Foto Auf einen Tee ins MiddlemarchViktorianische Doppelmoral und feine Ironie
Gelungener literarischer Start ins neue Jahr mit britischem Romanklassiker

Der 200. Geburtstag von George Eliot war bereits am 22. November 2019, doch da der Terminkalender auch zu Ende des vergangenen Jahres prall gefüllt war und der Alltag im vorweihnachtlichen Buchhandel lebhaft bis hektisch zu sein pflegt, zog die Buchhandlung Kayser es vor, ihre von langer Hand geplante Veranstaltung „Auf einen Tee ins Middlemarch von George Eliot“ auf Ende Januar zu legen, um sich ganz in Ruhe einer Hommage der Autorin und ihres Meisterwerks „Middlemarch“ zu widmen, wie Buchhändlerin Christel Engeland ausführte, nachdem die Zuhörer, die sich zahlreich vor Ort eingefunden hatten, stilecht mit englischem Tee und Gebäck versorgt worden waren.

Engeland gab einen interessanten Einblick in das Leben der Autorin, das selbst gut als Stoff für einen Roman getaugt hätte.

WDR-Sprecherin Regina Münch erweckte die fiktive viktorianische Kleinstadt „Middlemarch“ und ihre Bewohner zum Leben, in dem sie ausgewählte Textpassagen aus der deutschen Romanübersetzung von Rainer Zerbst las, so beispielsweise die Szene über eine junge Ehefrau, die sich eingestehen muss, dass ihr Ehemann keineswegs mit dem Phantasiebild identisch ist, das sie sich in der kurzen Brautzeit ausgemalt hatte oder eine Wahlkampfszene, in der der Auftritt des Kandidaten im Desaster endet.

Es wurde deutlich, wie einfühlsam Eliot ihre Figuren darstellt und wie subtil sie deren Motive auslegt. Die wunderbare Sprache der Autorin und ihre feine Ironie überzeugten ebenso, so dass vermutet werden darf, dass einige Zuhörer der Aufforderung Christel Engelands nachkommen werden, den 1200 Seiten starken Wälzers der Ahnherrin des psychologischen Romans bei Gelegenheit zu Hause zu lesen. Ein gelungener Nachmittag war dieser Ausflug in die Welt von Middlemarch allemal.

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