Mieterbund warnt vor Fake-Wohnungen: Keine Vorkasse für eine Wohnung, die man nie gesehen hat
Mutmaßlicher Betrugsversuch mit Bonner Wohnung
Wohnungsknappheit macht Suchende zur leichten Beute
Bonn - Der Deutsche Mieterbund Bonn/Rhein-Sieg/Ahr e.V. warnt vor betrügerischen Wohnungsangeboten im Internet. Anlass ist ein aktueller Fall, bei dem über das Portal WG-Gesucht eine Wohnung in der Bonner Beethovenstraße angeboten wurde. Nach Einschätzung des Mieterbundes weist der Vorgang nahezu alle typischen Merkmale der bekannten Fake-Wohnungsmasche auf.
Das Angebot klang zunächst verlockend: Eine möblierte Wohnung in guter Bonner Lage für 750 Euro monatlich einschließlich Nebenkosten. Nach der Kontaktaufnahme erklärte die vermeintliche Vermieterin, sie lebe inzwischen in Spanien und könne deshalb nicht zu einer Besichtigung nach Bonn kommen. Die Vermietung solle stattdessen über einen zugesandten Link zu Spotahome abgewickelt werden.
Bevor die Interessentin die Wohnung sehen oder die Schlüssel erhalten sollte, sollte sie die Wohnung buchen und eine Zahlung leisten. Außerdem wurden vollständiger Name, Anschrift und eine Kopie des Personalausweises verlangt. Die Schlüssel sollten anschließend über eine Schlüsselbox oder sogar per Post übermittelt werden.
Die Interessentin wurde misstrauisch und lehnte jede Zahlung vor einer persönlichen Besichtigung ab. Das betreffende Inserat wurde inzwischen von WG-Gesucht entfernt.
Das ist genau die Situation, in der bei Wohnungssuchenden alle Alarmglocken angehen müssen: Angebliche Vermieter im Ausland, keine Besichtigung möglich, dafür aber schnell Geld überweisen und persönliche Dokumente schicken. Wer eine Wohnung noch nie gesehen hat und nicht sicher weiß, mit wem er es zu tun hat, darf kein Geld überweisen, warnt Peter Kox, Geschäftsführer beim Deutschen Mieterbund Bonn/Rhein-Sieg/Ahr.
Dabei weist der Mieterbund ausdrücklich darauf hin, dass auch die Namen tatsächlich existierender Buchungs- oder Immobilienplattformen für Betrugsversuche missbraucht werden können. Ein professionell aussehender Link oder eine Rechnung sind deshalb noch kein Nachweis dafür, dass tatsächlich über die genannte Plattform gebucht oder gezahlt wird.
Besonders perfide ist die Masche aus Sicht des Mieterbundes vor dem Hintergrund des angespannten Bonner Wohnungsmarktes.
Wer monatelang eine Wohnung sucht und dann endlich ein scheinbar günstiges Angebot in guter Lage findet, möchte natürlich schnell zugreifen. Genau mit diesem Druck arbeiten die Täter. Die Wohnungsnot wird dabei ganz gezielt ausgenutzt, so Kox. Besonders Studierende, Menschen, die neu nach Bonn ziehen, und Wohnungssuchende unter Zeitdruck seien gefährdet.
Der Mieterbund rät deshalb zu einigen einfachen Vorsichtsmaßnahmen:
- Keine Zahlung vor Besichtigung und eindeutiger Klärung des Vertragspartners.
- Vorsicht, wenn eine Besichtigung angeblich wegen eines dauerhaften Auslandsaufenthaltes nicht möglich ist.
- Keine Personalausweiskopien oder andere sensible Unterlagen vorschnell an Unbekannte schicken.
- Links zu Zahlungs- oder Buchungsplattformen nicht ungeprüft aus E-Mails öffnen. Die betreffende Plattform besser selbst über ihre offizielle Internetseite aufrufen.
- Bei ungewöhnlich günstigen Angeboten in begehrter Lage besonders aufmerksam werden.
- Widersprüche in E-Mails, Adressen oder Namen ernst nehmen.
- Im Zweifel das Inserat dem Portal melden und bei einem konkreten Betrugsversuch Anzeige bei der Polizei erstatten.
Auch bei der Mietkaution besteht kein Grund, sich unter Zeitdruck setzen zu lassen: Wohnraummieter dürfen eine vereinbarte Barkaution grundsätzlich in drei monatlichen Teilzahlungen leisten. Die erste Rate wird erst zu Beginn des Mietverhältnisses fällig. Die Forderung, schon vor einer Besichtigung oder Schlüsselübergabe die gesamte Kaution zu überweisen, sollte deshalb erst recht misstrauisch machen.
Im aktuellen Fall kam noch ein auffälliges Detail hinzu: Während sich das Wohnungsangebot auf die Bonner Beethovenstraße bezog, trugen Teile des E-Mail-Verkehrs im Betreff plötzlich eine Adresse in Kaiserslautern. Solche Ungereimtheiten können darauf hinweisen, dass dieselben vorbereiteten Texte für unterschiedliche erfundene Wohnungsangebote verwendet werden.
Lieber einmal eine vermeintliche Traumwohnung verlieren als mehrere tausend Euro oder zusätzlich noch die eigenen Ausweisdaten an Betrüger. Bei Vorkasse ohne Besichtigung gilt deshalb ganz einfach: Finger weg, so Kox abschließend.
