Der Jammer der Menschheit ist, dass oft die Klugen feige, die Tapferen dumm und die Fähigen ungeduldig sind. Das Ideal wäre, der tapfere Kluge mit der nötigen Geduld.“

Aktuell kam mir in diesen Tagen dieses Zitat von Truman Capote in den Sinn, als ich darüber nachdachte, was im inneren Kreis der CDU, also bei den aktiv Handelnden, aber auch in der bemerkenswert gelassenen Mitgliedschaft zur Kommunalwahl alles hätte besser laufen können. Die anfangs verkündete Enthaltsamkeit der Christdemokraten in Sachen plakativer Wahlwerbung mündete schließlich in einer aufs Bürgermeisteramt fokussierten, großzügig angelegten „Materialschlacht“, die das aufmerksame Rheinbach ob seiner Üppigkeit geradezu als peinlich empfand.

Auch das konzeptionelle Vorgehen bezüglich allzu aufwendiger, kostspieliger Werbung in Zeitungen oder per Drucksachen – Geld spielt ja keine Rolle – ist zu erwähnen. Die ursprüngliche Absicht der CDU, auf Plakatwerbung der Ratskandidaten, wie geschehen und lobenswert praktiziert, zu verzichten, hätte beim Wahlvolk berechtigten Eindruck hinterlassen. Wäre da nicht der unkluge Schachzug nach Kompensierung einer dann übermäßig flächendeckenden Plakatierung des Sympathieträgers Oliver Wolf erfolgt, dem man ein sensibleres Beratergremium gewünscht hätte.

Das Aufgebot „gekrönter Häupter“ – man verzeihe den Ausflug ins Humorvolle – in überflüssiger Nonplusultra-Manier und ihre Repräsentanz mit Alleinvertretungsanspruch für den bedauernswert fehlgeschlagenen Bürgermeisterversuch beispielsweise aus der For-ever-Branche, aus Unternehmern, Geschäfts- und Kaufleuten, Brauchtümern, Karnevalisten auf großflächigen Tschingbum-und-Trara-Plakaten und sonstigen Anhänglichkeit versprühenden Mietlingen, spätestens zu diesem Zeitpunkt war für Übersichtliche absehbar, dass jedwede „Charmeoffensive“ für den sympathischen und gescheiten Jungpolitiker Oliver Wolf scheitern musste.

Die jahrelang währenden Kontroversen und das vor der Öffentlichkeit diskret verborgen gehaltene interne Geklüngel einer eigentlich doch auf Versöhnung bedacht sein müssenden C-Partei, kam noch dazu und tat ein Übriges im Verlust von Ratssitzen und Mandaten. Die Werbekampagnen per Zeitungsanzeigen und die vielen ins Haus geflatterten Drucksachen, natürlich alles in Farbe, ließ schon erahnen, dass Maßlosigkeit den Bürgerinnen und Bürgern nicht opportun schien. Und als dann noch nach einer zunächst zumindest nicht schlecht ausgegangenen Wahl für OW das egozentrische, rücksichtslos ausgrenzende „Einer von uns“ auftauchte, was der mit starker Mehrheit gewählte neue Bürgermeister Ludger Banken und die ihn unterstützenden vier Parteien in aller Bescheidenheit in ein menschenfreundliches „Einer für uns“ verwandelten, hätte es nicht mehr des Altbürgermeisters „Brandbrief“ bedurft – spätestens ab da war die Wahl gelaufen und für eine Mehrheit klar, wer zu wählen war! Die Ära Hans Schellenberger, eines ehemals verdienten Bürgermeisters, der in seinem Brief als Ehrenamtler – irrtümlich – mit „a. D.“ firmiert, ist vorbei, da muss man sich nicht zum vorhersehbaren Schaden von Oliver Wolf mit einer die Neutralität vermissenden fragwürdigen Epistel in Erinnerung bringen. Letztlich ist aber auch festzustellen, dass nicht Oliver Wolf als Person, sondern das Erscheinungsbild einer im Sinkflug befindlichen Gesamt-CDU, die anfänglich berechtigte Chance OWs, Bürgermeister zu werden, „vermasselt“ hat.

„Opposition ist Mist“ verkündete einst Franz Müntefering. Die Rheinbacher CDU, die nach Kriegsende beim Wechsel von Dr. Hubert Schwarz zu Johann Schäfer mit einer einzigen kurzen Ausnahme, immer das Sagen zu haben gewöhnt war, wird die für sie ungewöhnliche neue Zeit überleben. Und in Ludger Banken, dem man persönlich – gemeinsam mit seiner großen Familie – wegen seiner als angenehm empfundenen Art täglich unaufdringlicher Präsenz auf der Straße zur Wahlstimmenwerbung gratulieren darf, haben wir nun – nach Stefan Raetz, dem mit Recht und in großer Dankbarkeit viele Bürgerinnen und Bürger nachtrauern werden –, wieder „Einen für uns“!

Nach allem Zeter und Mordio – intern wohl heftig, öffentlich verhalten – führt die nun beendete staatsbürgerliche Einrichtung der Wahl vom vorvergangenen Sonntag uns allen vor Augen, dass die erfolgreich beendete Politschlacht für alle Beteiligten einen erfrischend beruhigenden zugleich jedoch und vor allem Freiheit stabilisierenden und schützenswerten Namen trägt: DEMOKRATIE!

Franz Frechen, Rheinbach

2019 07 22 L4 Werbung Rhein