltige Bergstürze schon immer eine Gefahr. Bergstürze werden häufiger und gewaltiger mit dem Auftauen des Permafrostes. Nicht in allen Regionen der Welt können die Menschen frühzeitig gewarnt und in Sicherheit gebracht werden, wie in Blatten.
Im indischen Gebiet des Himalaja kamen 2021 mehr als 200 Menschen bei einem Bergsturz ums Leben.

Es trifft mal wieder die Menschen, die am wenigsten zum Klimawandel und damit zum Tauen der Permafrostböden beitragen und insbesondere beigetragen haben.
Zu wenig Menschen begreifen es oder ignorieren es (bei Trump ist es Dummheit).
Die treibende Kraft der Änderung des Klimas ist die Änderung der globalen Temperatur. Die treibende Kraft für die Erhöhung der globalen Temperatur ist das seit mehr als 200 Jahren das exponentielle Wachstum des CO₂ in der Atmosphäre. Die treibende Kraft der Änderung des CO₂-Gehaltes sind die menschlichen Aktivitäten mit dem Verbrennen der aus dem Boden gerissenen fossilen Stoffe, die sich über Millionen oder hunderte Millionen Jahre gebildet haben und dort sicher gelagert waren. Die treibende Kraft der Verbrennung sind die selbst ernannten „entwickelten“ Menschen der Industrienationen.

Zum Ansehen / Lesen:
https://www.3sat.de/wissen/nano/250605-sendung--blatten-gletscher-bergsturz-wie-lange-sind-alpendoerfer-noch-sicher-nano-100.html
https://www.3sat.de/wissen/nano/250612-sendung-gletscherabbruch-bergsturz-wallis-blatten-wiederaufbau-nicht-moeglich-nano-100.html
https://www.srf.ch/news/schweiz/naturgefahren-in-der-schweiz-die-folgenschwersten-bergstuerze-der-letzten-25-jahre
https://www.alpenverein.de/artikel/gletscherruckgang-und-tauender-permafrost_62c205da-6a43-44a0-acae-dd875bf581ab
 


Donnerstag, 19. Juni 2025

Kolumne: Zum SPD-Manifest

Zum SPD-Manifest


„Friedenssicherung in Europa durch Verteidigungsfähigkeit, Rüstungskontrolle und Verständigung“
Wer hätte wohl etwas dagegen? Fragt sich wie!
Nicht nur die Schöpfer des Manifests, die „SPD-Friedenskreise“, sehen die Gewalt und Verletzung der Humanität durch den russischen Krieg gegen die Ukraine, aber: Putin hat aus seiner Sicht keinen Krieg gegen ein souveränes Land geführt, sondern führt eine Spezialoperation „Heim ins Reich“ für die Ukrainer. Putin wird sich nicht durch „SPD-Friedenskreise“ von seinem Ziel abbringen lassen, die Ukrainer von der „Naziherrschaft“ zu befreien.

Wenn Europa und besonders Deutschland es nicht schaffen, die „Spezialoperationen‚ „Heim ins Reich“ zu beenden, werden die souverän gewordenen Staaten im Baltikum, Polen und die anderen „Warschauer Pakt“-Staaten inklusive der ostdeutschen Bundesländer „Heim ins Reich“ geholt.

Wieviele ukrainische Soldaten und Zivilisten hätten wohl nicht sterben müssen, wenn der damalige Bundeskanzler frühzeitig die Waffen geliefert hätte, die möglicherweise Putin hätten aufhalten können? Scholz ist in seiner Haltung sicher von den Verfassern des Manifests bestätigt worden, zuvörderst von Ralf Stegner und Rolf Mützenich, den Erstunterzeichnern des Manifests.

Zu Recht beklagt das Manifest die fundamentale Verletzung der Menschenrechte im Gazastreifen. Mit keinem Wort wird der bestialische Angriff auf friedliche, zum Teil feiernde Menschen durch die Hamas erwähnt. Das soll keine Rechtfertigung dafür sein, dass Netanjahu die Menschen im Gazastreifen, Männer, Frauen und Kinder, hin und her hetzt, während seine Soldateska ihre möglichen Schutzräume bombardiert. Nicht erst wenn Netanjahu seinen Vernichtungsfeldzug beendet hat, ist der Gazastreifen für Generationen unbewohnbar – eine Wüste.

Wie im Manifest erkennt, wer hinschaut, dass die „soziale Spaltung der Welt tiefer wird, in den Gesellschaften und zwischen den Gesellschaften. Die vom Menschen gemachte Krise des Erd- und Klimasystems, die Zerstörung der Ernährungsgrundlagen und neue Formen von Kolonialismus um Rohstoffe bedrohen den Frieden und die Sicherheit der Menschen. Nicht zuletzt versuchen Nationalisten, Unsicherheiten, Konflikte und Kriege für ihre schäbigen Interessen zu nutzen.“ Aber die Unterzeichner des Manifests hatten oder haben alle Positionen, in denen sie sich zur Beseitigung, zumindest zur Abschwächung des Beklagten hätten einsetzen können.

Die Manifester beklagen: In Deutschland und den meisten europäischen Staaten hätte sich eine militärische Konfrontationsstrategie mit hunderten von Milliarden Euro an Aufrüstung durchgesetzt. Der Zwang zu immer mehr Rüstung und zur Vorbereitung auf einen angeblich drohenden Krieg wird beschworen, statt notwendige Verteidigungsfähigkeit mit einer Rüstungskontroll- und Abrüstungspolitik zu verknüpfen, um gemeinsame Sicherheit und gegenseitige Friedensfähigkeit zu erreichen. Das Konzept der gemeinsamen Sicherheit habe auch dem zwischen US-Präsident Ronald Reagan und dem Generalsekretär der KPdSU zugrunde gelegen.

In der Ukraine findet kein „angeblicher Krieg“ statt, sondern ein blutiger Vernichtungskrieg in einem Land, mit einer Bevölkerung, die zu lange unter der russischen (sowjetischen) Diktatur gelitten hat und diese keinesfalls zurückhaben will. Dazu ist sie zu jedem Opfer bereit.
Beide, Reagan und Gorbatschow, wollten die gemeinsame Sicherheit. Putin, seine Entourage und Zweidrittel der russischen Bevölkerung sind dagegen verantwortlich bzw. finden den Krieg gegen die Ukraine gerechtfertigt, weil alle der „Großrussland-Ideologie“ folgen. Reagan und Gorbatschow haben weder in Tschetschenien, Georgien, Syrien Kriege geführt, noch die Krim erobert. Sie haben keine Söldner (Wagner) nach Afrika geschickt, um Staaten zu destabilisieren und massenhaft Menschen zu töten.

