Lesebühne Stuss mit Lustig mit Dirk Plücker am Piano bei Gastgeberin Esther Grote von Optik SichtweiseZwei Engel lesen schönen Stuss vor

Die Lesebühne „Stuss mit Lustig“ las und sang vor gut vierzig Besuchern im Ladenlokal von „Optik Sichtweise“.


Gleich zu Beginn gab es eine schlechte und zwei guten Nachrichten. Das eigentlich dreiköpfige Lesebühnenensemble musste den krankheitsbedingten Ausfall ihres jüngsten Mitglieds Julius Esser (27) verkraften. Johannes Engel, im Privatleben Lehrer für Mathematik und Physik an einer Realschule in Erftstadt, verkündete, das Durchschnittsalter habe sich dadurch „positiv entwickelt, nämlich um 10 Jahre nach oben“. Außerdem habe man schon eine mehrteilige Strategie, wie die fehlenden 20 Minuten Redezeit Essers kompensiert werden könnten: „Wir fangen später an, machen die Pause etwas länger und lesen dann noch ein paar alte Kamellen vor.“

Sein Kollege Gerd Engel bekannte freimütig, er habe am Nachmittag hastig noch ein paar Fragmente vollendet. Und dann begann er mit einigen Gedichten, die „schon einmal durchgefallen sind. Nämlich bei dem Gedichtwettbewerb um die Wachtberger Kugel!“ Eine Kostprobe? „Ruft der Eber summe Dau / meint er vermutlich seine Frau.“ In einem satirischen Essay ließ sich der Grundschullehrer über den Hunger Rheinbachs nach Titeln aus. Die Glasstadt werde aus Gründen der Wirtschaftsförderung jetzt noch Römerstadt, und wegen eines Besuchs des vermutlich noch pickligen Beethoven bei Schultheiß Dick in Oberdrees im Jahr 1781 mache „Rheinbach dem darbenden Bonn den Nimbus der Beethovenstadt streitig“. Er plädierte zusätzlich für den Titel als „Jenny-Elvers-Stadt“, die Frau habe hier ja gleich mehrere Jahre übernachtet.

Johannes Engel erzählte von seinen Anfängen als komischer Lyriker in einem literaturwissenschaftlichen Seminar der Uni Bonn und gab einige Kostproben aus dieser Zeit. So verschmitzt-pointiert wie seine Gedichte waren auch Engels Überleitungen, in die er beispielsweise Kuriositäten aus der Tierwelt einbaute. Ein nicht ganz ernst gemeintes Liebeslied von Gerd Engel rundete den ersten Block ab. Dabei wurde der Rheinbach-liest-Vize von Tina Hagen, Sängerin bei „dirkundich“ sowie „Feinsliebchen“, und Dirk Plücker am Piano begleitet.

Die zweite Halbzeit geriet ähnlich kurzweilig und musikalisch. Ein Buch mit Herrenwitzen aus den 50er Jahren, sowie Ehe-Tipps Anno 1966 kamen zur Freude der Zuhörer zu unerwarteten Ehren. Die Verfasser des Ratgebers empfahlen beispielsweise: „Die Frau sollte dem Mann wegen seiner Arbeit recht oft Komplimente machen.“ Das sei doch „immer noch sehr aktuell, wenn ich da aus eigener Erfahrung sprechen darf“, bekannte der 53-Jährige lachend.

Um die letzten fünf Minuten „herauszuschinden“, baten die beiden Engel noch Gastgeberin Esther Grote ans Mikro, die zeigen konnte, was sie gesanglich zu bieten hat. Nämlich eine Menge! Um 22:00 Uhr endete ein unterhaltsamer Abend mit lang andauerndem Applaus. Da alle Beteiligten auf ihre Gage verzichteten, konnte sich der Veranstalter Rheinbach Liest über Einnahmen von mehr als 300 Euro für das Leseförderprojekt „Findefuchs“ freuen.

 Lesebühne Stuss mit Lustig mit Dirk Plücker am Piano bei Gastgeberin Esther Grote von Optik Sichtweise

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