Fünf Jahre nach der Unwetterkatastrophe:
Rheinbach zieht Bilanz und blickt nach vorn
- Wo steht Rheinbach fünf Jahre nach dem 14. Juli 2021?
- Ein Überblick über den Stand des Wiederaufbaus sowie die Fortschritte beim Hochwasser-, Starkregen- und Bevölkerungsschutz.
Die Folgen der Unwetterkatastrophe prägen Rheinbach bis heute. Die nachfolgenden Ausführungen geben einen Einblick in die größten Herausforderungen und zeigen, mit welchen Maßnahmen die Stadt den Wiederaufbau entschlossen vorantreibt, ihre Resilienz stärkt und die Weichen für eine sichere und lebenswerte Zukunft stellt.
Der 14. Juli 2021 und die Tage nach der Unwetterkatastrophe
Die Unwetterkatastrophe vom 14. Juli 2021 stellte die Stadt Rheinbach vor Herausforderungen von bislang nicht gekanntem Ausmaß. Innerhalb weniger Stunden führten außergewöhnlich starke Niederschläge zu großflächigen Überflutungen, erheblichen Schäden an der öffentlichen Infrastruktur sowie zu Beeinträchtigungen in nahezu allen Bereichen des öffentlichen Lebens, bei denen leider fünf Menschen ihr Leben verloren. Ganze Ortschaften und Stadtteile wurden überflutet, hunderte Häuser beschädigt.
Das Rathaus wurde durch die Flut erheblich beschädigt. Der umgehend einberufene Stab für außergewöhnliche Ereignisse wurde deshalb in der Feuerwache Brucknerweg eingerichtet.
Zahlreiche Bereiche waren zeitweise nicht oder nur eingeschränkt nutzbar. Hinzu kamen Ausfälle bzw. Beeinträchtigungen von IT-Systemen, Kommunikationswegen und Arbeitsplätzen. Die Verwaltung musste innerhalb kürzester Zeit ihre Handlungsfähigkeit sichern und gleichzeitig die Krisenbewältigung organisieren. Viele Mitarbeitende waren selbst persönlich betroffen und arbeiteten unter provisorischen Bedingungen, während parallel die Schäden erfasst, Hilfen koordiniert und die ersten Wiederaufbaumaßnahmen vorbereitet wurden.
Zu den unmittelbaren Herausforderungen während des Ereignisses gehörten die Rettung und Unterstützung betroffener Bürgerinnen und Bürger, die Evakuierung der Niederdreeser und Oberdreeeser Bürgerinnen und Bürgern aufgrund des drohenden Bruchs der Steinbachtalsperre. Die Folge war die behelfsweise Einrichtung von Notunterkünften für das Evakuierungsgebiet und für Menschen die alles verloren hatten.
Die Sicherstellung der Einsatzfähigkeit von Feuerwehr und Hilfsorganisationen sowie die Aufrechterhaltung der Kommunikation erfolgte unter teilweise äußerst schwierigen Bedingungen: Totalausfall der Telekommunikation, die zunächst nur mit Unterstützung der Bundeswehr über ein Satelitentelefon möglich war, sowie Ausfälle der Stromversorgung über einen Zeitraum von zehn Tagen.
Erschwerend kamen unpassierbare Straßen sowie Schäden an Brücken und anderen Verkehrsanlagen hinzu. Die eigentlich geltenden rechtlichen Einschränkungen der Coronaschutzverordnung traten völlig in den Hintergrund.
Der Katastrophenfall wurde erst am 18. Juli offiziell festgestellt. In den Tagen und Wochen nach der Katastrophe lag der Schwerpunkt zunächst auf der Gefahrenabwehr und der Wiederherstellung grundlegender Versorgungs- und Infrastrukturleistungen sowie der Unterbringung und Verpflegung von Menschen in Not. Beschädigte Straßen und Wege mussten gesichert, öffentliche Einrichtungen wieder nutzbar gemacht, Gewässer und Entwässerungsanlagen überprüft sowie große Mengen an Schutt und Treibgut beseitigt werden. Bis dahin unvorstellbare Mengen von Sperrmüll entlang der Straßen mussten zügig entsorgt werden, damit Rettungswege frei wurden. Die Stadt hat temporär Sammelplätze und Deponien eingerichtet und betrieben. Alleine die Entsorgung des Abfalls hat in Rheinbach Kosten in Höhe von rund 5 Mio EUR verursacht. Leistungen der Soforthilfe wurden durch die Stadt an die geschädigten Bürgerinnen und Bürger vergeben. Gleichzeitig galt es, Betroffene zu unterstützen, Hilfsangebote zu koordinieren und nicht zuletzt die zahlreichen Schäden zu erfassen und zu dokumentieren.