Die Manifester sehen: militärische Alarmrhetorik und riesige Aufrüstungsprogramme, die keine Sicherheit schaffen, sondern Destabilisierung.
Sie glauben, acht zentrale Elemente für eine zukunftsfähige Friedens- und Sicherheitspolitik zu haben.

Das Töten und Sterben in der Ukraine zu beenden mit diplomatischen Mitteln. Das setzt aber Verhandlungen voraus. Mit wem, mit Lawrow oder gar Putin persönlich?
Zum ersten Element gehört der Satz: „Die Unterstützung der Ukraine in ihren völkerrechtlichen
Ansprüchen muss verknüpft werden mit den berechtigten Interessen aller in Europa an Sicherheit und Stabilität.“ (vollständig zitiert!) Wer versteht diesen Satz? Heißt er: Die Ukrainer sollen den machthunrigen Russen die Krim, Cherson, Donezk, Luhansk und Saporischschja überlassen, damit das restliche Europa nicht „beläßtigt“ wird. Auch dann würde der Eroberungshunger nicht gestillt werden.

Weiter in den Elementen: Europa solle sich auf Sicherheitspolitik und nicht auf Aufrüstung und Kriegsvorbereitung, sondern an wirksame Verteidigungsfähigkeit orientieren. Das ist in Ordnung ohne das Wort „Kriegsvorbereitung“ weil es das in dem (noch nicht) angegriffenen Europa nicht gibt.

Über die Erhöhung des Verteidigungshaushalts in Deutschland und ob die Mittel nicht besser für Armutsbekämpfung, für Klimaschutz und gegen die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen eingesetzt würden, kann man trefflich streiten. Armutsbekämpfung, Klimaschutz Erhalte der natürlichen Lebensgrundlagen müssen aber vom Aufbau der Verteidigungsfähigkeit unabhänbiges Ziel sein. Wie erwähnt: Die meisten der Manifester könnten dazu beitragen. Der von ihnen mitbeschlossene Koalitionsvertrag spiegelt das nicht.
Die restlichen Elemente scheinen nicht so wesentlich, dass sie hier diskutiert werden müssten.

Peter Schürkes
 

Dienstag, 3. Juni 2025

Die schwäbische Hausfrau

Die schwäbische Hausfrau


Die schwäbische Hausfrau (SHF) sorgt dafür, an den richtigen Stellen zu sparen und Investitionen dort zu tätigen, wo sie auch zukünftigen Generationen dienen. Bevor die SHF aufs Altenteil geht, sorgt sie dafür, dass sie ihren Kindern ein geordnetes Haus übergibt. Sie sorgt dafür, dass das Haus ordentlich gedämmt ist, Fenster und Türen keine Wärmeverluste aufweisen, die Photovoltaikanlage korrekte Leistung bringt, also den Strom wie vorgesehen liefert, der Sonnenkollektor modern mit Vakuumröhren ausgestattet ist, die Toiletten und die Waschmaschine aus der Regenwasserzisterne versorgt werden.

5860 Tage, oder gut 16 Jahre lang, hat die Möchtegern schwäbische Hausfrau (MSHF) den Haushalt Deutschlands geführt. Was sie ihren Erben hinterlassen hat, ist in einem katastrophalen Zustand.
MSHF hat Straßenbrücken zerbröseln lassen. MSHF verdanken ihre Erben eine kaputtgesparte Bahn. Sie hat nichts dafür getan, dass die Bahn so ausgestattet ist, dass sie das tun kann, was sie soll, nämlich Bahnbenutzer ordentlich von A nach B zu transportieren. MSHF hat der Bahn nicht genug Geld zur Verfügung gestellt. Damit die Bahn genug Schienen und Züge hat, um ihren Auftrag erfüllen zu können. Die Bahn hat dank der MSHF marode Brücken, saumäßige Bahnhöfe und eine technische Struktur auf Vorkriegsniveau.
Den Schienengüterverkehr hat MSHF vor die Wand gefahren, deshalb werden die Autobahnen von Heerscharen von Lkw bevölkert, unter anderen 40-t-Giganten, die von ihr zugelassen wurden, und die eifrig die Straßen und die Straßenbrücken besonders effektiv zermalmen.

Die MSHF hat die Autoindustrie dazu animiert, in die verrücktest denkbaren Autos wie SUVS und Straßengeländerwagen zu investieren. Jedes Mal, wenn die EU den CO₂-Ausstoß der Vehikel begrenzen wollte, ist sie nach Brüssel galoppiert, um das zu verhindern und für Audi, BMW, Mercedes-Benz, Porsche das Geschäftsmodell zu garantieren. 
MSHF hat uns eine Industrie hinterlassen, die nichts anderes als Prämiumautos bauen kann, auch elektrische, für die es wegen ihrer Größe aber keinen Markt gibt. Einen Markt gibt es für bezahlbare E-Autos. Die aber werden eher in China gebaut. Die heimische Autoindustrie und ihre Zulieferer haben Produktionsstätten geschlossen und Beschäftigte entlassen. Zurzeit scheinen sich einige zu erholen.

MSHF verdanken ihre Erben die Schuldenbremse, die tatsächlich eine Investitionsbremse ist.
MSHF hat in jedem Jahr die Klimaziele gerissen.
MSHF hinterlässt eine Bundeswehr, die nicht in der Lage ist, das zu tun, was sie soll – das Land verteidigen. In ihren Kasernen sind die Klos ebenso unappetitlich wie die in den Schulen.
MSHF hat auch nichts gespart, so dass ihre Erben eine halbe Billion Schulden machen müssen, um die marode Infrastruktur einigermaßen in einen brauchbaren Zustand zu versetzen.
Zur Verteidigungspolitik im Hinblick auf den Überfall Putins wird man wohl fairerweise feststellen müssen: Der allergrößte Teil der Deutschen hat das auch nicht kommen sehen. Dennoch hätte spätestens nach dem Überfall auf die ukrainische Krim ein Umdenken nicht nur der MSHF erforderlich gemacht. Zwar hat MSHF die Annexion der Krim 2014 scharf als Völkerrechtsbruch angeprangert, aber das war es auch schon.

