Ausbau der Turmstraße in Rheinbach

Mit der komplexen, die Bedürfnisse verschiedener Nutzergruppen und Anliegern berücksichtigenden Neugestaltung der Turmstraße, wird eine attraktive, verkehrssichere Straße für alle Verkehrsteilnehmer geschaffen.

Die geplanten baulichen Maßnahmen, wie das Verschwenken der Fahrbahn, die Berliner Kissen, die neuen Bäume und die Einengungen werden zu einer deutlichen Reduzierung der Fahrgeschwindigkeit beitragen.

Die Planung stand von vornherein unter dem Leitsatz „vom schwächsten zum stärksten Verkehrsteilnehmer“. Daher wurde im Interesse der Fußgänger ein besonderes Augenmerk auf die ausreichende Breite der Bürgersteige gelegt.

Diese werden ebenfalls von Fahrrad fahrenden Grundschülern - auch in Begleitung ihrer Eltern - genutzt, die im vierten Schuljahr bis zu 10 Jahre alt sind.

Die Sicherheit der Schüler war der wichtigste Aspekt bei der Neugestaltung.

Der Fahrradfahrer ist hingegen keineswegs der große Verlierer dieser Umgestaltung. Er wird vielmehr, wie es für Straßen dieser Art empfohlen wird, auf der Fahrbahn geführt, wo er vom Kraftverkehr auch gut gesehen wird. Unter den eingeschränkten räumlichen Gegebenheiten wird nun die beste Lösung realisiert.

Detaillierte Informationen:

Innörtliche Bedeutung der Straße

Die Turmstraße liegt zwischen den innerörtlichen Hauptverkehrsstraßen „Martinstraße“ (L113) und „Münstereifeler Straße“, welche die Quell- und Zielverkehre zwischen der Eifel und dem Bonner Raum tragen, gleichzeitig den Zielverkehr zur Innenstadt aufnehmen und Route für den Linien- und Schulbusverkehr.
Gleichzeitig ist die „Turmstraße“ Hauptschulweg“ für die Schulen im Bereich der Innenstadt sowie der unmittelbar anliegenden Grundschule „Sürster Weg“. Besonders der südliche Bürgersteig, entlang der ungeraden Hausnummern, hat eine wesentliche Bedeutung für alle Fußgänger, da Fußgängerampeln im Bereich der „Martinstraße“ und „Münstereifeler Straße“ auf diesen führen.
Außerdem werden wichtige infrastrukturelle Einrichtungen der Kernstadt, wie die Feuerwache und Grundschule Sürster Weg, über die Turmstraße angefahren.
Natürlich hat die Turmstraße auch eine Erschließungsfunktion für die angrenzende Wohnbebauung.
Aufgrund dieser maßgeblichen Verbindungsfunktion, fasste der Ausschuss für Stadtentwicklung: Planung, Umwelt und Verkehr in seiner Sitzung vom 05.07.2011 den einstimmigen Beschluss, die Turmstraße als „verkehrswichtige Straße“ zu klassifizieren.

