jusos llogoWenn die Ausbeutung an der Türe klingelt – Jusos Rhein-Sieg diskutierten über Arbeit im Liefergewerbe
RHEIN-SIEG-KREIS Sie klingeln häufig an unseren Türen und doch gelangen die Arbeitsbedingungen von Fahrradkurieren und Paketboten nur selten in den Blick der Öffentlichkeit.

„Wir diskutieren eher über die Schadstoffklasse der Lieferfahrzeuge als über die skandalösen Arbeitsbedingungen für die Menschen, die uns Pakete oder Essen liefern. Im Prinzip muss man von digitaler Tagelöhnerei sprechen“, so der Juso-Kreisvorsitzende, Mario Dahm, zu Beginn des zweiten Hofgesprächs der Jusos Rhein-Sieg unter dem Titel „Liefern am Limit“ in Troisdorf. Welche neuen Formen von Arbeit und leider auch Ausbeutung mit der Digitalisierung entstehen, konnten die Gäste aus eigener Erfahrung berichten. Als Fahrradkurier erlebte Orry Mittenmayer die Arbeitsbedingungen beim Lieferdienst Deliveroo. Diese Plattformwirtschaft zeichnet sich durch eine maximal niedrige Verantwortung für die Beschäftigten aus, die meist sogar nur als „Freelancer“ mit Kleinstaufträgen an der Grenze zur Scheinselbstständigkeit tätig sind. Kontrolliert werden sie über die Algorithmen einer App, Arbeitsmaterial wie ein Fahrrad müssen sie selbst finanzieren. Als Mittenmayer in Köln nach der Gründung der über Social Media aktiven Gruppe „Liefern am Limit“ auch noch einen Betriebsrat gründete, wurde sein befristeter Arbeitsvertrag nicht verlängert.

Diese Konstellationen seien eine Herausforderung für die Politik, so die parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Landtagsfraktion, Sarah Philipp. Alte Begriffe müssten überdacht und soziale Sicherheit trotz dieser neuen Formen von Arbeit garantiert werden. Hier seien gerade die SPD, aber auch die Gewerkschaften gefordert, auf diese Veränderungen zu reagieren. Schritte in die richtige Richtung erkannte Uwe Speckenwirth, Landesbezirksfachbereichsleiter für das Logistikgewerbe bei der Gewerkschaft ver.di, etwa in der von SPD-Arbeitsminister Heil initiierten Nachunternehmerhaftung. Dadurch blieben große Unternehmen auch dann verantwortlich, wenn sie immer weitere Sub-Unternehmen beauftragen, wie es in der Paketbranche üblich ist. Die Situation sei auch hier vielfach erschreckend, wenn Mindestlöhne umgangen, 12-Stunden-Tage die Regel seien oder gezielt Fahrer aus Osteuropa angeworben werden, die ihre Rechte nicht kennen.

 

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