Obgleich MSHF Putin früher als andere durchschaut hatte, hielt sie am Bau der Ostseepipeline Nord Stream 2 fest. Jetzt liegt sie wohl mit Putins Hilfe geborsten auf dem Grund der Ostsee. Immer wieder betonte MSHF, Nord Stream 2 werde Deutschland nicht abhängig von Russland machen, etwa bei einem Auftritt vor Studenten der Universität Tiflis im August 2018.
Noch im Juni 2021 schickte sie ihren Sicherheitsberater Jan Hecker nach Washington, um den Streit um die Pipeline beizulegen. Denn die USA lehnten den Bau ab, ebenso wie Polen, Frankreich und die meisten anderen europäischen Partner. Doch Merkel gab sich unbeirrt.
„Die Gesamtkosten für das Nord-Stream-2-Projekt belaufen sich auf schätzungsweise 9 bis 11 Milliarden Euro. Da die Pipeline nie in Betrieb genommen wurde, handelt es sich um eine Investitionsruine. Die Betreibergesellschaft, die Nord Stream 2 AG, ist überschuldet.“ liest man in den Suchmaschinen.

Danke MSHF.

Peter Schürkes

Montag, 2. Juni 2025

Gewalt in Palästina

Gewalt in Palästina


Der folgende Text war als Redebeitrag zum Ende des Schweigegangs in Rheinbach 2024 geschrieben. Ich habe mich am Tag vorher für eine andere Rede entschieden. Zwar war, was ich sagen wollte, richtig und ist aktueller denn je. Allerdings schien mir die Rede beim Gedenken an den Holocaust mit seinen Opfern aus Rheinbach nicht angemessen.

Ich empfinde das jährliche Gedenken an den Pogrom 1938 und das fabrikmäßige Morden der Deutschen zwischen 1940 und 1945 als notwendig, damit “Nie wieder” nicht verhallt. Die gezeigte Grausamkeit und Unmenschlichkeit erfüllt mich immer aufs Neue mit Entsetzen, gleichzeitig mit Unverständnis über das Wegschauen. Oder war es eher Hinschauen, was nach 1945 zum „Nichtmitbekommenhaben“ wurde. Auch das, was am 7. Oktober 2023 in Israel geschah, erfüllt mich mit Entsetzen. In den Worten unserer Außenministerin am 7.  Oktober  2024 im Parlament: “1.200 Leben, Träume, Wünsche, 1.200 Menschen wurden diese genommen. Sie wurden kaltblütig ermordet. Geschunden, gejagt, vergewaltigt. Über 250 Menschen - Frauen, Männer, Kinder - wurden verschleppt. Rund 100 von ihnen werden immer noch von der Hamas gefangen gehalten in den dunklen Tunneln und Kellern Gazas.”

Obwohl ich wie andere Israel das Recht auf Verteidigung zuspreche, bin ich entsetzt über die Art, wie die rechtsradikale israelische Regierung das Recht durch das Militär durchsetzen lässt. Bundeskanzler und Außenministerin können live erleben, was geschähe, wenn die AfD an irgendeiner deutschen Regierung beteiligt werden sollte.

Meine Frau und ich waren Ende der 70er Jahre Teilnehmer einer Delegation des Instituts für Vor- und Frühgeschichte der Universität Bonn zu Exkursionen, Gesprächen und Ausgrabungen in Israel. Man muss kein religiös denkender Mensch sein, um sich für Palästina, die dort entstandenen Kulturen, von dort inspirierten Religionen und das Schicksal der dort aktuell Lebenden zu interessieren. Immer wieder habe ich mich mit Literatur dieses Raumes befasst. Darunter mit dem Bildband „Israel – Das Heilige Land” von Sarah Kochav aus dem Jahr 1995. Es heißt im Vorwort: „Der Geschichte des Heiligen Landes begegnet man einerseits in der Bibel und andererseits in seinen Steinen: von der Tiefe der Höhlen hoch über dem Toten Meer über den Sand der Wüsten bis hin zu den Ruinenstädten. Nabatäische Festungen, israelitische Städte, römische Amphitheater, byzantinische Kirchen, Kreuzfahrerburgen und islamische Moscheen berichten uns über die Geschichte eines für Juden, Christen und Moslems gleichermaßen geheiligten Landes. An der Schnittstelle von Völkern und Kontinenten zeigt sich das heutige Israel als eine junge, zum Frieden bereite Nation in einer wunderschönen Region."

Im Erscheinungsjahr des Bildbandes wurde Jitzchak Rabin ermordet. Er wollte Frieden durch Verhandlungen erreichen. Sein Mörder, ein rechtsextremer, religiös fanatischer Israeli, Student der religiösen Bar-Ilan-Universität, Mitglied der israelischen Siedlerbewegung, wollte genau das verhindern. Er war erfolgreich.

Zurück zu mir: Ich engagiere mich seit mehr als 30 Jahren für den Schweigegang, damit eben das “Nie wieder“ nicht in Vergessenheit gerät. Das Wissen um Ungerechtigkeit, das Quälen und das Töten beschäftigt mich immer wieder. Meine Empathie gilt nicht nur den Juden und den sonst Verfolgten der Deutschen im Dritten Reich. Meine Empathie gilt auch denen, die heute gequält, verstümmelt und getötet werden.

Ich bin gleich empathisch mit den Ukrainern, die bei der Verteidigung ihrer Heimat sterben oder an Leib und Seele verletzt werden, wie mit den russischen Soldaten, die von einem Nichtmenschen (ich weiß, solche Wesen gibt es nicht) in den Tod oder die Verstümmelung geschickt werden.

Ich bin gleich empathisch mit denen, die von der Hamasmörderbande getötet, geschändet, verschleppt wurden, mit denen, die unschuldig von israelischen Soldaten auf Kommando einer rechtsradikalen Regierung unter Netanjahu getötet, an Leib und Seele verstümmelt werden. Die AfD ist ein Weisenkind gegen Netanjahus Ministerbande. Die Mehrheit spricht den Palästinensern das Menschsein ab und schwadroniert über einen Atomeinsatz in Gaza.

Moshe Zimmermann ist Professor emeritus für moderne Geschichte an der Hebräischen Universität Jerusalem. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen deutsche Geschichte, Antisemitismus und Nationalismus. Moshe Zimmermann ist in allen deutschen Medien präsent, wenn es um die Lage in Palästina geht. Sein Buch “Niemals Frieden? Israel am Scheideweg”, 2024 geschrieben, beginnt mit einem Gedicht.

Der Garten hat geblüht, die Sonne hat geleuchtet.
Und der Schächter hat geschächtet.
Und weiter noch, viel furchtbare Geschichten,
Die löchern deinen Kopf verbrennen dir den Sinn
Und töten dir auf ewig deine Seele.
Und du erstickst im Hals dein wildes Brüllen.

