Anja Jazewchann singt Nehmt Abschied Brüder ungewissEin Chor aus 120 Stimmen

Bei der Premiere des neu gegründeten Volksliedensembles „Feinsliebchen“ am Muttertagsabend in der Gnadenkirche gab es reichlich Gelegenheit zum Mitsingen. Die Kölner Schauspielerin Anja Jazeschann bewies bei Wolfgang Bittscheidts Lyrik große Vortragskunst.


„Adé, nun adé, Feinsliebchen mein“, begann die letzte Strophe des Zugabenliedes. In der mit rund 120 Besuchern gut gefüllten Gnadenkirche erscholl zum wiederholten Mal an diesem Abend ein mächtiger Chor. Das fünfköpfige Ensemble bestehend aus Fabienne Löhr (Sopran), Gerd Engel (Tenor), Jan-Paul Kalke (Bariton, Gitarre), Dirk Plücker (Bass, Klavier) sowie seinem Sohn Florian (Geige) brauchte da fast nur noch anzustimmen, so begeistert sangen die vielfach älteren Besucher das traditionelle Bergmannslied „Glück auf, der Steiger kommt“ mit.

Mehr als zwanzig Titel aus den vergangenen sechs Jahrhunderten waren da bereits gespielt, Maienlieder, Liebeslieder, Heimatlieder. Silchers gefühlvolles „Morgen muss ich fort von hier“ fehlte ebenso wenig wie das bündische „Über meiner Heimat Frühling“. Ein Ausflug in den jiddisches Liedschatz („Margaritkes“) und das 2016 auf ein irisches Traditional getextete „Tomburch-Leed“ in Rheinbacher Mundart (Text: Gerd Engel, Hubert Beyer) ergänzten den Reigen. Den größten Applaus bekam der 11-jährige Florian für sein Geigenspiel bei „di mezinke“, einem rasend-treibenden jiddischen Hochzeitslied.

Kraftvolle Ruhepunkte setzten die Gedichte des Merzbacher Lyrikers Wolfgang Bittscheidt, die von der Kölner Schauspielerin und Deutschlandfunksprecherin Anja Jazeschann hinreißend gelesen wurden. Bittscheidts erster Gedichtband hatte dem Abend seinen Namen gegeben: „Wohin es dich führt“. Er enthält zahlreiche großartige Balladen, spirituelle Texte und Zeitkritisches. Wolfgang Bittscheidt schreibt klug und kunstvoll aus der Fülle seines Lebens und seiner spirituellen und von der klassischen Bildung geprägten Gedankenwelt. Jeder Vers atmet seine große Menschenliebe.

Kantorin Mascha Korn bedankte sich im Namen der Evangelischen Gemeinde für das Gastspiel im Rahmen der beliebten Reihe „Musik in der Gnadenkirche“. Gerd Engel freute sich für seinen mitveranstaltenden Verein „Rheinbach liest“, dass durch Spenden am Ausgang rund 250 € für die angestrebte Neugestaltung der Spiel- und Leseecke im Foyer der Kirche zusammenkamen.

Als Anja Jazeschann ganz am Ende noch auf die Melodie des schottischen Volkslieds „Auld long syne“ anstimmte „Nehmt Abschied Brüder, ungewiss ist alle Wiederkehr“, hätte das glückliche Publikum am liebsten als Antwort gerufen: Alle Künstler des Abends dürfen gewiss gerne wiederkommen.

 

 

Florian Plücker an der Geige dahinter Gitarrist Jan Paul Kalka II

Florian Plücker an der Geige, dahinter Gitarrist Jan-Paul Kalka

 

Feinsliebchen singt Volkslieder in der Gnadenkirche IIFeinsliebchen singt Volkslieder in der Gnadenkirche

 

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