Dienstag, 6. Oktober 2026

Studentischer Motorsportverein blickt auf die Saison zurück

Spurtstark und wendig: Der vollelektrische G26e-Renner beeindruckt mit seiner Performance. Foto: Martin Schulz/H-BRS

Rennstreckenatmosphäre auf dem Campus der H-BRS: 

Studentischer Motorsportverein blickt auf die Saison zurück

Das studentische Motorsportteam der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (H-BRS) hat bei seiner Saisonabschlussfeier am Freitag, 2. Oktober, Bilanz eines ereignisreichen Rennjahres gezogen. Höhepunkt war die Formula Student France: Mit dem Elektro-Rennwagen G26e „Eduard“ belegte das Team jeweils den dritten Platz in den Disziplinen Endurance und Efficiency und Rang neun in der Gesamtwertung. Das junge Team hat auch schon die kommende Rennsaison im Blick: Für den neuen Rennwagen entwickelt es neue Motoren und eine neue Aerodynamik.

Für ein paar Stunden wurde der Parkplatz der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg in Sankt Augustin zur Rennstrecke, Boxengasse und Zuschauerbereich inklusive. Die Studierenden des Hochschul-Motorsportvereins hatten die komplette Fläche gesperrt und mit grün-weißen Pylonen einen Rundkurs markiert. Und der hatte es durchaus in sich: Mit Haarnadelkurven, Spitzkehren und kurzen Geraden war er ein verkleinertes Abbild der Strecken, auf denen bei den internationalen Rennsportwettbewerben der „Formula Student“ gefahren wird. Höchste Konzentration und große Wendigkeit waren auch hier gefragt, immerhin kann der vollelektrische Rennwagen in etwa 2,3 Sekunden von 0 auf 100 Kilometer pro Stunde beschleunigen. Diese Geschwindigkeit fuhren die Piloten auf dem engen Parcours bewusst nicht, das Tempo und die Präzision, mit der der Renner um die engen Kurven zirkelte, beeindruckten dennoch. Die Studierenden des Vereins BRS Motorsport hatten sich einiges einfallen lassen, um Rennstreckenatmosphäre auf den Parkplatz zu bringen. Getränke- und Bratwurststand hatten sie ebenso aufgebaut wie einen abgetrennten Zuschauerbereich und Lautsprecher für Kommentare zum Geschehen. Die Gäste der Saisonabschlussfeier sollten, so die Idee, die Atmosphäre der Wettbewerbe nachempfinden können.

Zuvor hatten die Studierenden im großen Hörsaal die abgelaufene Rennsaison noch einmal Revue passieren lassen. Vor Sponsorinnen und Sponsoren, Familienangehörigen, Freundinnen und Freunden sowie Hochschulangehörigen berichteten Teammitglieder von Erfolgen und Rückschlägen – und davon, was es braucht, um einen selbst entwickelten Rennwagen unter Wettbewerbsbedingungen an den Start zu bringen.

Bei den Wettbewerben der Formula Student treten Studierendenteams mit selbst konstruierten und gebauten Formelrennwagen gegeneinander an. Bewertet werden sowohl dynamische Disziplinen auf der Strecke als auch das technische Fahrzeugkonzept, Kostenanalyse und Geschäftsmodell.

Den Grundstein für die Saison legte das Team von BRS Motorsport früh. Nach dem Roll-out im Mai absolvierte der G26e genannte Rennwagen bereits am 19. Mai seine erste Testfahrt – so früh wie seit Jahren kein neues Modell des Vereins. Es folgten Testtage auf dem Flugplatz Bonn-Hangelar sowie ein gemeinsames Testevent mit anderen Formula-Student-Teams in Paderborn.

Der rund 200 Kilogramm schwere G26e wird von vier Elektromotoren mit insgesamt 80 Kilowatt Leistung angetrieben. Für die Saison hatten die Studierenden unter anderem die Aerodynamik an ein neues Regelwerk angepasst, ein wirkungsgradoptimiertes Getriebe entwickelt, das Batterie-Management-System neu aufgebaut und das Carbon-Monocoque überarbeitet. Der Rennwagen ist mehr als fünf Kilogramm leichter als sein Vorgänger und wurde zudem wartungsfreundlicher konstruiert.