Der Nationaldichter Chaim Nachman Bialik „In der Stadt des Schlachtens“ von 1903. Dieses Gedicht so Zimmermann “kennen alle israelischen Schüler. Jedem Leser gibt es eine klare Botschaft: So sieht das Schicksal der Diaspora-Juden aus, wenn sie sich nicht nach Palästina retten. Seit dem 7. Oktober 2023 kommen diese Verse jedem Israeli in den Sinn, jetzt allerdings mit Bezug auf das, was sich in seiner unmittelbaren Nähe, nur etwa eine Stunde entfernt von Tel Aviv oder Jerusalem, ereignete.”

Seit die Hamas die Macht im Gazastreifen übernommen hat, wurde Israel regelmäßig mit Raketen beschossen, der 7. Oktober war etwas ganz anderes. Zimmermann: “Schaut man auf die wütende Reaktion Israels, so stellt die Frage nach der Alternative: Musste es wirklich so weit kommen? Gab es keinen Weg, den Konflikt anders und weniger gewaltsam auszutragen? Hätte es vielleicht sogar eine Chance gegeben, ihn zu beenden?”
Um diese Fragen geht es in Zimmermanns Buch und eben um die Frage “Niemals Frieden?”. 

Lassen Sie mich etwas dazwischenschieben. In der Frankfurter Allgemeinen stand im Feuilleton am 7.  Oktober  2024 ein Interview von Kira Kramer mit Lizzie Doron. 
Sie ist über siebzig, ihre Kinder haben Israel inzwischen verlassen, sie aber harrt in ihrer Heimatstadt Tel Aviv aus: Die Schriftstellerin Lizzie Doron im Gespräch über Gedanken im Bunker, Strategien des Überlebens und Sprache als Fluchtort.

Das Interview vermittelt einen anderen Blick auf das derzeitige Israel, als man es uns einredet: “Die einzige Demokratie im Nahen Osten.” Sie wird gerade, wie andere auch, von innen ausgehöhlt. Dennoch gilt bei uns unreflektiert: „Israels Sicherheit ist Teil der deutschen Staatsräson“. Darauf komme ich später nochmal. Zum Interview in Ausschnitten:
Kramer: Seit einem Jahr herrscht Krieg. Können Sie überhaupt noch schreiben?
Doron: Ich schreibe die ganze Zeit wie verrückt. Das Schreiben ist der einzige Ort, an dem ich mich frei fühle. Im Schreiben drückt sich meine Hoffnungslosigkeit aus – aber diese Hoffnungslosigkeit ist auch kraftvoll. Alle Themen, Figuren, Ereignisse, die in meinen Texten vorkommen, handeln von dem neuen Leben seit dem 7. Oktober vor einem Jahr. Als Nächstes will ich ein Kammerspiel schreiben: Zwei Menschen sitzen im Schutzraum und warten auf die Rakete. Ein Warten auf etwas, das sie nicht kontrollieren können, etwas, von dem sie nicht wissen, wann es kommt und wie das Ergebnis sein wird.
Kramer: Wie sieht das neue Leben in Ihrem Land aus?
Doron: Es ist nicht mein Land, ich habe kein Land mehr. Ich fühle mich diesem Land nicht mehr verbunden, und dieses Land will Menschen wie mich nicht. Ich wurde besiegt - von seiner Regierung, von Extremisten. Jetzt bin ich staatenlos, ein mentaler Flüchtling. …
Kramer: Also gut, wie sieht ihr neues Leben in Israel aus?
Wir leben im Ausnahmezustand: Der 7. Oktober fühlt sich wie ein Tag an, der einfach nicht enden will. Wir warten. Aber wissen nicht, worauf.
Kramer: Auf das Ende des Ausnahmezustands, nehme ich an.
Doron: Das gibt es nicht. Die derzeitige Situation zerschneidet selbst die Familienbande. Wir hatten noch einige Wochen nach dem Überfall auf Israel jeden Freitag ein Familienessen...Aber jetzt machen wir es nicht mehr. Zwei Monate nach dem 7. Oktober war ein Cousin dabei, der in Amerika wohnt. Er sagte, er unterstütze den rechtsextremen Politiker Itamar Ben-Gvir. Ich konnte es nicht fassen. Dieser Mann ist mein Feind. Er steht für alles, was ich ablehne…. (Anmerkung von mir: Ben-Gvir wollte Gaza auszuradieren oder eine Atombombe auf Gaza werfen.)
Kramer: Viele Staaten und Akteure kritisieren die israelische Regierung für ihr Vorgehen in Gaza. ..die zivilen Opfer, sind zu hoch. Auch die Bodenoffensive im Südlibanon wird scharf kritisiert.
Doron: Jeder, der gerade darüber nachdenken kann, ist privilegiert. Ich bin eine Feindin im eigenen Land, weil ich liberal bin, weil ich vom Frieden träume, weil ich die Besatzung beenden will und den Krieg erst recht…. In Israel wollen die rechte Regierung, die Extremisten und die Ultraorthodoxen einzig und allein Rache und einen Sieg - egal um welchen Preis…. Sie wollen mich nicht mehr, und ich sie ebenso wenig…. Ich habe Angst vor dieser Regierung und ihren Soldaten. In meinen Träumen laufe ich vor ihnen weg, immer und immer weiter. Ich wache auf, bin schweißnass als sei ich einen Marathon gelaufen. Aber wohin? Ich weiß es nicht.
Kramer: In Deutschland gilt die Sicherheit Israels als sogenannte Staatsräson. Deutschland ist nach den USA einer der wichtigsten Waffenlieferanten für Israel.
Doron: Ich würde mir wünschen, dass die deutsche Regierung kritischer mit dem Vorgehen der israelischen Regierung ins Gericht geht. Ich denke, Deutschland ist - eben aufgrund der Vergangenheit - moralischen Werten verpflichtet und nicht der israelischen Regierung. Deutschland ist der Freiheit und der Menschlichkeit verpflichtet. Es sollte sich gegen Krieg einsetzen, gegen die Besatzung, gegen Entmenschlichung. ... Die Schuldgefühle für die Vergangenheit sollten nicht das heutige Handeln bestimmen. Aus ihnen sollte eine Verantwortung erwachsen. Ich würde mir wünschen, dass die deutsche Regierung für die liberalen Israelis spricht, die heute völlig isoliert sind. Denn sie stehen für das, was Deutschland sich von Israel nach der Staatsgründung erhofft hat.
Kramer: Der Krieg im Nahen Osten eskaliert immer weiter. Israel operiert in Gaza und Libanon. Iran beschießt Israel großflächig.
Doron: Ich fürchte, es wird noch lange so weitergehen. Jeder will der Gewinner sein, doch es kann in dieser Situation schon lange keinen Gewinner mehr geben. Als ich sah, was im Libanon passierte und die Pager der Hisbollah explodierten, war ich für einen Moment froh. Und dann frage ich mich völlig erschrocken: Lizzie, bist du endgültig verrückt geworden, dass du dich freust, dass der Mossad weiß, wie man Menschen tötet? ….Ich möchte nicht, dass Israel den Krieg verliert - aber ich will auch nicht, dass Netanjahu gewinnt. Dieses Streben nach einem Sieg ist auf allen Seiten zu einer Sucht geworden, und ich weiß nicht, was die Eskalationsspirale aufhalten kann. Letztlich ist es ein rassistischer Konflikt. Es geht ihnen darum, wer besser ist: Juden oder Araber.