Wiederaufbau
Bei den im Wiederaufbauplan ausgewiesenen Kosten handelt es sich ausschließlich um die Kosten, die unmittelbar der Beseitigung der durch die Flutkatastrophe vom 14. Juli 2021 entstandenen Schäden an städtischen Gebäuden und Infrastruktur dem förderfähigen Wiederaufbau zugeordnet werden können.
Diese Beträge bilden daher nicht in jedem Fall die tatsächlichen Gesamtkosten der jeweiligen Maßnahme ab.
In der praktischen Umsetzung werden viele Projekte ganzheitlich betrachtet und nicht lediglich auf den Zustand vor der Flut zurückgeführt. Insbesondere bei der Sanierung oder dem Wiederaufbau öffentlicher Gebäude, Schulen und Infrastruktureinrichtungen werden zusätzliche Anforderungen berücksichtigt, die über den eigentlichen Wiederaufbau hinausgehen. Hierzu zählen beispielsweise Maßnahmen zum Hochwasser- und Starkregenschutz, zur Klimafolgenanpassung, zum Klimaschutz, zur Energieeffizienz sowie zur nachhaltigen und zukunftsfähigen Gestaltung kommunaler Infrastruktur.
Die tatsächlichen Investitionskosten einzelner Projekte liegen daher nicht selten über den im Wiederaufbauplan dargestellten Wiederaufbaukosten. Viele Schäden sind deutlich umfangreicher zu sanieren als nach erster Inaugenscheinnahme des Schadens festgestellt. Die Steigerung der Bau- und Materialkosten, der Mangel an Fachkräften, die Auswirkungen der Corona-Pandemie und des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine, die zwischenzeitliche Energiemangellage, der Irankrieg und daraus folgende Ölknappheit, haben seitdem den Wiederaufbau erschwert. Die darüberhinausgehenden Aufwendungen dienen jedoch dazu, die kommunale Infrastruktur nicht nur wiederherzustellen, sondern zugleich widerstandsfähiger, nachhaltiger und zukunftssicher auszurichten.
Die Gesamtkosten im Wiederaufbauplan betragen aktuell über 60 Mio. EUR. Von insgesamt 93 Maßnahmen im Wiederaufbauplan sind 37 bereits umgesetzt.
Hierzu zählen insbesondere:
- Erneuerung Brückenwerk Neugartenstraße/Stadtpark einschließlich Versorgungsleitungen, 600.000 EUR
- Schäden am Parkplatz Freizeitpark nach Lagerung von Müll, 550.000 EUR
- Interimslösung Containeranlage Katholische Grundschule Flerzheim, 4 Mio. EUR
- Interimslösung Containeranlage Städtischer Betriebshof, 2 Mio. EUR
- Wiederherstellung Rathaus, 3,5 Mio. EUR
- Stützmauer Gräbbach 1,4 Mio. EUR
- Erneuerung Brücke Holunderweg, 260.000 EUR
Nahezu abgeschlossen:
- Erneuerung von Durchlässen im Stadtgebiet Rheinbach, 1,8 Mio. EUR
- Sanierung Städtischer Betriebshof, 2 Mio. EUR
Aktuell in Umsetzung:
- Sanierung der Haustechnik im Freizeitbad, 2,7 Mio. EUR
- Sanierung/Neubau Katholische Grundschule Bachstraße, 2,5 Mio. EUR
Planansätze zu noch nicht begonnen Maßnahmen:
- Neubau Katholische Grundschule Flerzheim, 12 Mio. EUR
- Neubau Turnhalle Flerzheim, 7 Mio. EUR
- Neubau RTV-Heim (Rheinbacher-Turn-Verein), 3,7 Mio. EUR
- Maßnahmen des Präventiven Hochwasserschutzes, 5,9 Mio. EUR
Der Wiederaufbau beschränkt sich nicht auf die bauliche Umsetzung der Maßnahmen.
Auch die Abwicklung der Förderverfahren ist äußerst komplex und mit einem erheblichen Verwaltungsaufwand verbunden. Die Beantragung, Nachweisführung und Abrechnung der Fördermittel erfordern umfangreiche Dokumentationen und Abstimmungen mit den zuständigen Bewilligungsbehörden (Bezirksregierung Köln, Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen, NRW.URBAN, Erftverband). Dadurch werden über Jahre hinweg erhebliche personelle Ressourcen gebunden und auch Kosten der Zwischenfinanzierung anfallen. Trotz dieser zusätzlichen Herausforderungen treibt die Stadt Rheinbach den Wiederaufbau konsequent voran und nutzt die Maßnahmen gleichzeitig, um die Stadt besser auf die Herausforderungen von Hochwasser, Starkregen und Klimawandel vorzubereiten.
