AfD-Sprech
„AfD-Sprech“ bezeichnet die Sprache, Rhetorik und Kommunikationsstrategie der Partei der AfD und ihrer Anhänger. Ziel der AfD ist es, Rechtspopulismus und Rechtsextremismus die politische und gesellschaftliche in ihrem Sinne zu beeinflussen.
Es wird bewusst ausgesprochen, was früher als rassistisch, menschenverachtend oder undemokratisch galt. Es sollen die Grenzen des Sagbaren verschoben werden. Werden die Begriffe oft genug wiederholt, gewöhnt sich die Öffentlichkeit daran. Was früher extrem schien, wirkt plötzlich normal. Parolen des „AfD-Sprech“ tauchen vermehrt im Alltag von Jugendlichen und in Klassenzimmern auf. Auch Politiker anderer Parteien bedienen sich unbewusst oder bewusst des „AfD-Sprechs“.
Die Gesellschaft soll polarisiert werden. Das vermeintlich „gute Volk“ gegen die „die da oben“, Politiker, Medien, die angeblich Minderheiten, wie Geflüchtete besser behandeln als die „Ursprungsdeutschen“. Es geht darum, Begriffe aus der Ideologie der Neuen Rechten zu nutzen, wie „Umvolkung“, „Festung Europa“ oder „Systemmedien“. Sie klingen harmlos, transportieren aber ausgrenzende Ideen.
Die AfD stellt sich selbst oder die Mehrheitsgesellschaft als das eigentliche Opfer dar durch „Zensur“ oder „Überfremdung“. Die tatsächlichen Opfer von Ausgrenzung werden ignoriert oder abgewertet. Für sie entwickelt die AfD "Remigrations-Pläne". Die "Abschiebeoffensive" ist allerdings auch der Bundesregierung nicht fremd. Die Kernfigur Alexander Dobrindt wird nicht gebremst, sondern gelobt. Man kann auch Hasspredigen in moderatem Ton.
Für das Eindringen des „AfD-Sprech“ in die öffentlichen Medien sollen Mails meinerseits und die Antwortmail vom WDR5-Team seinerseits dienen:
Meine erste Mail:
„Ich habe gerade einen interessanten Beitrag im WDR5 über die Flamingo-Revolution gehört und war entsetzt darüber, dass die Reporterin erklärte, Albanien mache „die Drechsarbeit für die EU“ in Bezug auf die Lager (Gefängnisse), die vielleicht gebaut werden zum, Teil schon sind, um Flüchtlinge in Abschiebehaft aufzunehmen.
Das hat mich doch sehr daran erinnert, dass Bundeskanzler Merz den gleichen Ausdruck für Netanjahu und die israelische Armee im Gazakrieg(*) verwandt hat.
Ich denk, es sei eine Klarstellung vom WDR angezeigt.“
Mit freundlichen Grüßen
Peter Schürkes
Antwort WDR5
Guten Tag Herr Schürkes,
vielen Dank für Ihr aufmerksames Ohr und Ihre kritische Rückmeldung zum Weltspiegel-Podcast „Hilft ausgerechnet Trump Albanien demokratischer zu werden?“.
Die Formulierung von Weltspiegel-Korrespondentin Anna Tillack aus dem Studio Wien „ein Stück weit Drecksarbeit für die EU“ kann an die Äußerung von Bundeskanzler Merz erinnern. Der Ausdruck „Drecksarbeit“ ist allerdings eine allgemein verwendete zugespitzte Redewendung und nicht auf diese Äußerung beschränkt.
Ihre Kritik an der Wortwahl nehmen wir in die Auswertung der Sendung auf. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, uns Ihre Perspektive darauf zu schildern.
Unsere Berichterstattung über die Proteste und die sogenannte „Flamingo-Revolution“ in Albanien beschränkt sich nicht auf den Beitrag im Weltspiegel-Podcast. Hier finden Sie weitere Hintergründe:
Proteste in Albanien: „Fordern politischen Neuanfang“
Proteste in Albanien: "Fordern politischen Neuanfang"
Albanien mobilisiert gegen Milliardärs-Resort
Albanien mobilisiert gegen Milliardärs-Resort - Neugier genügt - Sendungen - WDR 5 - Radio
Viele Grüße vom WDR 5-Team
Meine Anwort
Sehr geehrte Schreiber/-in,
Ich habe erwartet, eine Person hätte die Mail unterzeichnet. Statt dessen endet sie mit „Viele Grüße vom WDR 5-Team“. Es fällt mir schwer zu glauben, Schreiber/-in spräche für grob gezählt 75 Moderatorinnen und Moderatoren des WDR 5-Teams.
