Hochschulgesellschaft Bonn-Rhein-Sieg vergibt Förderpreise für 21 Abschlussarbeiten
Was nimmt ein Roboter wahr, wenn wir Kaffee kochen? Welche Bedeutung hat das Thema Nachhaltigkeit für die Attraktivität von Arbeitgebenden? Wie ist es um die Barrierefreiheit in öffentlichen Verkehrsmitteln der Stadt Bonn bestellt? Auch in diesem Jahr zeichnen sich die Abschlussarbeiten von Studierenden aller Fachbereiche der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (H-BRS) durch eine sehr hohe Qualität und engen Praxisbezug aus. Für die 21 besten Arbeiten des Abschlussjahrgangs 2026 hat die Hochschulgesellschaft Bonn-Rhein-Sieg jetzt ihre Förderpreise vergeben. Diese sind mit jeweils 1000 Euro dotiert und werden von Unternehmen und Stiftungen getragen.
„Wir würdigen heute herausragende wissenschaftliche Leistungen von Absolventinnen und Absolventen der Hochschule“, sagte Stefan Raetz, Vorstandsvorsitzender der Hochschulgesellschaft Bonn-Rhein-Sieg, bei der Preisverleihung. Daran nahmen am vergangenen Freitag im Fraunhofer-Institutszentrum Schloss Birlinghoven etwa 130 Gäste teil – neben den Absolventinnen und Absolventen feierten auch die Betreuerinnen und Betreuer der Abschlussarbeiten, Präsidium, Dekaninnen und Dekane, Stifterinnen und Stifter mit.
„Gerade an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften bearbeiten Studierende sehr häufig reale Fragen. Viele Arbeiten entstehen gemeinsam mit Unternehmen, Kommunen, sozialen Einrichtungen oder anderen Praxispartnern. Andere greifen technische oder gesellschaftliche Probleme auf, für die es noch keine fertige Antwort gibt“, sagte Hochschulpräsidentin Marion Halfmann. Heute würden 21 Abschlussarbeiten ins Rampenlicht gestellt. „Diese 21 Arbeiten sind damit auch kleine Schaufenster in unsere Hochschule. Sie zeigen, was unsere Studierenden können und welches Wissen bei uns entsteht.“
Für jede erfolgreiche Arbeit sei zudem ein weiterer Faktor entscheidend, betonte Professorin Britta Essing. Die Gastgeberin und Vertreterin der Fraunhofer-Gesellschaft sprach in ihrem Grußwort über die Themen Spaß und Freude. „Aus Pflichtgefühl entsteht keine tolle Leistung“, sagte sie. Erst wenn man bei der Arbeit auch Freude verspüre, sei man richtig gut. Die Themen Spaß und Freude zogen sich danach wie ein roter Faden durch das Programm.
Insgesamt engagierten sich in diesem Jahr 20 Unternehmen und Stiftungen als Fördernde. Viele unterstützen bereits seit vielen Jahren junge Talente an der H-BRS. Neu im Kreis der Fördernden sind die VRT Partnerschaft mbB Wirtschaftsprüfer Steuerberater Rechtsanwälte und die FERCHAU Management GmbH. Über ihre Motivation als Förderer sprachen Andre Brüstle (VRT Partnerschaft mbB Wirtschaftsprüfer Steuerberater Rechtsanwälte), Dr. Henning Schnurbusch (Stiftung Evolution) und Maximilian Herz (WiCAM Stiftung) in einer Talkrunde. Die WiCAM Stiftung hat in diesem Jahr gleich zwei Förderpreise im Bereich Maschinenbau gestiftet. „Solche Themen braucht unser Land“, sagte Maximilian Herz. „Wir wollen Studierende stärker in die Praxis und die Produktion bringen.“
Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Andre Brüstle erzählte davon, wie er beim Verfassen seiner eigenen Bachelorarbeit ins Schwitzen geriet – und auch heute noch immer wieder im Job ins Schwitzen gerate. Wichtig ist ihm: „Wir suchen Leute, die Freude an der Arbeit und Spaß an Zahlen haben.“ Da waren sie wieder – die Freude und der Spaß. Die Lust, sich mit Leidenschaft und Ausdauer in ein Thema hineinzuversetzen, sei ihm und seinen Partnern bei neuen Beschäftigten wichtig. Von den Studierenden wünsche er sich mehr Bereitschaft, im Rahmen von Praktika in das entsprechende Berufsfeld hineinzuschnuppern.