Hochwasser- und Starkregenschutz
Im Bereich Hochwasser- und Starkregenschutz hat die Stadt Rheinbach seit der Flutkatastrophe 2021 deutlich mehr umgesetzt als oft öffentlich wahrgenommen wird.
Die Stadt Rheinbach hat ein umfassendes Hochwasser- und Starkregenschutzprogramm aufgebaut. Dazu gehören die Erstellung eines kommunalen Hochwasser- und Starkregenschutzkonzeptes, die Einführung von Starkregengefahrenkarten, die Beteiligung an der Hochwasserschutzkooperation Erft, die Beschaffung mobiler Hochwasserschutzelemente, der Ausbau der Pegel- und Frühwarnsysteme sowie die Planung technischer und naturnaher Schutzmaßnahmen. Gleichzeitig wurde die private Vorsorge durch Informations- und Beratungsangebote gestärkt.
1. Strategischer Ansatz: Drei-Säulen-Modell
Rheinbach verfolgt inzwischen einen ganzheitlichen Ansatz aus:
- kommunalen Schutzmaßnahmen,
- interkommunaler Zusammenarbeit und
- privater Vorsorge.
2. Kommunales Hochwasser- und Starkregenschutzkonzept
- Seit Ende 2021 arbeitet die Stadt an einem umfassenden Hochwasser- und Starkregenschutzkonzept für das gesamte Stadtgebiet.
- Das Konzept betrachtet alle Ortsteile und die vier Gewässereinzugsgebiete Swist, Eulenbach, Wallbach, Schiefelsbach und Nebengewässer gemeinsam, um Verlagerungseffekte von Schutzmaßnahmen zu vermeiden.
- Das Konzept wird mit den Nachbarkommunen innerhalb der Hochwasserschutzkooperation Erft abgestimmt um Synergien zu heben und schädliche Verlagerungen der Hochwasserfolgen zu vermeiden
- Die Konzepterstellung erfolgt mit Förderung des Landes NRW und unter Beteiligung der Bürgerschaft. Es fanden mehrere Bürgerworkshops und Gewässerbegehungen statt.
3. Starkregengefahrenkarten
Ein wesentlicher Meilenstein war die Erstellung und Veröffentlichung der Starkregengefahrenkarten:
- Vorstellung im September 2023.
- Seit Oktober 2023 öffentlich online verfügbar.
- Darstellung der zu erwartenden Überflutungstiefen bei einem statistischen 100- jährlichen Starkregenereignis für das gesamte Stadtgebiet. Diese Karten dienen sowohl der städtischen Planung als auch der privaten Vorsorge.
4. Technische und bauliche Maßnahmen
- Schaffung und Planung von Rückhalteflächen und -Becken,
- Anpassungen an der Entwässerungs- und Infrastruktur,
- Berücksichtigung von Starkregen- und Hochwasserrisiken bei Bauleitplanung und Stadtentwicklung,
- Entwicklung weiterer technischer Schutzmaßnahmen wie Rückhaltebecken und Schutzbauwerke, Gewässerverlegungen und Entlastungsgräben
5. Mobile Hochwasserschutzsysteme
Zur unmittelbaren Gefahrenabwehr wurden:
- 56 mobile Hochwasserschutzelemente beschafft, die im Einsatzfall durch Feuerwehr, Betriebshof oder auch Anwohner aufgebaut werden können. Hierzu finden regelmäßige Übungen statt,
- drei Hochleistungspumpen mit einer Förderleistung von bis zu 15.000 Litern pro Minute beschafft bzw. bestellt.
6. Frühwarnung und Pegelüberwachung
Gemeinsam mit der Stadt Meckenheim und der Gemeinde Swisttal wurde ein Wasserstandsmessnetz und Niederschlagsstationen aufgebaut bzw. erweitert, um kritische Entwicklungen an Gewässern früher zu erkennen und Einsatzkräfte schneller alarmieren zu können. Zusammen mit dem Erftverband sollen diese Daten zukünftig in einem KI-System ausgewertet werden, um schnell die Auswirkungen des Ereignisses beurteilen zu können und so die Richtigen Entscheidungen zur Gefahrenabwehr treffen zu können.
