DSC 0132aVortrag über die Wissenschaftlerin Cäcilie Fröhlich

Zu einem interessanten Vortrag hatten die Rheinbacher Gleichstellungsbeauftragte Mechthild Schneider und die Freunde des Archivs der Stadt Rheinbach in den Himmeroder Hof eingeladen.

Die Referentin des Abends, Birgit Formanski, M. A., hatte sich auf Spurensuche nach dem beruflichen Werdegang der Wissenschaftlerin Cäcilie Fröhlich (1900 – 1992) gemacht. Anlass für die Recherche war die im Frühjahr dieses Jahres erfolgte Benennung einer Straße im Rheinbacher Gewerbegebiet Wolbersacker nach der international renommierten Mathematikern, Physikerin und Elektrotechnikerin.

Die in Köln geborene Tochter jüdischer Eltern legte 1925 in Bonn ihr Examen in Mathematik und Physik ab. "Die „Einserkandidatin“ erhielt dabei wegen persönlicher Differenzen der beiden Prüfer lediglich die Examensnote ‚gut‘", so Birgit Formanski in ihrem Vortrag. Nach dem Studium hatte Cäcilie Fröhlich als Frau zunächst Schwierigkeiten in ihrem Fach beruflich Fuß zu fassen. Zum Glück suchte die Wirtschaft Ende der 1920er Jahre händeringend nach Fachkräften, so dass sie im Jahre 1929 bei der AEG eine feste Anstellung als mathematische Beraterin bekam.

Im Mai 1933 erfolgte die „Beförderung“ zur Beraterin des Firmenvorstandes. 1937 musste sie diese Stellung wegen ihrer Glaubenszugehörigkeit jedoch aufgeben. Sie emigrierte daraufhin nach Belgien und fand dort, dank der hervorragenden Beurteilung durch die AEG-Firmenleitung, sofort wieder eine adäquate Stelle in einem der AEG ähnlichen Werk, das große Maschinen herstellte. Als bis dahin erste in diesem Werk angestellte Frau war sie mit für die reibungslose Produktion verantwortlich. Nach dem Einmarsch der Deutschen in Belgien emigrierte sie über Portugal in die USA.

Erst als dort dringend Fachkräfte für das Lehrfach Elektrotechnik gesucht wurden, übernahm man sie schließlich als wissenschaftliche Mitarbeiterin am New Yorker City College. Damit begann eine beeindruckende Karriere. Innerhalb von 13 Jahren brachte sie es zur Professorin mit Lehrstuhl, zudem als erste Frau in den USA zur Sprecherin einer Technischen Fakultät. Die Förderung des Frauenstudiums und die Gleichberechtigung im Beruf lagen Cäcilie Fröhlich von Beginn ihrer Lehrtätigkeit an sehr am Herzen.
Bis 1940 hatten sich nur ca. 1% Frauen für diesen Studiengang am College eingeschrieben. Dank der Unterstützung von Cäcilie Fröhlich wuchs der Anteil der Studentinnen, vor allem der Einwanderinnen aus Afrika und Asien. Dazu hatte sie sich tatkräftige Unterstützung durch Eleanor Roosevelt, der ehemaligen First Lady und Frauenrechtlerin, geholt. Seit 1946 war sie engagiertes Mitglied bei der Akademischen Frauenorganisation. Ihr zu Ehren wurde 1979 eine Stiftung eingerichtet, mit deren Hilfe von 1983-1990 über 5.000 Frauen ihr Graduiertenstudium abschließen konnten.

 

02 froehlich Foto Pacific University 1960

Cäcilie Fröhlich 1960, Quelle: Pacific University.

Die Referentin Birgit Formanski vor dem neuen Straßenschild im Wolbersacker, Foto: Stadtarchiv Rheinbach.

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