2726105Chronik der Volksschule Rheinbach digitalsiert

Ohne ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ist die Arbeit im Stadtarchiv Rheinbach kaum zu bewältigen.

Das Beschriften von alten Bildern oder das Abfotografieren von Dokumenten sind Aufgaben, die deshalb häufig von Helfern aus den Reihen des Geschichtsvereins „Freunde des Archivs“ übernommen werden. Ein weiteres Betätigungsfeld ist das Übertragen von in altdeutscher Schrift vorliegenden Dokumenten. „Junge Leute möchten und müssen für ihre Geschichtsrecherchen oft Texte lesen, die im 19. oder in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts handschriftlich aufgeschrieben wurden. Dies scheitert aber oft schon daran, dass sie die damals gebräuchliche Schreibschrift nicht lesen können“, erläutert Stadtarchivar Dietmar Pertz das Problem. Deshalb bemüht sich das Archiv seit längerem darum, Interessierte zu gewinnen, die diese alten Ratsprotokolle, Schul- oder Pfarrchroniken in die lateinische Schrift übertragen. Diese Arbeit, „transkribieren“ genannt, geschieht im Stadtarchiv am Computer, so dass die Texte zugleich als Digitalisat gesichert werden.

Eine ehrenamtlichen Helferin ist Sabine Post. Sie sucht seit über einem Jahr regelmäßig einmal pro Woche ihren Arbeitsplatz im Stadtarchiv auf und transkribiert mit wachsender Begeisterung Schulchroniken. Nun konnte sie Ihr erstes Werk abschließen: Die Übertragung der ältesten Schulchronik der Volksschule Rheinbach in die heute gebräuchliche Schrift.

Die Chronik umfasst den Zeitraum von 1874 bis 1942 und zeichnet nicht nur ein genaues Bild der Entwicklung der Schule, sondern spiegelt auch an vielen Stellen das politische und gesellschaftliche Leben in Rheinbach wider. „Wir erfahren viel über die Veränderungen des Zeitgeistes. Zum Beispiel wird in den ersten Jahrzehnten, die die Chronik umfasst, in der Schule der Geburtstag des Kaisers stets groß gefeiert“, berichtet Sabine Post aus ihrer Arbeit. Die politischen Konflikte in der Besatzungszeit zwischen 1918 und 1929 finden in der Schulchronik ebenso ihren Widerhall wie die schnelle Anpassung an das NS-Regime ab dem Frühjahr 1933. Zum Beispiel wurde die Schulentlassungsfeier 1934 von der NSDAP-Ortsgruppe organisiert. „Damit die Kinder stets das Leitbild des Führers vor Augen haben, wird jedes ein Reliefbild Adolf Hitlers überreicht bekommen“, berichtet dazu die Chronik.

Die transkribierte Schulchronik liegt ab sofort im Stadtarchiv Rheinbach allen Geschichtsinteressierten zur Einsicht vor und das nicht nur digital, sondern auch als 115-seitiger Ausdruck.

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Sabine Post mit dem Original und dem Ausdruck der Schulchronik Rheinbach.

 

Das 1828/29 errichtete Schulhaus an der Ecke Löherstraße/Am Voigtstor auf einem Foto aus dem Jahre 1878. Im Zweiten Weltkrieg schwer zerstört wurde das Gebäude in der Nachkriegszeit abgerissen.

Schulklasse 1910

Schulklasse der Rheinbacher Volksschule um 1910 mit Dechant Dr. Franz Sasse und Lehrerin Josephine Pfahl.