7. Interkommunale Hochwasserschutzkooperation Erft Rheinbach ist Gründungsmitglied der Hochwasserschutzkooperation Erft.
Ziele sind:
- gemeinsame Planung von Hochwasserrückhaltebecken, bspw. in Flerzheim und in Schweinheim
- Schaffung natürlicher Retentionsräume,
- Abstimmung von Schutzmaßnahmen über Gemeindegrenzen hinweg,
- Verringerung der Risiken im gesamten Einzugsgebiet.
- In Vorbereitung: Gründung Regionalpakt Erft mit Land NRW
8. Naturnahe Maßnahmen
Neben technischen Bauwerken setzt Rheinbach auf:
- Renaturierungen,
- Retentions- und Überflutungsflächen,
- Freihalten dieser Flächen
- natürliche Wasserrückhaltung im Wald (hier interkommunales Projekt) Maßnahmen im Wald.
9. Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger
Die Stadt stellt inzwischen umfangreiche Informationen bereit:
- Starkregengefahrenkarten,
- Überschwemmungsgebietskarten,
- Empfehlungen / Beratungen zum Objektschutz,
- Hinweise zur Eigenvorsorge an Gebäuden und Grundstücken.
Mit dem Beschluss des Hochwasser- und Starkregenschutzkonzeptes, der derzeit für Ende des Jahres vorgesehen ist, soll die Grundlage für die nächste Phase geschaffen werden: die systematische Priorisierung und Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen. Dabei werden die einzelnen Projekte nach ihrer Wirksamkeit, Dringlichkeit, technischen Umsetzbarkeit und den verfügbaren finanziellen Ressourcen bewertet.
Nach dem Beschluss des Konzeptes wird die Verwaltung die priorisierten Maßnahmen schrittweise in die Planung und Umsetzung überführen. Hierzu gehören sowohl technische Schutzmaßnahmen an Gewässern und Entwässerungseinrichtungen als auch weitere naturnahe Maßnahmen zur Wasserrückhaltung in der Fläche sowie organisatorische und vorsorgende Maßnahmen. Im Rahmen der Bürgerbeteiligung eingebrachten Vorschläge sollen dabei ausdrücklich berücksichtigt werden.
Die Stadt Rheinbach verfolgt damit das Ziel, den Hochwasser- und Starkregenschutz langfristig und nachhaltig zu stärken. Gleichzeitig macht die Komplexität der Aufgabenstellung deutlich, dass ein wirksamer Schutz nicht durch einzelne Maßnahmen erreicht werden kann, sondern nur durch ein Bündel aufeinander abgestimmter Maßnahmen, die in den kommenden Jahren konsequent umgesetzt werden.
Die sichere Finanzierung der Maßnahmen, die alleine für Rheinbach über 50 Mio € kosten werden, ist eine große Hürde. Ein Teil der Maßnahmen kann als präventiv Maßnahme im Rahmen des Wiederaufbaufonds finanziert werden. Dafür ist die Stadt Rheinbach sehr dankbar. Es bleibt aber zu befürchten, dass die derzeitigen Förderprograme von Bund und Land nicht ausreichen und selbst dabei der Eigenanteil (20 %) in der aktuellen Finanzlage der Stadt nicht aufzubringen ist. Hier braucht es Lösungen und Unterstützung.
Bevölkerungsschutz
Seit der Flutkatastrophe vom 14. Juli 2021 hat die Stadt Rheinbach den Bevölkerungsschutz deutlich ausgebaut. Der Schwerpunkt wurde deutlich von der reinen Gefahrenabwehr hin zu einem umfassenden Konzept aus Vorsorge, Krisenresilienz und Bürgerbeteiligung erweitert Die Maßnahmen betreffen sowohl die Krisenvorsorge als auch die Fähigkeit der Bevölkerung, sich in Notlagen selbst zu helfen..
1. Professionalisierung des Krisen- und Katastrophenschutzes
- Die Stadt hat ihre Krisenmanagementstrukturen überarbeitet und Beschäftigte gezielt für außergewöhnliche Schadenslagen geschult.
- Am 27. Oktober 2023 wurde im Rahmen einer gemeinsamen Übung des Stabes für außergewöhnliche Ereignisse der Stadt Rheinbach und der Technischen Einsatzleitung der Freiwilligen Feuerwehr, mit Besetzung der Notfall-Meldestelle und des Selbsthilfe-Standorts, im Ortsteil Queckenberg, unter Beteiligung von Experten und Bürger*innen, in das Krisenresilienzkonzept der Stadt Rheinbach erprobt.
- Es wurde erstmals eine Stelle für einen Sachbearbeiter Bevölkerungs- und Katastrophenschutz geschaffen, um den Bereich dauerhaft professionell zu betreuen. Gleichzeitig wurde die Krisenkommunikation personell verstärkt.
