Montag, 9. Februar 2026

Von „Dorfhausmaus“ bis „Raumtemperaturregulierung“

Eva Kraiss und Michael Baute hatten bei ihrer Spontanlesung mindestens so viel Spaß wie ihr Publikum

Von „Dorfhausmaus“ bis „Raumtemperaturregulierung“


Bei der beliebten Spontanlesung „Ohne Probe ganz nach obe“ im voll besetzten Rheinbacher Theater am Lohmarkt stellten Eva Marianne Kraiss und Michael Baute wieder ihre Vorlesekunst, Schlagfertigkeit und viel Sympathie für das Groteske unter Beweis.

Eva Kraiss (Köln) und Michael Baute (Wuppertal) sind Schauspieler. Sie haben schöne Stimmen und beherrschen das Metier des gestalteten Sprechens und Lesens. Aber ihr aberwitziges Format „Ohne Probe ganz nach obe“  lebt dazu noch von gekonnter Publikumsinteraktion, von enormem popkulturellem Wissen, Spontanität, Ehrlichkeit und Humor. Und jeder Abend ist eine Wundertüte!

Um es vorwegzunehmen: Das Versprechen, „alles vorzulesen, was man ihnen hinlegt“, konnten  Kraiss und Baute diesmal bei weitem nicht einlösen. Zu hoch waren diesmal die Stapel an Büchern, selbstverfassten Texten und anderen Druckwerken. So schafften es beispielsweise Eichendorff, Heinz Erhardt, Wilhelm Busch, ein „Rheinisches Kochbuch“ und ein Sachbuch über die Kunst des Tennisspiels diesmal nicht ans Mikro. Stattdessen wurde eine klappernd gereimte Büttenrede einer „Dorfhausmaus“ aus dem Jahr 2012, samt schrillem Mäuseohren-Haarreif (die sich Baute ganz uneitel bis zur Pause aufsetzte) zum unerwarteten Publikumserfolg. 

Eine Besucherin aus Euskirchen hatte Astrid Lindgrens Märchen und Michael Endes Momo „im Auto liegen lassen“ und stattdessen einen Katalog des British Shop aus ihrer Handtasche geholt und auf den Teetisch gelegt. Ein „gefundenes Fressen“ für die beiden Vorlesekünstler! Nie klang die Beschreibung einer Tweed-Jacke witziger.

Zwei nachdenkliche Texte von Hans-Dieter Hüsch bekamen die nötige Würde, bevor es wieder lustig wurde. Ein Stammgast der Veranstaltung hatte einen wirklich witzige kulturelle Betrachtung über die Qualität von Toilettenpapier geschrieben.

Das Horoskop aus einer Jugendzeitschrift – samt Verteilung der eingehefteten Starposter - nach der Pause ist eine feste Rubrik des Formats. Irgendwann ermahnten sich die beiden glucksend: „Jetzt müssen wir aber noch mal was Richtiges lesen.“ Gesagt, getan. Der Abends endete nach zwei weiteren Texten furios bei den aberwitzigen „Ausführungsvorschriften der Bundeswehr zur Raumtemperaturregulierung“ in ihren  Liegenschaften. Fazit: Bei so viel Bürokratie konnten den begeisterten Besuchern Zweifel an der Wehrfähigkeit unserer Armee kommen. Kein Zweifel besteht an der Schlussbewertung des Abends: „Ohne Probe, ganz nach obe“ war einmal mehr toll gelesene Impro-Comedy mit zwei sympathischen Protagonisten, die herrliche Albernheit mit wunderbarem Tiefgang verbinden. Der nächste Termin der Kooperationsveranstaltung des Theaters am Lohmarkt mit Rheinbach liest e.V. findet am 23. April statt.