Zurück zu Moshe Zimmermann: Der Satz, „Am 7. Oktober 2023 wurden so viele Juden an einem Tag niedergemetzelt, wie seit der Schoah nicht mehr. Die schlimmste jüdische Katastrophe seit dem Holocaust ereignete sich auf israelischem Boden. Genau 80 Jahre nachdem Deutschland am Ende der „Aktion Reinhardt“ für „judenrein“ erklärt und in Warschau, Lublin, Radom, Krakau und Lvov mehr als 1,5 Millionen Juden, Roma und weitere Opfer des deutschen Rassenwahns geworden waren.“

Nach dem Pogrom der Hamas am 7. Oktober erinnerte sich Deutschland an das Versprechen, das Angela Merkel am 18. März 2008 in Israel gab: „Israel ist deutsche Staatsräson.“

Alexander Gauland stellte 2017 im Bundestag fest: „Wenn Sie sagen, das Existenzrecht Israels gehört zur Staatsräson Deutschlands, dann müssen wir auch bereit sein, deutsche Soldaten zur Verteidigung des jüdischen Staates einzusetzen.“ Roderich Kiesewetter (CDU) am 02.11.2023 „Staatsräson bedeutet nämlich, dass unsere Sicherheit mit der Israels gleichzusetzen ist. Das bedeutet auch, dass wir bereit sind, notfalls mit unseren Streitkräften die Sicherheit Israels zu verteidigen.“

Wer so argumentiert, hat das weitere Merkel-Zitat nicht gelesen oder bewusst ausgeblendet: Es heißt dort: „Deutschland setzt gemeinsam mit seinen Partnern auf eine diplomatische Lösung. “

Israels Sicherheit verpflichtet Deutschlands Politik und Diplomatie, energisch einzutreten für Verhandlungen Israels mit seinen Nachbarn, vor allem mit den Palästinensern.
Diese Aufgabe wurde seit 2008 von der Kanzlerin vernachlässigt. Die Sicherheit Israels ist nicht mit mehr Militärhilfe, mehr U-Booten zu gewährleisten, sondern eher durch die Forderung der UNO nach der Zweistaatenlösung.

Von 1996 bis 1999, von 2009 bis 2021 und wieder seit 2023 konnte Netanjahu ungestört die Politik der Siedler im Westjordanland und Ost-Jerusalem betreiben. Zimmermann wörtlich:
„Der 7. Oktober 2023 hat es dann gezeigt: Finden keine Verhandlungen statt, befinden sich die Kontrahenten gewissermaßen im Vorhof zur Hölle. Der einzige Weg daraus, der dann noch frei ist, ist der Weg in die Katastrophe. Der Hass auf beiden Seiten hat einen neuen Gipfel erreicht.“

Israels als Staatsräson ernst nehmen heißt, den Konflikt mit Israels Regierung aufzunehmen.
Zimmermann wörtlich: „Bereits vor dem 7. Oktober war mir klar, dass die israelische Regierung die größte Gefahr für das Land und die Region ist und deshalb Deutschlands Toleranz gegenüber dieser Regierung als Verrat an der Aufgabe, Israels Sicherheit als deutsche Staatsräson zu betrachten, zu sehen ist.“

Zimmermann zitiert den Wissenschaftlichen Dienst des Bundestags von 2020. „Angesichts der aktuellen innenpolitischen Situation in Israel und in den palästinensischen Gebieten sowie der Entwicklungen in der unmittelbaren Region ist das Zeitfenster für eine friedliche Lösung jedoch kaum noch geöffnet. Die Gründe sind offenkundig, nicht zuletzt die fortschreitende israelische Siedlungspolitik im Westjordanland und im Gebiet Ostjerusalem sowie eine betont deutliche Unterstützung israelischer Positionen durch die US-Regierung.“
Im Koalitionsvertrag der Ampelregierung heißt es: "Die Sicherheit Israels ist für uns Staatsräson. Wir werden uns weiter für eine verhandelte Zweistaatenlösung auf der Grundlage der Grenzen von 1967 einsetzen. Die anhaltende Bedrohung des Staates Israel und den Terror gegen seine Bevölkerung verurteilen wir."

Noch ein Urteil Zimmermanns zur derzeitigen Regierung Israels: “Erst als am Anfang des Schicksalsjahres 2023 die neue Regierung Netanjahus vorgestellt wurde, war bei vielen Israelis der Groschen gefallen: „La patrie est en danger.“ (Das Vaterland ist in Gefahr.) Israel wird von Personen regiert, die populistisch, extrem rechts, fundamentalistisch, rassistisch, homophob eingestellt sind. Nicht nur die „Partei der religiösen Zionisten“, zu der der Annexionist Bezalel Smotrich und der frühere Kahane-Anhänger Itamar Ben-Gvir gehören, wurde zum Koalitionspartner von Netaniahus Likud-Partei, sondern auch die zwei Parteien der Ultraorthodoxie. Und auch die Likud-Fraktion selbst, das Rückgrat der Koalition, zeichnete sich diesmal durch eine Reihe von rechtsextremistischen, rabiaten Populisten aus, die früher niemals über die Likud-Liste den Weg in das Parlament gefunden hätten.”

