DSC 0280Schall von Bell

Zu einem interessanten Vortrag über den Missionar und Astronom Johann Adam Schall von Bell hatten die Freunde des Archivs der Stadt Rheinbach in in den Himmeroder Hof eingeladen. Der Referent Dieter Ohm, Vorsitzender des Vereins Meckenheimer Stadtmuseum und Kulturforum e.V., illustrierte seine Ausführungen durch ausgewählte Lichtbilder.

Adam Schall von Bell wurde 1592 entweder in Köln, wo seine Familie ein Stadthaus besaß, oder auf Burg Lüftelberg geboren. Die Herrlichkeit Lüftelberg war im Besitz des Rittergeschlechts der Schall von Bell. Sein Bruder Heinrich Degenhard fungierte als Amtmann in Rheinbach und spielte eine zwielichtige Rolle bei den Hexenverfolgungen in Rheinbach. Zur Schule gingen Johann Adam und seine Brüder auf das Dreikönigsgymnasium der Jesuiten in Köln. Er war noch nicht siebzehn Jahre alt, als er nach Rom zog, um dort neben Theologie auch Mathematik zu studieren. Nach Abschluss des Studiums trat er dem Jesuitenorden bei. Auf sein Gesuch hin wurde Schall von Bell 1618 als Missionar nach China geschickt, wo er schnell die chinesische Sprache lernte. Aufgrund seiner herausragenden Kenntnisse in der Astronomie gewann er schnell Einfluss am kaiserlichen Hof in Beijing. Er schrieb mehrere Traktate, in denen unter anderem das eineinhalb Jahrzehnte zuvor in Europa von Galileo Galilei erfundene Fernrohr beschrieb.

1630 wurde er Leiter des Kalenderamts, das zuständig für die Leitung der kaiserlichen Sternwarte und die Überwachung des chinesischen Kalenders war. Auch als Missionar war Schall von Bell erfolgreich. Zum Beispiel traten allein im Jahre 1638 knapp 900 Chinesen zum Christentum über. 1644 wurde Schall von Bell Leiter des astronomischen Amtes. Der in dieser Zeit unter seiner Leitung entwickelte Kalender war in China bis 1912 gültig. Vierzehn Jahre später ernannte ihn der Kaiser zum Mandarin 1. Klasse. Mit dieser Auszeichnung wurde er zu einem der höchsten Beamten im chinesischen Staat.

Schall von Bells erfolgreiche wissenschaftliche Arbeit und seine Nähe zum Kaiser riefen aber auch viele Gegner am Hofe auf den Plan. 1664 wurde der Jesuit wegen Hochverrats zum Tode verurteilt, später aber begnadigt und nach seinem Tod 1666 rehabilitiert. Auch unter den Jesuiten selbst war er nicht unumstritten. "Ihm wurde vorgeworfen, sich zu wenig um die Mission gekümmert und sich zu sehr an die chinesische Kultur angepasst zu haben", erläuterte Dieter Ohm in seinem Vortrag die Kritik seiner christlichen Widersacher. Letztlich bleibt aber festzuhalten, dass kein Europäer vor und nach ihm so eng mit dem chinesischen Kaiserhof verbunden war. Noch heute ist der von Kaiser Kangxi in Auftrag gegeben Grabstein Schall von Bells auf dem ehemaligen Jesuiten-Friedhof in Peking zu besichtigen.


Dieter Ohm bei seinem Vortrag vor den Archivfreunden Rheinbach (Foto: Pertz)

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