Dienstag, 21. Juli 2026

Wanderung mit Ritter Trenk und Latte Igel durch den Geschichtenwald

Vorlesen und Lauschen im Merzbacher Wald

Wanderung mit Ritter Trenk und Latte Igel durch den Geschichtenwald 


Ein Rucksack voller Waldgeschichten! Über 50 Kinder und Erwachsene machten sich mit Eifelverein und Rheinbach Liest am ersten Feriensamstag auf den 6 km langen Rundweg durch den Merzbacher Wald. Bei der ersten Geschichtenwanderung seit 2021 wurde an fünf Stationen vorgelesen. Nachmachen ausdrücklich erwünscht!

Gemeinsam Wandern, Picknicken und dabei liebevoll ausgewählte Geschichten hören - diese einfache Idee war auf viel Interesse gestoßen. Dreizehn Familien mit Kindern von zwei bis elf Jahren konnte das Vorbereitungsteam am Wanderparkplatz in Merzbach begrüßen. Die weiteste Anreise hatte Nadim (6) aus Berlin, der mit Freund Amir (9) bei seiner Rheinbacher Oma Doris zu Besuch war. 

Bei herrlich mildem Sommerwetter ging es los zum ersten Haltepunkt im Wald. Dort las Ingeborg Mikloss, Pressewartin des Eifelvereins, eine Episode aus Sabine Bohlmanns „Der kleine Siebenschläfer – Ein Rucksack voller Waldgeschichten“. Es geht im Gespräch zwischen dem kleinen Siebenschläfer und seiner Freundin, der Haselmaus, um die richtige Art sich zu langweilen, bevor die beiden doch Lust auf ein Abenteuer bekommen und prompt der Reisemaus begegnen.

Langweilig wurde es auch der altersgemischten Wandergruppe nicht. Schon kurz darauf nämlich versammelte sie sich am weitgehend ausgetrockneten Bett des Stiefelsbaches. Dort lasen Susanne Hartmanns und Gerd Engel von Rheinbach Liest aus Sebastian Lybecks Klassiker „Latte Igel und der Wasserstein“. Der Wald droht zu verdorren, und der tapfere Igel bekommt vom Raben Korp einen gefährlichen Weg zur Lösung des Problems aufgezeigt. Nach einem weiteren Halt übernahm in der Nähe des Schwarzen Kreuzes Rheinbachs Bürgermeister Daniel Phiesel, der mit seiner Familie ebenfalls mitwanderte, spontan die Lesung aus Kirsten Boies „Der kleine Ritter Trenk“. Dabei wurde er vom Vorlesetalent Mathea Woesler (10) unterstützt.

„Wir mussten uns im Vorfeld zwischen den Konzepten ‚Fortsetzungsgeschichte‘ und ‚Geschichtenpotpourri‘ entscheiden“, erklärte Gerd Engel. „Wir haben schließlich das zweite Konzept gewählt, um den Familien möglichst viele Impulse für das häusliche Vorlesen zu geben.“
So landete auch die von Susanne Hartmanns an Station 5 hinreißend vorgelesene Episode aus Andreas Schmachtls „Hörnchen und Bär“ über die Kunst des „Nichtangelns“ auf der Literaturliste. Diese lag im zum „Lesegarten“ umfunktionierten malerischen Privatgarten von Christiane Stockmanns in Neukirchen zum Mitnehmen bereit. Dort kehrte die Wandergruppe nach gut 3 Km für eine gute Stunde ein. In auf der Wiese verteilten Holzkisten stand nicht nur ein inspirierendes Bücherangebot bereit. Auch schenkte die Eifelverein-Familienwartin Claudia Althausen gemeinsam mit der Gastgeberin kühlen Holunderpunsch nach Neukirchener Geheimrezept aus und reichte Hot-Dogs. Elsbeth Bois (85), die über Jahre die Familienarbeit im Eifelverein maßgeblich mit aufgebaut hatte, gehörte auch zur Wandergruppe und freute sich über die Wiedergeburt des Formats „Geschichtenwanderung“ und den heiteren Trubel im Garten.

„Das war heute die schönste Art, die Sommerferien einzuläuten“, schwärmte ein Vater von zwei Kindern vor dem gemeinsamen Rückweg zum Wanderparkplatz. So wie er nahmen viele Familien die Anregung auf, das private Wandern nun ebenfalls häufiger mit dem Vorlesen zu verbinden und bei Ausflügen immer ein paar Bücher mitzunehmen. „Es muss ja nicht gleich ein ganzer Rucksack voll sein“, schmunzelte Susanne Hartmanns.

Und wann findet die nächste Geschichtenwanderung für Kinder statt? - Spätestens vor den nächsten Sommerferien! Aber am 27. September gibt es von den beiden kooperierenden Vereinen zunächst einmal nach einem ähnlichen Konzept den „Literaturspaziergang“ für Erwachsene mit dem schönen Titel „Ein Herbsttag, wie ich keinen sah“. Und das ist dann eine echte Premiere!

Daniel Phiesel liest am Schwarzen Kreuz mit Mathea aus dem Kleinen Ritter Trenk

Im Garten von Christiane Stockmanns durfte dann eigenständig weitergelesen werden.

Susanne Hartmanns liest vor herrlicher Kulisse über die Kunst des Nichtangels