Wer nach dem 7. Oktober 2023 den Kampfruf „From the River to the Sea” verurteilte und ich gehöre dazu, gleichzeitig aber ich - nenne es mal zur Unterscheidung “From the Sea to the River” - nicht verurteilte, ich gehöre nicht dazu, hat nicht verstanden, dass Letzteres Realität und Ersteres Wunschdenken ist und bleiben wird. Also keine reale Gefahr für die israelischen Siedler. “From the Sea to the River” ist Ganz-Israel- oder Groß-Israel-Ideologie Netanjahus ist Realität. Der allergrößte Teil der Bevölkerung Israels unterstützt diese Realität.
Zimmermann sinngemäß: „Weil Israel auf die Siedlungen, die wie Minen in der Westbank verstreut sind, nicht verzichten will, zeichnet sich die nächste gewaltsame Auseinandersetzung schon ab. Wer wird das Blut und den Preis aufbringen für wessen Hartnäckigkeit? Denn meist sind es nicht die sturen Scharfmacher, die am Ende den Preis bezahlen.“

Fazit: Wir sollten „Israel ist deutsche Staatsräson.“ kritisch betrachten, weil in Israel eine rechte, in ihren Grundzügen faschistische Regierung von der Bevölkerung gewählt, herrscht. Besonders wichtig: Wir müssen den Palästinensern dankbar sein, dass sie einen Teil unserer Holocaustlasten tragen!

Peter Schürkes
 

Dienstag, 26. November 2024

Es ist Wahl-Kampf(Krampf)

Es ist Wahl-Kampf(Krampf)


Die „Hinterherläufer“ überbieten sich im Hinterherlaufen und werden dennoch die AfD und BSW in der Flüchtlingspolitik nicht einholen. Die, die sich selbst als „Die demokratischen Parteien“ bezeichnen, haben immer noch nicht verstanden, dass die Originale gewählt werden und nicht die Kopien, so sehr sich die Kopien auch anstrengen mögen. Die Originale werden durch das Hinterherlaufen gestärkt und kosten den Kopien durch das Kopieren die erhofften Wählerstimmen.

Wie kommen die demokratischen Parteien aus der Falle?

Indem sich die Christdemokraten / soziale auf die Bibel besinnen: „Bietet Zuflucht wie ein Schatten, der in der Mittagshitze schützt wie die Nacht. Versteckt die Vertriebenen, verratet die Geflüchteten nicht!“ (Jesaja 16,3), soweit CDU/CSU die Bibel noch kennt.

Indem sich Sozialdemokraten daran erinnern, dass Willy Brandt in Norwegen und nach dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in Schweden als Flüchtling geschützt war, soweit die „Sozialdemokraten“ noch was über die Sozialdemokraten wissen.

Indem die FDP sich daran erinnert, dass das „F“ für Freiheit / freiheitlich steht – soweit der Neoliberalismus das Liberale nicht gefressen hat.

Indem die Grünen sich auf ihre Politik der Menschlichkeit besinnen - soweit es ihnen noch wichtig ist. Dem neuen Vorsitzenden Felix Banaszak ist es wichtig! Er sagte auf der Bundesdelegiertenkonferenz: „Ich kann nicht akzeptieren, dass im Land über Menschen mit Migrationsgeschichte nur noch als Problem gesprochen wird und die Menschen, die Schicksale dieser Menschen, ihre Ziele und Wünsche, ja auch ihre Potentiale gar nicht gesehen werden.“

Migranten auszusperren und beschränken ist nicht angesagt, sondern fördern in allen gesellschaftlichen Bereichen ist angesagt. Dazu ist jedoch nicht nur die Politik gefragt, sondern insbesondere auch die Unternehmen, die ja permanent über Arbeitskräftemangel klagen. Und nicht nur die, sondern jede und jeder in diesem Lande. Nazis (AfD) und Putinversteher (BSW) sind jedenfalls unter dem Aspekt eine denkbar schlechte Wahl. Auch die beste Migrationspolitik, die beste Eingliederungspolitik und das intensivste Engagement der Bürgerinnen und Bürger, werden Tragödien, wie in Solingen, nicht verhindern. Allerdings „dichte“ Grenzen auch nicht. Menschen, die Übles wollen, werden davon nicht abgehalten. In einer Welt der Ungechtigkeit mit Überfluss hier und Mangel / Hunger dort wird es immer wieder Menschen geben, die glauben, durch Verbrechen auf die Ungechtigkeit reagieren zu müssen.

Wir müssen die Menschen, die in ihren Ländern nicht leben können – egal weshalb immer – freundlich aufnehmen und nicht abschrecken. Wir müssen aus dem Land „Von der Wiege bis zur Bahre, Formulare, Formulare!“ ein Land machen, das die Kenntnisse und Fähigkeiten aller nutzt.

Wir müssen den „Tierarzt für Nutztiere (Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen)“ aus Syrien Tierarzt sein lassen, weil wir daran einen Mangel haben und ihn nicht zum Busfahrer „fördern“. Das geht nicht gegen Busfahrer, an denen mangelt es auch, aber dafür könnte man sicher andere Flüchtlinge gewinnen, wenn wir sie fördern, statt sie mit Formularen zu beschmeißen.

Peter Schürkes

 

Donnerstag, 14. November 2024

Kolumne “From the River to the Sea” oder “From Sea the to the River”

“From the River to the Sea” oder “From Sea the to the River”


Wer nach dem 7. Oktober 2023 den Kampfruf der Palästnenser und ihrer weltweiten Unterstützer “From the River to the Sea” verurteilte, aber nicht “From Sea the to the River”– es soll mal hier so zur Unterscheidung benutzt werden, also die „Ganz-Israel-“ oder „Groß-Israel-Ideologie“ macht sich der Einseitigkeit schuldig. “From the River to the Sea” wird immer Wunschdenken bleiben, “From the River to the Sea” ist Realität. “From the River to the Sea“ ist verbunden mit dem Ziel der Vertreibung der Israelies aus Palästina. Die „Groß-Israel-Ideologie“ setzt auf die Vertreibung der Palästinenser zumindest von ihren angestammten Gebieten, die ihnen durch die Verabschiedung des UN-Teilungsplans für Palästina von 1947 zugesprochen ist. Ziel war also das, was man heute als „Zweistaatenlösung“ bezeichnet. Dies ist mit der „Groß-Israel-Ideologie“, die Netanjahu seit 50 Jahren vertritt und die die allermeisten Israelis teilen, unvereinbar.

Moshe Zimmermann ist emeritierter Professor für deutsche Geschichte, Antisemitismus und Nationalismus an der Hebräischen Universität Jerusalem. Er ist in allen deutschen Medien zum Thema Palästina präsent. Sein Buch von 2024: “Niemals Frieden? Israel am Scheideweg”. Er schreibt darin: „Weil Israel auf Siedlungen, die wie Minen in der Westbank verstreut sind, nicht verzichten will“ käme es nicht zu einer Verständigung, sondern zur einer nächsten Auseinandersetzung (nach dem 7. Oktober 2023) und er fragte schon 2021: „Wer wird das Blut und den Preis aufbringen für wessen Hartnäckigkeit? Denn meist sind es nicht die sturen Scharfmacher, die am Ende den Preis bezahlen.“
Die „Groß-Israel-Ideologie“ Netanjahu und seiner rechtsradikalen Ministerrunde(-bande), von der die deutsche AfD viel lernen kann, besonders die Verteibung von Menschen, hat prominente ideologische Vordenker und „Vorhandler“. An erster Stelle steht der allseits hochgelobte David Ben-Gurion.