Planungsgrundlagen

Durch die grundhafte Erneuerung der Turmstraße, die durch den schlechten baulichen Zustand der Wasser- und Abwasserleitungen und des ungenügenden Straßenunterbaus erforderlich ist, wird der Bestand verlassen und es sind die Regelungen der „Richtlinie für die Anlage von Stadtstraßen“, die RASt 06, als Planungsgrundlage anzuwenden.
Die vorgenannte Richtlinie ist eine R1 Richtlinie, die den heutigen Stand der Technik darstellt und für den Gesetzgeber Grundlage in einem Rechtstreit darstellt. Die Berücksichtigung der Anforderungsprofile an die unterschiedlichen Flächen ist somit für die Stadt Rheinbach verpflichtend.
Die Turmstraße wirkt auf den ersten Blick in der Breite üppig, betrachtet man aber die heutigen Ansprüche aus Normen, stellt man schnell fest, dass nicht für alle Nutzer separate Angebote angeboten werden können.
Der Verkehr in der Turmstraße stellt sich nach Verkehrsarten wie folgt dar: Kfz-Verkehr 42 %, Fußgänger 38% und Fahrradfahrer20%.
In Abstimmung mit Trägern öffentlicher Belange (Polizei, Ordnungs-/ Straßenverkehrsbehörde, Feuerwehr, ÖPNV, Schulamt, ADFC und dem Gewerbeverein) sowie zwei Bürgerversammlungen wurden die unterschiedlichen Ansprüche an die Turmstraße im Rahmen eines größtmöglichen Kompromisses, vor der Ausführungsplanung „optimierte Variante 3“ genannt, berücksichtigt.
Diese „optimierte Variante 3“ wurde dem Ausschuss für Stadtentwicklung; Planung, Umwelt und Verkehr“ am 17.10.2017 vorgestellt. Der Ausschuss fasste den Beschluss, diesen Lösungsansatz zur Umsetzung zu bringen. Die Planung stand von vornherein unter dem Leitsatz „vom schwächsten Verkehrsteilnehmer zum Stärksten“.

Fußgänger/Schüler/fahrradfahrende Grundschüler

Die Planung berücksichtigt beidseitig ca. 2,00 m breite Bürgersteige, die einen Begegnungsverkehr von Fußgängern ermöglichen, Raum schaffen für mobilitätseingeschränkte Personen und es zusätzlich erlauben, dass bis 10 Jahre alte Kinder, auch mit Begleitung einer Erwachsenen Person, diese Fläche als Radfahrer zu benutzen.
Durch eine barrierefreie Gestaltung wird auch dem demographischen Wandel Rechnung getragen.
Zur Optimierung des Fußgängerangebotes soll auf der Turmstraße, nahe dem Einmündungsbereich zur Martinstraße, ein Fußgängerüberweg (oft auch Zebrastreifen genannt) angelegt werden, der die Wegebeziehung zwischen Fußgängerampel und Innenstadt ergänzt, sowie ein weiterer Fußgängerüberweg im Einmündungsbereich zur Münstereifeler Straße, welcher zusätzlich mit einer Mittelinsel versehen wird um die Situation für alle Verkehrsteilnehmer zu verbessern.

Fahrradverkehr

Unfallstatistiken, die Fachliteratur und Empfehlungen weisen darauf hin, dass Fahrradfahrer im Bereich von Straßen mit vielen Einmündungen und Grundstückszufahrten sicherer auf der Fahrbahn geführt werden.
Die „Empfehlungen für Radverkehrsanlagen“ (ERA 2010) raten zu unterschiedlichen Maßnahmen in Abhängigkeit von dem Verkehrsaufkommen.
Bei einer erlaubten Fahrgeschwindigkeit von ≤ 50 km/h und einem Verkehrsaufkommen bis etwa 400 Kfz/ h empfiehlt o.g. Richtlinie das Führen des Radfahrverkehrs auf der Fahrbahn, im Mischverkehr, das heißt, ohne zusätzliche Maßnahmen wie Schutzstreifen. Auch benutzungspflichtige Radwege sind auszuschließen.
Bei Verkehrsuntersuchungen in den Jahren 2012 und 2016 wurden auf der Turmstraße im Bereich der Einmündungen „Martinstraße“ und Münstereifeler Straße“ das Verkehrsaufkommen in den Früh- (6-10 Uhr), Nachmittags-/ frühe Abendstunden (15-19 Uhr) gezählt. Zu den Spitzenzeiten lag der Kfz Verkehr Fahrtrichtung Münstereifeler Straße bei < 110 Kfz/ Std. , Fahrtrichtung Martinstraße bei < 180 Kfz/Std.
Die Anforderungskriterien für separate Angebote für den Fahrradverkehr sind weit unterschritten.
Der Fahrradfahrer bewegt sich somit im Mischverkehr auf der Fahrbahn, wo er vom Kraftverkehr auch gesehen wird (nicht auf einer Nebenfläche, wo er durch den ruhenden Verkehr teilweise verdeckt ist und bei Rechts-Abbiegevorgängen schnell durch den Kraftverkehr übersehen werden kann).
Im Rahmen der Planung wurde aber auch wurden aber auch Maßnahmen wie Schutzstreifen für Fahrradfahrer, die Einrichtung einer Fahrradstraße oder auch Tempo-30-Zone geprüft.

