Der junge Flötist Janik Nagel sorgte für musikalische ZwischenspieleMärchenhaftes im Glasmuseum

Junge Talente aus Rheinbach überzeugten am 2. Oktober bei der musikalischen Lesung von H.C. Andersens „Die Nachtigall“ zu zauberhaften Scherenschnitten der Meckenheimer Künstlerin Heide Simm. Wegen der großen Nachfrage gibt es am 27. November einen Zusatztermin für die Buchvorstellung.


"Hier soll ja ein höchst merkwürdiger Vogel sein, der Nachtigall genannt wird!", ruft der Kaiser von China (Karl Hempel). Der bornierte und dünkelhafte Haushofmeister (Tom Warhonowicz, 14) soll ihn umgehend herbeischaffen. Die kleine Köchin (Maja Niebes, 12) weiß schließlich, wo die Nachtigall zu finden ist.

Musikalisch wird die Nachtigall kongenial vom Rheinbacher Ausnahmeflötisten Janik Nagel (18) verkörpert, einem Eigengewächs der Musikschule Voreifel. Der künftige Student der Musikhochschule Köln bedient sich dazu Fragmenten aus „Engels Nachtigaeltje“ des niederländischen Barockkomponisten Jacob van Eyck (1590- 1675). Die Sprechstimme verleiht dem bewunderten Vogel Victoria Schaay (14), lesendes Ausnahmetalent und Deutschlandsiegerin des Bundesweiten Vorlesewettbewerbs 2018.

Erzähler ist der 12-jährige Silas Worm aus Rheinbach-Wormersdorf, der in diesem Jahr für den Rhein-Sieg-Kreis am NRW-Entscheid des Vorlesewettbewerbs teilnahm. Gekonnt hält er die Balance zwischen der Ruhe, die ein solches Märchen braucht und authentischer Lebhaftigkeit.

Das Märchen, das Andersen als Parabel auf den Konflikt zwischen Natur und Kunst geschrieben hat, wendet sich durchaus an Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Besonders die Seitenhiebe auf das höfische Gebaren stecken voller Humor, und sowohl Karl Hempel als auch Tom Warhonowicz scheuen sich nicht, ihre Stimme entsprechend parodistisch anzulegen. Am Ende der Geschichte erweist sich die freiheitsliebende Nachtigall der künstlichen Imitation mit ihrem „perfektem Taktgefühl“ als überlegen und für den Kaiser als heilsam, denn sogar der „Tod“ zieht sich ergriffen von dessen Krankenlager zurück.

War das ganze Arrangement schon ein kurzweiliger Genuss für das Ohr, so waren es die auf eine große Leinwand projizierten Bilder von Heide Simm für das Auge. Die Künstlerin und Goldschmiedin aus Meckenheim hat ein vor Jahren von ihr geschaffenes Scherenschnitt-Schattentheater digitalisieren lassen und als Bilderbuch herausgegeben. „Ich bin dem Glasmuseum, Rheinbach Liest und den jungen Künstlerin für die würdige Präsentation meines Buches ausgesprochen dankbar“, meinte Heide Simm.

Das Glasmuseum mit seiner durch die kunstvoll beleuchteten Vitrinen einzigartigen Atmosphäre erwies sich einmal mehr als perfekter Ort für hochklassige Kulturveranstaltungen. Abgerundet wurde der Abend durch eine Tasse chinesischen Tees der Tee-Gschwendner-Niederlassung in der Rheinbacher Hauptstraße.

Das Publikum, Pandemie-bedingt waren nur je 26 Gäste zugelassen, zeigte sich nach den 40 Minuten Spielzeit, einschließlich einer Einführung durch die Museumsleiterin Dr. Ruth Fabritius, begeistert und entsprechend spendabel. Der Reinerlös der Hutspenden sind für die pädagogische Arbeit des Glasmuseums bestimmt.

Wegen der großen Nachfrage, gibt es am 27. November einen Zusatztermin. Anmeldungen für die zwei Lesungen, eine um 17:00 und eine weitere um 19:00 Uhr, nimmt das Glasmuseum unter der Telefonnummer 02226-917 501 entgegen.

Der junge Flötist Janik Nagel sorgte für musikalische Zwischenspiele

Die Akteure bei der musikalischen Lesung stellen sich mit Heide Simm und Dr. Ruth Fabritius zum Gruppenfoto Foto KehreinDie Akteure bei der musikalischen Lesung stellen sich mit Heide Simm und Dr. Ruth Fabritius zum Gruppenfoto (Foto Kehrein)

 

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