David Ben-Gurion zur Vertreibung: Die Vertreibung der Palästinenser durch die jüdische Seite war nicht von vornherein geplant. Ben-Gurion war lange Jahre Gegner einer aggressiven Haltung gegenüber den Arabern Palästinas. Es gibt viele Belegstellen die das zeigen. Zum Beispiel:

„Die arabische Gemeinschaft in Palästina ist ein organischer, untrennbarer Teil des Landes. Sie ist in das Land eingebettet. Die Araber bearbeiten das Land und werden bleiben.“

Doch spätestens mit den arabischen Unruhen von 1936 und den Ergebnissen der britischen Peel-Kommission von 1937 – die vorschlug Bevölkerungsteile zu verschieben -, wurde die Transfer-Idee unter Zionisten populär. Spätestens ab 1936 nahm der Gedanke an die Vertreibung der Palästinenser immer konkretere Züge an.

Ben Gurion: Wir werden sie im großen Stil vertreiben
David Ben-Gurion sagte vor dem 20. Zionistischen Kongress in Zürich, 7. August 1937:
„Die Verdrängung der [arabischen] Bevölkerung hat bereits stattgefunden im [Jezreel-] Tal, in der Scharon-Ebene und an anderen Orten. […]
Nun muss ein Transfer in einer ganz anderen Dimensionen durchgeführt werden.
In verschiedenen Teilen des Landes werden neue jüdische Siedlungen nicht möglich sein, wenn nicht auch die arabische Bevölkerung umgesiedelt [d.h. vertrieben] wird …
Es ist wichtig, dass dieser Plan von der [englischen Peel-] Kommission kommt und nicht von uns. […] Der Transfer der [arabischen] Bevölkerung ermöglicht uns ein umfassendes [jüdisches] Siedlungsprogramm. Zum Glück für uns hat die arabische Bevölkerung enorme verlassene Gebiete.
Die wachsende jüdische Macht im Lande wird unsere Möglichkeiten verbessern, einen großen Transfer durchzuführen. Sie müssen bedenken, dass diese Methode auch eine wichtige humane [sic!] und zionistische Idee enthält. [Nämlich] Teile eines Volkes [d.h. die Araber] in ihr eigenes Land zu transferieren und leeres Land zu besiedeln [gemeint war die jüdische Besiedlungen des “ganzen” Palästina einschließlich Transjordaniens und Teile des Irak.

Ben Gurion: Wir werden uns den Rest des Landes holen
Am 5. Oktober 1937 schrieb David Ben Gurion an seinen Sohn Amos: Ich bin mir sicher wir werden auch in allen anderen Teilen des Landes siedeln, sei es durch ein Abkommen und einem beidseitigen Verständnis mit unseren arabischen Nachbarn oder auf andere Weise. Wir errichten jetzt erst einmal einen jüdischen Staat, auch wenn er sich nicht über das ganze Land erstreckt. Der Rest wird mit dem Lauf der Zeit kommen. Es muss kommen.

Ben Gurion: Vertreibung ist nicht unmoralisch
Vor der Exekutive der Jewish Agency sagte Ben-Gurion am 12. Juni 1938. Ich bin für zwangsweise Umsiedlung. Ich kann nichts Unmoralisches darin sehen.
In derselben Sitzung sagte Menahem Ussishkin, führender Zionist und damaliger Leiter des Jewish National Fund (JNF), es sei nichts Unmoralisches an der Vertreibung von 60.000 arabischen Familien. Und Berl Katznelson, damals engster Freund und Berater von Ben-Gurion: Wir müssen uns auf einen umfassenden Transfer einigen.”

Im Unabhängigkeitskrieg von 1948 wurden rund 750.000 Araber aus den Gebieten vertrieben, die Israel besetzte. 800 arabische Dörfer wurden dem Erdboden gleichgemacht.
1953 trat Ben-Gurion zurück und zog in den Kibbuz Sede Boker in der israelischen Negev-Wüste. Nachfolger wurde Mosche Scharet, der diplomatische Verhandlungen mit den Nachbarstaaten anstrebte. Das provozierte den Hadliner Ben-Gurion. Er sabotierte Friedensverhandlungen zwischen Scharet und Ägyptens Präsident Nasser. Ben-Gurion lehnte Verhandlungen und Kompromisse mit arabischen Nachbarstaaten ab, stattdessen sterbte er Bündnisse mit Staaten außerhalb des arabischen Raums an. In der zweiten Regierung von Ben-Gurion (1955-1963) begann 1956 der Sinaikrieg mit dem Angriff der israelischen Truppen auf Ägypten.

Die Ministerpräsidenten der Arbeitspartei: Golda Meir, Jitzchak Rabin und Schimon Peres orientierten sich an der Politik von Ben-Gurion, die israelischen Interessen mit militärischer Gewalt gegenüber den muslimischen Nachbarstaaten durchzusetzen, auch gegenüber dem Libanon.
Die Besiedlung Palästinas durch Juden beginnt weit vor der Gründung des isralischen Staates. Terrorismus ist ein Merkmal der „Beziehung“ zwischen Arabern und Juden – beiderseitig!
Es gibt kein „Terroristen-Gen“! Terroristen sind Opfer ihres Erlebens! Es macht einen Unterschied zwischen Verstehen und Rechtfertigen: zwischen dem Verstehen, warum Menschen zu Terroristen werden können, und dem (Nicht)Rechtfertigen ihrer Taten.
Zum Thema gab es in Juli 2023 die Kolummne:
Terrorist-Warum? Falsche Frage! Terrorist-Wodurch?


https://www.cafetelaviv.de/israel/zitate-david-ben-gurion-zur-vertreibung-der-palaestinenser/#Ben_Gurion_Wir_werden_sie_im_grossen_Stil_vertreiben (Quellenangaben dort)
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Ministerpr%C3%A4sidenten_von_Israel
https://de.wikipedia.org/wiki/Mosche_Scharet
 

Freitag, 9. Februar 2024

Zweistaatenlösung möglich?

Zweistaatenlösung möglich?