2. Resilienzkonzept für die gesamte Stadt
Gemeinsam mit Fachbüros wurde ein Resilienzkonzept entwickelt, das die Selbsthilfefähigkeit der Bevölkerung stärken soll. Dazu gehören:
- Workshops mit Bürgerinnen und Bürgern,
- Notfallübungen,
- Verbesserungen bei Warn- und Informationssystemen,
- Aufbau der Notfallmelde-Stellen und Selbsthilfe-Standorte
- Vorplanung Notfallpraxis
- Beratung und Unterstützung kritischer Infrastrukturen (Beispiel: Seniorenheime)
3. Ausfallsichere Kommunikations- und Notstromversorgung
- Die Kommunikationsinfrastruktur wurde zur Sicherstellung der Kommunikation zwischen den Behörden krisen- und ausfallsicher gestaltet.
- Abläufe für die Bevölkerungswarnung wurden neu konzipiert.
- Für wichtige städtische Einrichtungen wurde eine Notstromversorgung aufgebaut bzw. sichergestellt, damit Verwaltung und Gefahrenabwehr auch bei Stromausfällen handlungsfähig bleiben. Zusätzlich ist im Bedarfsfall für eine Beheizung bei Ausfall des Strom- und Gasnetzes ist gesorgt.
- Stärkung von Feuerwehr und Gefahrenabwehr
- Der Brandschutzbedarfsplan wurde nach den Erfahrungen der Flut aktualisiert.
- Die Ausstattung der Freiwilligen Feuerwehr wurde an die neuen Anforderungen angepasst. Ein Hochwasseralarmplan befindet sich in Aufstellung.
5. Notfallmeldestellen und Selbsthilfe-Standorte
- Notfallmeldestellen werden in allen Ortschaften bei größeren Krisenlagen als Anlaufstellen für die Bevölkerung betrieben.
- Sie werden von Feuerwehr und Stadtverwaltung besetzt und dienen als Informations- und Hilfspunkte.
- Ein besonders wichtiger Baustein ist das neue Konzept der Selbsthilfe-Standorte, die schrittweise in allen Ortschaften eingerichtet wurden. Sie sollen bei Ausfällen von Strom, Kommunikation oder anderer Infrastruktur aktiviert werden.
- Bürgerinnen und Bürger können dort Hilfe organisieren und Nachbarschaftshilfe koordinieren.
6. Zusammenarbeit im Bevölkerungsschutz
Die Zusammenarbeit im Bevölkerungsschutz wurde intensiviert. Relevante Akteure (Bundeswehr, Polizei, Hilfsorganisationen, Energieversorger) haben ihre Krisenmanagementaktivitäten miteinander abgeglichen und verzahnt.
7. Krisenkommunikation
Die Erfahrungen aus der Flutnacht 2021 haben in Rheinbach zu einer Reihe weiterer Maßnahmen geführt, die speziell die Krisen- und Notfallkommunikation verbessern sollen.
- Ausbau der Informations- und Kommunikationskanäle
Ergänzend zur technischen Absicherung der Kommunikationsinfrastruktur wurden die Möglichkeiten zur Information der Bevölkerung deutlich erweitert. Dazu gehören der Relaunch der Internetseite, der Aufbau von Facebook- und Instagram-Auftritten (mit Social Wall) sowie die Einrichtung eines WhatsApp- Kanals. Über diese Kanäle können Bürgerinnen und Bürger im Ereignisfall schnell und zielgerichtet über Notfälle, Katastrophen oder andere Großschadenslagen informiert werden.
Professionalisierung der Krisenkommunikation
Der Rat beschloss eine personelle Verstärkung der Pressestelle, um die Bevölkerung im Krisenfall schneller und gezielter informieren zu können. Zu den Aufgaben gehört ausdrücklich die Kommunikation mit Feuerwehr, Kreis, Bezirksregierung, Bundeswehr, Hilfsorganisationen und der Bevölkerung.
- Verbesserte Krisenmanagementstrukturen
Die Stadt hat ihre Krisenmanagementstrukturen überarbeitet und Beschäftigte für außergewöhnliche Schadenslagen geschult, darunter auch für die Bevölkerungsinformation und Medienarbeit (BUMA). Ziel ist, dass Informationen im Ereignisfall schneller verarbeitet, Entscheidungen schneller getroffen und diese anschließend auch zielgerichtet kommuniziert werden können. Darüber hinaus wurden für unterschiedliche Krisenlagen Checklisten, Textbausteine und Vorlagen für Social-Media-Kommunikation vorbereitet.
