Heiliger St. Florian…

Irgendwann in den 90-ern wurde der Schornbusch in Rheinbach ein möglicher Standort für die Sonderabfälle aus der Verkupferungstechnik. „Giftmüll“ wie das in Rheinbach hieß. Eine „Anti-Giftmüll“ Gruppe bildete sich zu verhindern, dass die Abfälle hier abgelagert würden. Gegen die Deponie gab es Plakataktionen, Unterschriftensammlungen, Ratsbeschlüsse getragen von allen Parteien immer mit den Tenor „ Kein Giftmüll nach Rheinbach“ und „Rheinbach ist ein ungeeigneter Standort“. Das hatte zwar niemand nachgewiesen – brauchte man/frau auch nicht.

Es gab vielleicht eine handvoll Leute, die die Position vertraten, es müsse darum gehen, den geeignetsten / sichersten Platz für den Abfall zu finden. Wenn es dann Rheinbach wäre müsse man es ertragen und statt Widerstand zu leisten so meinten sie solle man sich damit befassen, wie man solche Abfälle vermeidet. Außerdem solle man sich darum zu kümmern, dass im Falle eines Falles alles getan würde die Lagerug der Abfälle selbst und ihren Transport nach Rheinbach so sicher als möglich zu gestalten. Die das vertraten hatten keine guten Karten in der Diskussion. Sie waren Nestbeschmutzer. Den „Absolutgegnern“ ging es nicht ums Vermeiden oder sichern Umgang sondern ausschließlich darum die Abfälle nicht vor der eigenen Haustüre zu haben. Wenn der Abfall wo anders gelagert würde – kein Rheinbacher Problem. Sie hatten auch keines damit, dass der Stoff, bei dessen Verarbeitung der Abfall anfiel unter anderem die Knöpfe der eigenen Jeans verschönerte. Oder kürzer: Sie lebten das Motto „Heiliger Sankt Florian …“.

Derzeit läuft die Suche nach dem besten Ort für ein Atommüll-Endlager nachdem Gorleben nicht mehr als einzig sicherer Platz gesehen wird. Gorleben wird seit 1970 „vorbereitet“. Die massiven Proteste über Jahre waren dann aber der Grund für die neue Suche.
Die Untersuchungen führt die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) nach dem Prinzip der „weißen Landkarte“ durch. Soll heißen: Alle Regionen in Deutschland sind potentielle Standorte. Inzwischen hat die BGE 90 Teilgebiete ausgewiesen.
Die Bayern und Sachsen („Freistaaten“) haben gleich „Florian“ zum Prinzip“ erklärt und verhalten sich wie die Rheinbacher in den 90-ern. „Wir haben zwar von der Sache keine Ahnung, aber unsere Länder sind per es nicht geeignet für ein Atomülllager.“ so das Credo.
Wenn sich Söder und Kretschmer am „ Floriansprinzip“ orientieren, also nach dem Heiligen der eigene schützen und die Häuser anderer abrennen soll wirkt das schon etwas befremdlich. Beide Ministerpräsidenten sind Protestanten. Söder ist gar in einem „konservativ-evangelisch“ geprägten Haus aufgewachsen. Was haben diese beiden Lutherjünger mit katholischen Heiligen am Hut?
Sei es drum. Hat irgendjemand anderes aus Bayern erwartet. Nachdem die Kohlekumpel sie vom Mithaufen geholt und sie danach unverdient besser dastanden als diese haben sie sich stets gesträubt den Ruhrgebiets-Städten beim Umbau ihrer Wirtschaft zu helfen. Daran sollte man sich in NRW erinnern, falls Söder für die Kanzlerschaft antreten sollte.
Im Kontrast zu den beiden lobt man sich den Niedersachsen Weil er sagte mit Blick auf Gorleben, die Landesregierung wisse, dass es auch in Niedersachsen geologische Formationen gebe, die eine Prüfung als Endlager verdienen könnten. Dies gelte aber eben auch für alle anderen Bundesländer. "Niemand soll glauben, Niedersachsen sei das Atomklo der Bundesrepublik Deutschland."

Zum Schluss noch ein kurzer Blick in die Leipziger Volkszeitung:
„Sachsen CDU sagt nein, Sachsen AfD will neue Kraftwerke.“
Da sind sie sich doch wieder sehr nahe, die Christen und die Rechten.

Peter Schürkes