Beim ersten internationalen Wettbewerb, der Formula Student Czech auf dem Autodrom Most, bestand das Team die anspruchsvolle technische Abnahme und absolvierte anschließend den Autocross. Aber in der Ausdauerdisziplin musste BRS Motorsport nach acht Runden aufgeben. Am Ende standen Platz zwölf in der Business-Plan-Präsentation und Rang 26 in der Gesamtwertung.

Deutlich besser lief es Ende August bei der Formula Student France auf dem Testgelände Transpolis nahe Lyon. Als erstes Fahrzeug des Wettbewerbs bestand der G26e sämtliche technischen Abnahmen. Ein technisches Problem führte zwar zu einem Ausfall im Autocross, doch die Studierenden brachten das Auto rechtzeitig für die entscheidende Ausdauerprüfung wieder an den Start.

Noch am Vorabend war es aufgrund von Problemen mit den Motoren ungewiss, ob der Rennwagen zur Ausdauerprüfung auf der Langstrecke würde antreten können. Bei diesem Teil des Wettbewerbs, auch „Endurance“ genannt, muss der Rennwagen nicht nur seine Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen, sondern auch seine Zuverlässigkeit und Effizienz über eine Distanz von 22 Kilometern. Er muss konstant hohe Leistungen erbringen und dabei effizient mit den Ressourcen umgehen.

Dann gelang der Durchbruch: Der G26e bewältigte alle 18 Runden und überquerte die Ziellinie. Es war der erste vollständig absolvierte Endurance von BRS Motorsport seit vier Jahren. Die Belohnung folgte am Abend mit zwei Pokalen: Platz drei im Endurance und Platz drei in der Efficiency. Auch in den übrigen Wertungen behauptete sich das Team in einem starken internationalen Feld. In der Gesamtwertung bedeuteten 315 Punkte Rang neun.

„Die Saison 2026 war eine wirklich herausfordernde Saison. Über die Entwicklungs-, Fertigungs- und Eventzeit gab es immer wieder Rückschläge, die wir als Team gemeinsam gemeistert haben. Mit dem 3. Platz im Endurance und in der Efficiency konnten wir wirklich stark die Saison beenden. Ich bin stolz auf das Team und was wir geleistet haben!“, sagt Bernhard Winkelhake, Informatik-Student und Teamleiter von BRS Motorsport.

Eng verbunden bleibt das Motorsportprojekt mit Studium und Lehre. Rund um die Entwicklung des Rennwagens sind mehrere Bachelor- und Masterarbeiten entstanden. Zwei Studierende absolvieren derzeit ihr Praxissemester im Team. Zugleich hat der Verein weitere Unterstützer aus Wirtschaft und Industrie gewonnen. Geplant ist außerdem ein Austausch mit einem Formula-Student-Team an einer Partnerhochschule im kanadischen New Brunswick.

Auch für die motorsportbegeisterten Studentinnen und Studenten gilt das Motto „Nach dem Wettbewerb ist vor dem Wettbewerb“: Mit den Vorbereitungen für die Saison 2027 haben sie längst begonnen. Mit der neuen Teamleiterin, Maschinenbau-Studentin Antonia Arweiler, formiert sich eine neue Teamleitung, während die Testfahrten weitergehen und der neue Rennwagen auf dem digitalen Reißbrett entsteht. Bei dem 2027er-Modell soll vieles anders werden. Vorgesehen sind neue Motoren, ein neues Chassis und eine neu entwickelte Aerodynamik. Viel Arbeit liegt also vor dem jungen Team – zusätzlich zum Studium.

**INFO**

Die Studierenden von BRS Motorsport entwickeln auf dem Campus Sankt Augustin für jede Rennsaison einen neuen Rennwagen; gebaut wird er in ihrer Werkstatt in Siegburg. Die Gruppe besteht seit 2007, ist als Verein organisiert und nimmt regelmäßig an Wettbewerben der Formula Student in Europa teil. Seit 2014 baut sie ausschließlich elektrisch angetriebene Wagen. Das Team hat rund 60 Mitglieder und steht Studierenden aller Fachbereiche offen. Die Mitarbeit ist in das Lehrangebot der Hochschule eingebettet und wird von Professor Dirk Reith betreut.