Dr. Henning Schnurbusch stellte die Stiftung Evolution vor, eine gemeinnützige, selbstständige Stiftung privaten Rechts mit Sitz in Bonn. Die Stiftung hat in der Vergangenheit Projekte im Raum Rheinbach gefördert wie zum Beispiel Integrations- und Sportinitiativen, sie beteiligt sich aber auch an gemeinnützigen Gemeinschaftsprojekten im Ausland und unterstützt studentische Projekte. „Wir sind bereit, alles zu fördern, was einer guten Sache dient und etwas mit Entwicklung oder Weiterentwicklung, also Evolution zu tun hat.“ Mit der Übernahme eines Förderpreises wolle man Absolventinnen und Absolventen unterstützen, die intrinsisch motiviert seien und Spaß an ihrer Arbeit hätten, auch wenn es um ernste globale Themen wie die Erderhitzung oder den Verlust der Artenvielfalt gehe. Sein Appell an die Absolvent:innen „Machen Sie einfach so weiter!“
Die ausgezeichneten Arbeiten stammen aus allen fünf Fachbereichen der Hochschule und sind thematisch sehr vielfältig wie die vier Präsentationen bei der Preisverleihung zeigten. „Entwicklung einer Teststrategie zur Untersuchung der auditiven Sprachwahrnehmungs- und verarbeitungsfähigkeiten von sozialen Robotern“ lautet beispielsweise der Titel der Bachelorarbeit von Sarah Lukas aus dem Studiengang Informatik. Bei ihrer Untersuchung ging es darum herauszufinden, wie Roboter Menschen verstehen und in Sprache übersetzen können, zum Beispiel beim Kaffeekochen. Um zu demonstrieren, worum es dabei ging, stellte sie bei der Preisverleihung einen Kaffeefilter auf den Tisch. Im Gegensatz zum lauten Vollautomaten entstehen beim Hindurchlaufen des Kaffees hier Pausen – und das veranlasse die Systeme zum Erfinden, so Lukas. Ihr Fazit: „Die Systeme können sehr gut mit Geräuschen umgehen, aber nicht mit Pausen.“ Dass sie dann halluzinieren, sei eine große Gefahr. „Sie hatten eindeutig Freude und Spaß bei Ihrer Bachelorarbeit“, sagte Stefan Raetz nach dem unterhaltsamen Vortrag. „Wer unterhält sich schon mit seinem Kaffeefilter oder seiner Spülmaschine? Wir werden das alle einmal ausprobieren.“
Im Anschluss präsentierte Frieder Jördens (Studiengang Maschinenbau) seine Bachelorarbeit mit dem Titel „Entwicklung eines pneumatischen Aktuators und einer optimierten Bremspedaleinheit für das Notbremssystem eines autonom fahrenden Formula Student Rennwagens”. Beim autonomen Fahren sei nicht nur das Beschleunigen wichtig, sondern vor allem auch das Bremsen. Dieses verantwortungsvolle Zukunftsthema habe ihn besonders gereizt, so Jördens, der sich an der H-BRS im studentischen Formula-Student-Team BRS Motorsport engagiert. Er habe so selbst Entscheidungen mit großer Tragweite treffen können.
Antonia Rach hat sich im Masterstudiengang Controlling und Management in ihrer Abschlussarbeit intensiv mit der „Bedeutung von Nachhaltigkeit für die Arbeitgeberattraktivität deutscher Flughäfen“ beschäftigt. Nach einer Ausbildung am Flughafen Köln/Bonn absolvierte sie berufsbegleitend an der H-BRS ihren Bachelor und Master und arbeitet mittlerweile im Controlling.
Dr. Michelle Walther vom Fachbereich Wirtschaftswissenschaften wurde für ihre Promotion mit dem Titel: „Seeing through the Stars: A Journey Through Human Fake Review Detection“ („Der Blick in die Sterne: Eine Reise durch die Erkennung gefälschter Bewertungen“) gewürdigt. Ihre Studie ist bereits in einem Buch veröffentlicht.
Sponsoren der diesjährigen Förderpreisverleihung waren die Hündgen Entsorgungs GmbH & Co. KG und die Stiftung Evolution. Stefan Raetz dankt im Namen des Vorstands herzlich für dieses Engagement. Weiterhin dankte er den Preisstifterinnen und Preisstiftern für die teils langjährige und verlässliche Unterstützung und für das damit verbundene gesellschaftliche Engagement.
Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung durch den Chor der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg „HörsaalEINS“.
Hintergrundinformationen:
Die Hochschulgesellschaft wurde 1998 als „Gesellschaft der Förderer der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg" gegründet. Der eingetragene Verein ist gemeinnützig. Er begleitet die Entwicklung der Hochschule, fördert die Beziehung zwischen Wissenschaft und Praxis und festigt die Verankerung der Hochschule in der Region.
Gemäß dem Leitbild einer anwendungsorientierten Hochschule ist vorrangiges Ziel der Hochschulgesellschaft die Förderung des Wissenstransfers zwischen Hochschule, Gesellschaft und Wirtschaft. In zahlreichen Projekten kommt die Hochschulgesellschaft diesem Auftrag nach.
Für ausgezeichnete Abschlussarbeiten und Promotionen verleiht die Hochschulgesellschaft jährlich in einem festlichen Ambiente dank der Unterstützung von Unternehmen aus der
Region besondere Preise. (https://hochschulgesellschaft-brs.de/)
Derzeit hat die Hochschulgesellschaft etwa 100 Mitglieder, darunter Hochschulangehörige, Privatpersonen und zahlreiche Firmen aus der Region.
Stifterinnen und Stifter der Förderpreise 2026:
Stadtwerke Bonn, VRT Partnerschaft mbB Wirtschaftsprüfer Steuerberater Rechtsanwälte, FERCHAU Management GmbH, SHD Group Holding GmbH, Kreissparkasse Köln, Bechtle IT-Systemhaus Bonn, Rupf Industries GmbH, Eaton Industries / Hein-Moeller-Stiftung, Dr. Reinold Hagen-Stiftung, Innovatec Gerätetechnik GmbH, Stiftung Evolution, Forum Sozialversicherungswissenschaft e. V., Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e. V. (DGUV), Industrie- und Handelsclub Bonn e. V., VR-Bank Bonn Rhein-Sieg eG, KUHNE Group, IHK Bonn/Rhein-Sieg, Sparkasse KölnBonn, WiCAM Stiftung (2 Preise), Faßbender Stiftung
Sponsoren der Veranstaltung: Hündgen Entsorgungs GmbH & Co. KG und Stiftung Evolution
