Dienstag, 27. Juni 2023

Motorsportteam der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg stellt den neuen Elektro-Rennwagen für die Saison 2023 vor

Das studentische Motorsportteam der H-BRS zählt etwa 50 Mitglieder. Foto: Martin Schulz

Motorsportteam der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg stellt den neuen Elektro-Rennwagen für die Saison 2023 vor


Leichter, kurvenfreudiger, ausdauernder: Das Motorsportteam der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (H-BRS) hat den neuen Elektro-Rennwagen für die Saison 2023 vorgestellt. Studierende haben das G23e genannte Modell in zweijähriger Arbeit fast vollständig neu konstruiert und mit zahlreichen technischen Finessen versehen. Dies und ihr starker Teamgeist stimmen sie zuversichtlich, auf Augenhöhe mit den besten Teams der Welt fahren zu können. Bereits Mitte Juli steht das erste große internationale Rennen in Italien an.

Viel Zeit bleibt den Studierenden der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg nicht, um den neuen Elektro-Rennwagen zu testen und unerwartete Schwachstellen zu beheben. Denn bereits am Mittwoch, 12. Juli, wird das neue Modell auf der Rennstrecke von Varano in der norditalienischen Provinz Parma an die Startposition rollen. Fertig geworden ist der Renner für die Saison 2023 gerade rechtzeitig zur öffentlichen Vorstellung am Freitag, 23. Juni, im Audimax der Hochschule. Noch in der Nacht zuvor hatten die Studierenden des Vereins BRS Motorsport an dem Renner geschraubt, um ihn, wie lange angekündigt, den etwa 200 geladenen Gästen präsentieren zu können.

Das Modell G23e wiegt rund 200 Kilogramm, hat eine Leistung von 80 Kilowatt und soll in 2,3 Sekunden auf 100 Kilometer pro Stunde beschleunigen können. Der Beschleunigungswert entstammt, wie auch die aerodynamischen Kräfte und die Höchstgeschwindigkeit von 120 Kilometer pro Stunde, den umfangreichen Simulationen, die die Studierenden durchgeführt haben. Die tatsächlichen Werte gilt es nun in den Testfahrten zu ermitteln. Der ganz in Sichtcarbon und Blau gehaltene Rennwagen ist fast eine Neukonstruktion. Anders als in den Vorjahren verkörpert das Auto keine Weiterentwicklung, sondern besteht nahezu komplett aus neu konstruierten Komponenten. Den Studierenden ist bewusst, dass sie damit ein Risiko eingehen. Sie werden mit einem Auto zu den internationalen Rennen fahren, für das sie großes Potenzial ausgerechnet haben, das sich aber erst noch bewähren muss.

„Viele neue Teile am Rennwagen sind immer ein Risiko, aber mit unserem Vorjahres-Rennwagen haben wir fast alles aus unserem alten Konzept rausgeholt. Um weiter mit den besten Formula-Student-Teams der Welt mitmischen zu können, mussten wir den nächsten Schritt wagen“, sagt Noah Koch, Student der H-BRS und der neue Teamleiter von BRS Motorsport. „Doch nicht nur am Rennwagen gibt es vieles Neues, auch das Team hat viele neue Mitglieder, die nun bei den kommenden Wettbewerben von den erfahrenen Teammitgliedern lernen müssen. Und zwar so, dass das Team gut zusammenarbeitet und jeder Handgriff sitzt. Nur wenn wir weiter als ein Team zusammenarbeiten, können wir erfolgreich bleiben.“

Die Liste der Neuerungen, die sich die Studierenden für den Rennwagen ausgedacht haben, ist lang. So haben sie das Fahrwerk neu konstruiert und als Konsequenz auch Getriebe, Bremse und Radträger. Die Bremse ist, zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte, eine Eigenentwicklung. Besonders stolz sind die Studierenden auf die ausgetüftelte Aerodynamik. Mit einer dreidimensionalen Gestaltung des Frontflügels ist es ihnen gelungen, das Problem des Strömungsabrisses im Frontbereich zu lösen und dem Fahrzeug zu mehr Abtrieb zu verhelfen. Sehr viel Gedankenarbeit haben die Teammitglieder, viele von ihnen studieren ingenieurwissenschaftliche Fächer, auf den Akkumulator und seine Anbauteile verwendet. Der von ihnen neu entwickelte Spannungswandler verspricht mehr Energie für die Dauer eines Rennens. Zugleich ist damit das Problem der ungleichmäßigen Entladung des Hochvolt-Akkus gelöst.

Das Ziel steht den Vereinsmitgliedern, aktuell rund 50 Studierende aller Fachrichtungen, klar vor Augen: Sie wollen sich mit den besten Teams Europas nach dem Reglement der Formula Student messen und in allen Disziplinen ganz vorne mitfahren. Gelegenheit dazu gibt das Rennen ab dem 12. Juli auf der Rennstrecke „Ricardo Paletti“ in Norditalien, auf der auch schon Kimi Räikkönen und Nico Rosberg ihre Runden drehten. Wenige Tage später steht der Wettbewerb im österreichischen Spielberg auf dem Programm, gefolgt von dem Rennen auf der Rennstrecke im tschechischen Most. Die kurvenreiche Strecke in Nordböhmen ist für das Team von BRS Motorsport mit aufregenden Erinnerungen aus der vorherigen Saison verbunden: In einem Herzschlagfinale verpasste das Team aus Sankt Augustin den Gesamtsieg punktemäßig nur ganz knapp und erzielte den dritten Platz.

Die Studierenden von BRS Motorsport entwickeln und bauen in ihrer Werkstatt in Hangelar und auf dem Campus Sankt Augustin für jede Rennsaison einen neuen Rennwagen. Die Gruppe besteht seit 2007 und nimmt regelmäßig an der Formula Student in Europa teil. Seit 2014 bauen sie ausschließlich elektrisch angetriebene Wagen. Die Mitarbeit in der interdisziplinären Motorsport-Gruppe ist eingebettet in das Lehrangebot der Hochschule und wird betreut von Professor Dirk Reith. Die Entwicklung und der Bau des Rennwagens werden von Sponsoren unterstützt.

Eine Video vom Roll-out finden Sie hier: