Begeisterndes Frühjahrskonzert der Tomburg Winds

Das „Flaggschiff“ der Musikschule Voreifel nimmt im ausverkauften Rheinbacher Stadttheater jetzt noch mehr Fahrt auf und schickt sein Publikum voller Aufbruchsstimmung auf eine inspirierende Reise durch die Unterhaltungsmusik.


Adi Becker, Leiter des Sinfonischen Blasorchesters der Musikschule Voreifel, verlässt gegen Ende eines denkwürdigen Abends für einige Sekunden sein Dirigentenpult und betrachtet vom linken Bühnenrand aus stolz und gerührt, wie die 65 vorwiegend jungen Musiker im Schüler-und Studentenalter bei Stings „Desert Rose“, Teil drei des Medleys „Symphonicity“, mühelos und bei höchstem Tempo weiterspielen. Das hingerissen lauschende Publikum versteht die Botschaft: Seht her, das sind die „Tomburg Winds“ (TW) und wie gut die heute sind, das „bläst sogar mich um“.

In der Tat hat das Ensemble längst eine Klasse erreicht, die deutschlandweit keinen Vergleich mit anderen Auswahl- und Amateurorchestern zu scheuen braucht. Nach den furiosen Schlusstakten, die der temperamentvolle Posaunist der Big Band der Bundeswehr Adi Becker wieder dirigiert hat, springen die fast 500 Besucher im Rheinbacher Stadttheater auf, applaudieren ausdauernd und ringen den glücklichen Künstlern so noch zwei Zugaben ab.

Wie ist eine solche Qualität bei einer regionalen Musikschule möglich? Das fragen sich in diesem Moment nicht nur die rund 100 auswärtigen Besucher, darunter auch zwei US-Bürger, die sich unter das Stammpublikum mischen.

Und dies zu Recht! Was da unter dem Namen „Tomburg Winds“ im Gebiet der Musikschule Voreifel als Teil des VHS-Zweckverbands Voreifel herangereift ist, lässt staunen. Die im Gründungsjahr 2000 getroffene Namenswahl zeigte sich weitsichtig. Die Ruine Tomburg steht zwar über Wormersdorf und damit auf Rheinbacher Stadtgebiet, ist aber für die ganze Region identitätsstiftend und bestens geeignet für ein Leuchtturmprojekt, das bei den Musikschulen in Deutschland als vorbildlich gilt. Musikschulleiter Claus Kratzenberg, der teilweise selbst die Proben übernimmt, da Adi Becker durch seine Tourneen manchmal verhindert ist, hebt die kontinuierliche Förderung der Musikschüler im Ensemblespiel hervor: „Im Kinderblasorchester können schon 7-jährige spielerisch Erfahrungen sammeln. Das Jugendblasorchester unter der Leitung des TW-Urvaters Georg Heide setzt die Arbeit fort bis hin zum sinfonischen Blasorchester als unserem Flaggschiff.“

Mittlerweile bewältigt schon das genannte 40-Personen-starke Jugendblasorchester Stücke des Schwierigkeitsgrads „Mittelstufe“, wie beispielsweise das bewegende „Beautiful Savior“, das die 9- bis 16-jährigen in einem Block vor der Pause in beeindruckender Weise zu Gehör bringen. „Das gemeinsame Auftreten mit dem jungen Erwachsenenorchester und seinen herausragenden Solisten sorgt für eine hohe Motivation bei dem Nachwuchs, hält sie auch im Einzelunterricht bei der Stange und gibt ihnen Ziel und Richtung“, erklärt Adi Becker.

Der in Rheinbach lebende charismatische Musiker und Arrangeur mit einer Vorliebe für Jazz und Pop ist ein wahrer Glücksfall für das Projekt. Dank ihm denkt hier bei Blasorchester niemand mehr an Hirschgeweihe oder die Beschränkung auf Märsche, obwohl die Tomburg Winds auch letztere im Portfolio haben, wie der Radetzky-Marsch von Johann Strauss (Vater) in der Zugabe zeigt. Neben den unterschiedlichsten Bläsergruppen verfügt das Orchester über eine vielseitige Schlagwerkabteilung, Kontra- und E-Bass. Bei Bedarf werden auch Tasteninstrumente und rockige E-Gitarrenriffs eingesetzt.

Das wegen seiner unglaublichen Schnelligkeit schwerste Stück des Abends „Colours of Riverdance“ hatte Becker, zunächst für die Big Band der Bundeswehr, selbst arrangiert. Wer zusehen darf, welche Präzision, Energie und Leidenschaft Becker beim Dirigieren vermittelt und wie diese Energie über die Musik in den Konzertraum fließt, der erahnt Intensität, Disziplin und Anspruch der Probenarbeit. Aber auch die nötige Lockerheit ist vorhanden, denn überdies ist Becker noch ein glänzender Unterhalter, dem Superlative glaubwürdig über die Lippen kommen. Die Melodien aus „The Wizard of Oz“ von Harold Arlen gehören, so Becker, „zur schönsten Musik, die auf diesem Planeten erfunden wurde“. Solchermaßen eingestimmt hört man in Rheinbach das Medley im Arrangement von James Barnes noch einmal mit anderen Ohren und stimmt der Aussage schließlich zu, weil sich ihm bei „Over the rainbow“ alle Haare hochstellen und Tränen des Glücks in die Augen schießen.

Das Konzert lebt darüber hinaus auch von der gekonnten Moderation, für die neben Becker vor allem Roland Keil verantwortlich zeichnet. Der Rheinbacher Unternehmensberater ist über seine Söhne selbst ein Teil der Tomburg-Winds-Familie geworden und weiß in der Rolle eines klassischen Conferenciers mit Humor und Eloquenz zu überzeugen: „Sie hören heute sozusagen Blasmusik de luxe!“

Und dann die Solisten! Der Erste Flötist Thomas Schüller an der Tin Whistle bei „Riverdance“, der 11-jährige Saxophonist Tom Clemens, die Trompeter Alexander von Thadden, Stefan Fuss, Matthias Bruns und Marie Zingsheim sind wahrlich eine Klasse für sich und meistern schnellste Läufe mit bemerkenswerter Sicherheit. Gerade die Letztgenannte ist ein gutes Beispiel für die Nachhaltigkeit des TW-Projekts. Marie Zingsheim hat alle Ensembles des Orchesters durchlaufen und suchte sich nach dem Abitur gezielt den Studienort Bonn aus, um weiter bei „ihren“ Tomburg Winds spielen zu können. Bei Paul McCartneys Beitrag zur James Bond Filmmusik „Live and let die“ überzeugt ihre zarte Trompete im Wechselspiel mit der Wucht und Dynamik des Orchesters. Solch junge Talente wie Zingsheim nach dem Abitur nicht gleich zu verlieren, auch das gibt Adi Becker die Zuversicht zu sagen: „Wir fangen gerade erst an. Von den Tomburg Winds wird man noch viel hören.“

Diese Leidenschaft für das Projekt und die Aufbruchsstimmung sind allen Beteiligten anzumerken. Umso mehr freut man sich über den Rückhalt in der Politik, der in den Zeiten knapper Kassen nicht selbstverständlich ist. „Aber wir geben der Region ja auch eine Menge!“, weiß Kratzenberg um die Strahlkraft der Tomburg Winds, die auch bei Stadtfesten oder demnächst der Eröffnung des neuen Rathauses in Meckenheim auftreten. Selbst in Bonn weiß man die Qualität des Orchesters zu schätzen und lädt es zum Beethovenfest immer wieder gerne ein. Das Frühjahrskonzert setzt einen neuen Maßstab und weckt Erwartungen für den renommierten, vom Militärmusikdienst, der Firma Yamaha und der Stadt Balingen veranstalteten Wettbewerb „BW Musix“, an dem die Tomburg Winds im Oktober teilnehmen werden.

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