Außenministerin Baerbock wird unter anderen in der "Jüdische Allgemeinen" mit dem Satz zitiert: „Israel könne nur in Sicherheit leben, wenn auch die Palästinenser leben könnten.“ Baerbocks Position wird weltweit geteilt. Weil es in Palästina nicht zwei Staaten gibt, gilt im Umkehrschluss, dass Israel bislang nicht in Sicherheit lebt. Mit dem Massaker vom 7. Oktober, mit 1.200 bestialisch ermordeten und 250 verschleppten Menschen, hat sich das auf die schrecklichste und brutalste Weise bewahrheitet. In der Folge macht das israelische Militär Gaza dem Erdboden gleich, dabei starben bisher mindestens 30.000 Menschen, wurden unzählige verletzt, fast 2 Millionen sind vertrieben und irren ohne Schutz herum.

Seit der Ermordung Jitzchak Rabins 1995, dem ersten Ministerpräsidenten Israels, der für das eintrat, was man heute als „Zweistaatenlösung“ bezeichnet, war Netanjahu, der auch heute noch gegen diese Lösung ist, fünfmal Ministerpräsident, zwischendurch Außen- und Finanzminister.

Netanjahu wird mit ziemlicher Sicherheit nicht mit dem geehrt werden, womit Arafat, Peres und Rabin 1994 geehrt wurden: mit dem Friedensnobelpreis für "Bemühungen um den Frieden im Nahen Osten".

Unabhängig davon, dass die rechtsradikale, religiös verblendete derzeitige Regierung Israels keine Zweistaatenlösung will, ist es fraglich, ob sie eine Zukunft hätte, nach den brutalen Morden der Hamas und den vielen Toten, Verletzten, herumirrenden Menschen aus Gaza. Der Hass auf beiden Seiten ist nach den Netanjadu-Jahrzehnten zu groß für ein friedliches Zusammenleben. Welche israelische Regierung würde wohl die immer brutaleren Siedler aus den Westbanks vertreiben wollen, das aber wäre die Voraussetzung für eine Lösung.

Peter Schürkes

Montag, 25. Dezember 2023

Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit


Wenn wir eine nachhaltige Wirtschaft wollen, was heißt nur so viele Ressourcen zu verbrauchen wie regenerieren, also nur so viel, wie nachwächst oder natürlich nachgeliefert wird, ist die Umstellung des Energiesystems zwingend. Das Energiesystem der Nachhaltigkeit verwendet Sonnenenergie, Geothermie und Gezeitenergie (Kern- / Fusionsenergie, sind definitionsgemäß nicht nachhaltig).

Das wird derzeit realisiert durch Solar-, Wind- Wasserkraftwerke und Wärmepumpen, sie können auch die Erdwärme aus geringen Tiefen nutzen. Geothermie-Systeme nutzen die tieferen, heißeren Schichten des Erdkörpers. Gezeitenkraftwerke werden durch die Anziehungskräfte des Mondes und der Sonne angetrieben.

Aus Sicht der Nachhaltigkeit gilt, weniger ist mehr, soll heißen, die Systeme, die die Energie bereitstellen, sind sparsamst zu installieren und zu nutzen.

Wenn die Gesellschaft schon festhält an dem wenigst nachhaltigen, völlig dummen Individualverkehr, ist dafür zu sorgen, dass die Vehikel so klein und sparsam wie möglich sind. Brauchbare Maßzahlen: Gewicht unter 750kg, Motorleistung nicht mehr als 12kW elektrisch. Fakt ist aber, die meisten bisher subventionierten E-Autos sind SUV in der Gegend von real 25kW elektrisch. Man / Frau denke mal, wie viele Windmühlen eingespart würden, die Umwelt zerstörten und Vögel töteten.

Die Entwicklung im Verkehr wird stattdessen immer dümmer. Neben den schon ausreichend vorhandenen Straßenpanzern, wie EQS SUV 580 4Matic, Porsche Taycan Turbo s, Audi Q8 advanced 50 e-tron quattro, BMW iX M60, entwickelt ein Gestörter einen Straßen-Super-Panzer - den Cybertruck - für den privaten Gebrauch von in gleichem Maße gestörten, die einer intensiven psychologisch Betretung bedürfen, derzeit 2 Millionen, die den Cybertruck bestellt haben. Alle, die haben das Vehikel vorbestellt.

Es spricht also nichts dafür, dass sich die „entwickelten“ Gesellschaften beim Individualverkehr aus Dummheit befreiend sich der Nachhaltigkeit nähern.

Ebenso nicht beim Flugverkehr. „Das Passagieraufkommen aus Deutschland hat seit der Jahrtausendwende über alle Flughäfen um fast 40% zugenommen. Waren im Jahr 2000 insgesamt etwa 105 Mio. Passagiere zu verzeichnen, sind es heute bereits rund 150 Mio.“ (Google)

„Im vergangenen Jahr sind doppelt so viele Menschen geflogen wie noch im pandemiegeprägten Jahr 2021. Obwohl die Zahlen noch immer deutlich unter Vorkrisenniveau liegen, erholt sich die Luftfahrt in einem rasanten Tempo.“ (Tagesschau) Man sieht, es ging auch mit weniger unnützen Flügen. Auf See widersprechen besonders die Kreuzfahrten dem Nachhaltigkeit-Prinzip.

Verkehr im allgemeinen Sinne ist wohl der auffälligste nicht nachhaltige Bereich in den Gesellschaften und in einer vernunftbegabten Gesellschaft der leichtest zu ändernde. In Deutschland kann sich erst dann etwas ändern, wenn die Gesellschaft es als idiotisch erkennt, im Auto ein Statussymbol zu sehen. Lindner, seines Zeichens FDP-Vorsitzender und Finanzminister, hat als Statussymbol den Porsche, das Symbol der Nichtnachhaltigkeit als solchem. Notwendig ist, dass die Ampel den Verkehrsminister Wissing hinausschmeißt – ebenso FDP.

Auch wenn, wie erwähnt, der Verkehr der auffälligste nicht nachhaltige Bereich ist, so sind die Bereiche für die die anderen Transformationen stehen noch wichtiger. Der Transformation zu einer nachhaltigen Wirtschaft wurde durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts ein Tritt versetzt. Da sei die Frage erlaubt, ob das Gericht nicht nur formales Recht zu berücksichtigen hat, sondern auch die gesellschaftlichen Wirkungen von Urteilen in seiner Verantwortung liegt.

Wenn sich große Teile der CDU, deren Antrag das Urteil provozierte, frohlocken, so ist das doch Zeichen einer ausgeprägter Dummheit, die einer Partei nicht gut ansteht, die die „Bewahrung der Schöpfung“ – wer der „Schöpfer“ auch immer sei - zu ihrer Programmatik gehört, aber im eigentlichen Sinne bla bla ist.

Peter Schürkes