Zum Thema: Es ist befremdlich genug, dass Frau Tillak von Drecksarbeit redet. Ich hoffe, ihr unterstellen zu dürfen, sie habe unrefektiert die Sprache der AfD benutzt. Schreiber/-in der Mail hat über "Drecksarbeit" sicher reflektiert. Hätte er sonst den Satz: „Der Ausdruck „Drecksarbeit“ ist allerdings eine allgemein verwendete zugespitzte Redewendung und nicht auf diese Äußerung beschränkt. “ Wobei ich gerne wüsste, was der Satzteil „nicht auf diese Äußerung beschränkt" meint. Für den Teil des Satzes, den ich verstehe, „Der Ausdruck „Drecksarbeit““ bezieht sich auf Menschen, die in ihrer Not ihre Heimat verlassen haben. Ein wenig reflektiert hätte man erkennen können, der einzelne Mensch wird als Dreck beschrieben. Das ist menschenverachtend. Dies kann ich mir auch beim bösesten Willen nicht beim kompletten WDR 5-Team vorstellen.
Ich stelle mir vor, die jungen Männer aus Afghanistan, die ich neben anderen betreut habe, wären Alexander Dobrind in die Hände gefallen. Sie wären als „Dreck“ in noch zu bauende Lager/Gefängnisse nach Albanien verschleppt worden. Glücklicherweise gab es in der entscheidenden Zeit der jungen Afghanen hier noch keinen Hassprediger als Innenminister.
So konnten sie ungestört, konzentriert ihre Wege in die deutsche Wirtschaft finden. Sie haben sich als qualifizierte Fachkräfte aus dem „Dreck“ erhoben, die deutsche Wirtschaft benötigt sie dringend. Bei meiner Angst geht es mir nicht nur um diese Jungen, sondern um alle Afghanen, die der AfD kopierende Innenminister nach Afghanistan ausfliegen lässt. In ein Land, in dem Menschenrechte nicht gelten, die Herrschaft der Männer über die Frauen total ist. Mädchen nach der sechsten Klasse von der weiteren Ausbildung ausgeschlossen werden, Frauen wegen „Ehebruchs“ öffentlich ausgepeitscht und gesteinigt werden.
Es nützt nichts, wenn nicht nur der Innenminister Sprache und Programmteile der AfD übernimmt. Genau das wird, wie man sieht, die AfD nur stärker, nicht schwächer machen.
Mit freundlichen Grüßen
Peter Schürkes
Antwort WDR5
Sehr geehrter Herr Schürkes, vielen Dank für Ihre erneute Nachricht.
Nachrichten, die uns über WDR 5 erreichen, signieren wir als Mitarbeitende von WDR 5 grundsätzlich nicht mit unseren Klarnamen. Wir bitten dafür um Verständnis. Sie können sich aber sicher sein, dass wir diese mit bestem Gewissen nach redaktionellen Standards bearbeiten.
Danke, dass Sie sich erneut Zeit genommen haben, uns mitzuteilen, wieso Sie die Äußerungen im Weltspiegel gestört haben. Wir wissen es sehr zu schätzen, wie leidenschaftlich Sie sich für Menschenrechte einsetzen und Ihre Meinung verteidigen. Schon Ihre erste Nachricht hatten wir, wie versprochen, als Rückmeldung an die Redaktion weitergegeben. Gerne tun wir dies auch mit Ihrer zweiten Nachricht.
Sie hatten gefragt, worauf sich “diese Aussage” im Satz “Der Ausdruck „Drecksarbeit“ ist allerdings eine allgemein verwendete zugespitzte Redewendung und nicht auf diese Äußerung beschränkt.” bezieht. Dabei geht es um die im vorherigen Satz besprochene und von Ihnen erwähnte Aussage von Bundeskanzler Merz.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Team von WDR 5
Eine Antwort habe ich mir geschenkt.
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* Es ging nicht um Gaza, sondern um den Iran. Wie man hinreichend weiß, hat Netanjahu Trump zum Beseitigen des „Drecks“ eingeladen. Trump ist der Einladung gerne gefolgt, angeblich um das iranische Volk aus den Klauen der Mullahs zu befreien, in Wahrheit aber um seine Ölreserven zu vergrößern, wie er es in Venezuela geschafft hat. Im Iran war und ist es ein Desaster. Die Mullahs sitzen fester im Sattel denn je. Netanjahu und Trump haben es geschafft, dass noch mehr Iraner getötet werden oder in den Foltergefängnissen sitzen. Beide haben die weltweite Wirtschaftskrise zu verantworten.