1.) Schutzstreifen für Fahrradfahrer

Entsprechend der Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung (VwV-StVO), in Verbindung mit der „Richtlinie für das Anlegen von Stadtstraßen (RASt), wird für die Markierung eines Schutzstreifen für Fahrradfahrer ein Fahrbahnraumes von minimal 7,00 m (1,25m Schutzstreifen + mind. 4,50 m Restbreite für den Kraftverkehr + 1,25m Schutzstreifen) benötigt. Entlang parkender Fahrzeuge vergrößert sich das Maß um weitere 25 cm Sicherheitsraum.
Da die „Turmstraße“ nur eine Gesamtbreite von etwa 12,00 m hat, würden nach Abzug der Fläche für die Fahrbahn mit Schutzstreifen nur noch 5,00m (ohne Parkstreifen) / 4,75m (mit Parkstreifen) für ruhenden Verkehr und Fußgänger übrig bleiben.
Somit stand der Schutzstreifen in direkter Konkurrenz zum Parkstreifen oder Bürgersteigangebot.
Das vorsehen eines Parkstreifen ließe den Fußgänger und fahrradfahrenden Kindern beidseitig einen Bürgersteig von 1,37 m übrig. Das ist weniger wie heute, ist nicht mit heutigen Richtlinien zu rechtfertigen, wird einem Hauptschulweg, den Bedürfnissen der Fußgänger, dem fahrradfahrenden Kind (welches den Bürgersteig bis zur Vollendung des 8 Lebensjahres benutzen muss, bis zur Vollendung des 10 Lebensjahres benutzen darf) und auch dem demographischen Wandel in keinster Weise gerecht.
Der Wunsch, den maximalen Parkraum zu erhalten, nahezu 100 %, war einer der Hauptanliegen der Anlieger und Bürgerinformation vom 16.11.2016.

2.) Fahrradstraße

Rechtsgrundlage für die Anordnung einer „Fahrradstraße“
Rechtsgrundlage ist Nummer 23 zu Zeichen 244.1 in Anlage 2 der Straßenverkehrsordnung.
In der Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrs-Ordnung heißt es zur Fahrradstraße:
I. Fahrradstraßen kommen dann in Betracht, wenn der Radverkehr die vorherrschende Verkehrsart ist oder dies alsbald zu erwarten ist.
II. Anderer Fahrzeugverkehr als der Radverkehr darf nur ausnahmsweise durch die Anordnung entsprechender Zusatzzeichen zugelassen werden (z. B. Anliegerverkehr). Daher müssen vor der Anordnung die Bedürfnisse des Kraftfahrzeugverkehrs ausreichend berücksichtigt werden (alternative Verkehrsführung).

Da der Fahrradverkehr nicht die vorherrschende Verkehrsart in der Turmstraße ist (Anteil 20%) und sich dies auch nicht absehbar ändert, kann die Turmstraße auch nicht als Fahrradstraße ausgewiesen werden.

3.) Tempo-30-Zone

Für die Anordnung einer Tempo-30-Zone müssen wirksame Engstellen durch Markierungen oder baulicher Art geschaffen werden, von denen aber keine Beeinträchtigung der Sicherheit und Ordnung (wie Rettungswesen, Katastrophenschutz, Feuerwehr) und keine Erschwerung für den Busverkehr ausgehen.
In Tempo-30-Zonen dürfen keine benutzungspflichtigen Radwege ausgewiesen werden. Sie dürfen nur Straßen ohne Fahrstreifenbegrenzungen und Leitlinien umfassen, weshalb auch die Anlage von Schutzstreifen unzulässig ist.
Die Einrichtung einer Tempo-30-Zone wurde in mehreren Orts- und Gesprächsterminen mit der Straßenverkehrsbehörde und der Polizei, Direktion Verkehr/Führungsstelle, erörtert, im Ergebnis aber stets festgestellt, dass die Einrichtungsvoraussetzung aufgrund des hohen Durchgangsverkehrs nicht vorliegt .
Die Planung „optimierte Variante 3“ wurde mit Vertretern des ADFC am 04.09.2017 in Form eines Gesprächstermins erörtert. Positiv wurden die Aspekte
- keine Hauptverkehrs-/ Vorfahrtstraße,
- bestehen bleiben der Rechts-vor-Links-Regelung,
- Geschwindigkeitsreduzierende Maßnahmen sowie
- Optimierung der Führung des Fahrradfahrers im Bereich der Münstereifeler Straße/ Einmündung Turmstraße

