1990738Militärgeschichte zum Anfassen - VHS-Exkursion nach Frankreich

Rheinbach – Wie ein gewaltiger Schlund ragt der Tunnel, in den der Eingang der unterirdischen Befestigungsanlage als Teil der so genannten Maginot-Linie mündet, ins Innere des lothringischen Hackenbergs hinein.

Drinnen sind es kühle 12 Grad, das Licht ist schummerig, die Luft riecht nach feuchter Erde und Kalk. Am Boden verlaufen Schienen, die sich weiter hinten im Fels verlieren und die verschiedenen Areale des gigantischen, tief in den Berg reichenden Stollensystems miteinander verbinden.

Durch den kleinen Museumsshop rechts vom Eingang gelangt die deutsche Besuchergruppe um den Militärhistoriker Peter Baus weiter ins Innere der Anlage. Die kürzlich stattgefundene Exkursion der VHS Voreifel ist Teil der Themenreihe „80 Jahre – Der Weltkrieg 1939 - 1945“, die in den kommenden Semestern unter der Rubrik „Erinnern für die Zukunft“ fortgesetzt werden wird. Als ausgewiesener Experte wird Peter Baus auch alle weiteren Fahrten zu Stätten des 2. Weltkrieges in der Region leiten. Erste Station der vom Verein Amifort, dem Freundeskreis des Fort Hackenberg, organisierten Besichtigung ist das Hauptmunitionslager. In dem 1944 von den Deutschen beim Verlassen der Anlage zerstörten und heute weitestgehend wiederhergestellten Bereich wurde der Sprengstoff aufbewahrt, der im Kampffall über ein 4 km langes Gleisnetz zu den Bunkeranlagen transportiert und dort von den Soldaten in die Sprengköpfe der Bomben eingesetzt werden konnte. Weiter hinten im Tunnelgang befindet sich die Kaserne, in der heute ein kleines Museum eingerichtet ist. In den Schlafstätten, der Großküche und dem Lazarett geben sogenannte Dioramen – mit Hilfe von Schaufensterpuppen in typischer Kleidung nachgestellte Alltagsszenen, einen Eindruck vom Leben in der Anlage. Plakate und Zeitungsartikel an den Wänden erinnern an die Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs.

Die Maginot-Linie
Nach den verheerenden Verlusten des Ersten Weltkriegs baute die französische Regierung ab dem Jahr 1930 eine kilometerlange Befestigungsanlage, benannt nach dem damaligen Kriegsminister André Maginot, die die Ostgrenze Frankreichs vom Ärmelkanal bis hinunter in die Schweiz vor deutschen Angriffen schützen sollte. Ausgelegt für eine Besatzung von 1000 Soldaten und 43 Offizieren war die Werkgruppe Hackenberg die größte Anlage der Maginot-Linie und Vorbild für den Bau weiterer Festungen. Sie verfügte über eine eigene Trinkwasser- und Stromversorgung. Durch ein eigenes Dieselkraftwerk war die Festungsanlage im Kampf komplett autark. Als die Werkgruppe 1936 fertig gestellt wurde, ahnte niemand, dass sie bei der Besetzung Frankreichs durch die Wehrmacht keine Rolle spielen sollte. Die deutschen Truppen griffen Frankreich 1940 unerwartet unter Umgehung der Maginot-Linie über die Ardennen an, indem sie die neutralen Staaten Niederlande, Luxemburg und Belgien überrannten. Das Fort Hackenberg wurde nach der Niederlage Frankreichs kampflos an die Deutschen übergeben, die es später als unterirdische Produktionsstätte verwenden sollten. Erst im Jahre 1944 kam es in einer der Bunkeranlagen zu Kampfhandlungen mit amerikanischen Soldaten, im Zuge derer die Deutschen die Anlage aufgeben mussten.

Schmalspurbahn und Baumwipfelpfad
An einem der kleinen „Bahnhöfe“ entlang des Schienennetzes steigt die Gruppe der VHS Voreifel in die ratternde Schmalspurbahn, die sie vom Munitionslager und den Soldatenunterkünften weiter zu den Bunkeranlagen bringt. Hier demonstriert die Touristenführerin die Funktionsweise der versenkbaren Kanonen und der übrigen Geschütze, die mit ihrer Feuerkraft den gesamten Bereich bis zu den benachbarten Werkgruppen abdecken konnten. Beobachtungsstationen dienten zur Überwachung des Geländes. Vor den Bunkeranlagen verlief ein Abwehrgraben, auf deren zentrale Bedeutung als Schutz vor dem Ansturm fremder Panzer Baus noch einmal hinweist. Seit 1975 wird die Werkgruppe Hackenberg vom Verein Amifort betreut, der wichtige Instandsetzungsarbeiten durchgeführt und die Anlage für das Publikum zugänglich gemacht hat.

Auf dem Rückweg nach Rheinbach machte die VHS-Gruppe noch einen Zwischenstopp an der Saarschleife in Cloeuf. Begeistert genossen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den fantastischen Ausblick auf den Fluss, einige Mutige auch von dem benachbarten Baumwipfelpfad aus.

 

2019 07 22 L4 Werbung RheinKlick