aufgenommen.
Angeregt wurden noch zusätzliche Fahrbahneinengungen (beispielsweise jeweils eine pro Abschnitt) sowie eine komplette Einfärbung der Kreuzung Turmstraße/Schumannstraße in „rot“.
Die vom ADFC gewünschte Einfärbung des kompletten Kreuzungsbereiches Turmstraße/Schumannstraße kommt nicht zur Umsetzung, da nach Meinung der Verwaltung die rote Einfärbung manchen Radfahrer dazu verleiten könnte einfach, ohne auf die Vorfahrtregelung zu achten, mit dem Fahrrad durchzuschießen. Es handelt sich bei dieser roten Einfärbung auch nicht um ein Verkehrszeichen und die wenigsten Verkehrsteilnehmer sind mit solchen Markierungen vertraut.

Kraftverkehr

Die Fahrbahn bietet mit knapp unter 6,00 m ein gutes Raumangebot für den Rad- und Kraftfahrer und ermöglicht darüber hinaus auch die Möglichkeit, dass sich beispielsweise ein Bus und ein Lkw begegnen, aneinander vorbeifahren, ohne andere Nebenflächen nutzen zu müssen.
Für den ruhenden Verkehr ist ein Parkstreifen vorgesehen, der durch einen Flachbordstein baulich von der Fahrbahn getrennt wird. Dies entspricht auch, wie bereits erwähnt, dem Hauptanliegen der Anlieger und Bürgerinformation vom 16.11.2016.

Ausführungsplanung

Dem Beschluss des Ausschusses für Stadtentwicklung: Umwelt, Planung und Verkehr vom 17.10.2017 wurden eine Reihe von Prüfaufträgen an die Verwaltung angefügt, die sich u. a. mit einer durchgehenden Tempo-30- Regelung, der Einplanung von Baumstandorten und der nachträglichen Einrichtung eines Fahrradschutzstreifens befassen.
Zur Erstellung der Ausführungsplanung wurden die Möglichkeiten der Umsetzung der o.g. Aufträge geprüft. In der nun zur Umsetzung kommenden Planung konnten neun Baumstandorte festgelegt werden, die neben ihren ökologischen und klimatischen Funktionen auch die freie Sichtachse gerade durch die Turmstraße unterbrechen und so verkehrsberuhigend wirken.
Zur Verkehrsberuhigung tragen die Rechts-vor-Links-Regelung, ein Fahrbahnversatz (etwa mittig des Verlaufs der Turmstraße, zwischen der Kreuzung Schumannstraße und Einmündung Beethovenstraße) sowie zwei Geschwindigkeitsbegrenzungen auf < 30 km/h (zw. Martinstraße bis kurz hinter die Schumannstraße sowie der Einmündung Beethovenstraße) bei.
In dem geschwindigkeitsreduzierten Bereich zwischen Martinstraße und Schumannstraße werden s. g. Berliner Kissen, wie sie kürzlich in der Brahmsstraße errichtet wurden, eingebaut, um den Kraftfahrer zusätzlich zu einem langsameren Fahren zu bewegen. Weiterhin werden zukünftig acht zusätzliche Stellplätze auf der Fahrbahn markiert. So werden kurze Engstellen geschaffen die ein langsameres Fahren durch die Turmstraße erzwingen.

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