2018.03.02 Tarek Khouli UrkundeFlüchtlinge: Ein selbstbestimmtes Leben führen
Ausländischer Bildungsabschluss von der IHK anerkannt

Ein selbstbestimmtes Leben aus eigener Kraft zu führen, nicht mehr auf die Hilfe vom Sozialamt oder Jobcenter angewiesen zu sein, das ist der Wunsch vieler Neubürger, die aus Kriegs- und Krisengebieten zu uns geflohen sind und versuchen, in Deutschland Fuß zu fassen.

Gleichzeitig sind viele Betriebe und Unternehmen händeringend auf der Suche nach Fachkräften und potentialträchtigen Auszubildenden, die ihnen der deutsche Arbeitsmarkt nicht mehr ausreichend zur Verfügung stellen kann.

Eine Organisation, die hier eine Brücke bauen kann, ist die IHK FOSA, das Kompetenzzentrum für die Feststellung der Gleichwertigkeit ausländischer Bildungsabschlüsse in Nürnberg. Dieses bundesweit zuständige Zentrum berät ausländische Mitbürger hinsichtlich der Anerkennung ihrer im Ausland erworbenen Bildungsabschlüsse, prüft die Dokumente und bestätigt im Idealfall die Gleichwertigkeit für den deutschen Arbeitsmarkt. Die Industrie und Handelskammer Bonn / Rhein-Sieg hat in den letzten fünf Jahren mehr als 200 Anträge an das Kompetenzzentrum weitergeleitet. In einer kleinen Feierstunde unter Beisein von Arbeitgebern, Vertretern von Berufsbildungsinstituten und Flüchtlingshelfern wurde am 02.03.2018 einigen Neubürgern die Anerkennungsurkunde überreicht.

Einer der stolzen Empfänger dieser Urkunde war Tarek Khouli, ein aus Syrien stammender ehrgeiziger junger Mann, der seit 2015 in Deutschland als asylanerkannter Flüchtling lebt. Mit Unterstützung der Flüchtlingshelfer in Rheinbach, die ihn bei seiner Suche nach einer Ausbildung oder einem festen Arbeitsverhältnis begleitet haben, hat er auf Basis seines jetzt anerkannten Berufsabschlusses als Industriemechaniker einen festen Arbeitsplatz bei einem Industriebetrieb in Meckenheim gefunden. Der Weg dorthin war nicht leicht für den jungen Mann: zunächst musste der Integrationskurs absolviert werden. Die Beherrschung der deutschen Sprache ist unabdingbar für einen Einsatz in der deutschen Arbeitswelt. Mit Unterstützung des Jobcenters in Zusammenarbeit mit dem Helferkreis gelang es Herrn Khouli in den Genuss dreier Praktika bei Industrieunternehmen in Rheinbach, Bonn und Holzlar zu kommen, die ihm jeweils über mehrere Wochen einen Einblick in die Besonderheiten der industriellen Produktion in Deutschland vermittelten. Sicherheit, Pünktlichkeit, Sorgfalt und Verlässlichkeit sind ihm seither keine Fremdworte mehr.

Die Beschaffung der notwendigen Dokumente aus Syrien als Grundlage für die Anerkennung seines beruflichen Abschlusses war nur durch den mutigen Einsatz seines Vaters in den dortigen Kriegswirren machbar. Der Antrag auf Gleichwertigkeitsfeststellung und die Zusammenstellung der Dokumente, teilweise mit beglaubigten Übersetzungen, wurde durch eine intensive Beratung durch die IHK in Bonn ergänzt. Dem Antrag wurde letztlich durch die IHK FOSA (Foreign Skills Approval) in Nürnberg nach einer eingehenden Prüfung nach zweieinhalb Monaten entsprochen. Die darauf folgenden mehr als 15 schriftlichen Bewerbungen mündeten in vier Vorstellungsgesprächen und schließlich zwei festen Angeboten zur Anstellung. Eine aufschlussreiche Quote, die ein deutliches Indiz dafür ist, wie groß das Interesse an qualifizierten ausländischen Mitarbeitern mittlerweile ist.

Khoulis Arbeitgeber Udo Werner, Geschäftsführer der Meckenheimer Firma Werner Vakuumsauger GmbH, einem mittelständischen Produzenten von Komponenten vakuumbasierender Transportsysteme, der ihn bei der Feierstunde begleitet hat, ist hochzufrieden mit seinem syrischen Mitarbeiter. Der Lohn für den Mut, einen ausländischen Mitarbeiter mit Flüchtlingshintergrund zu beschäftigen: Vollen Einsatz, Flexibilität, Leistungsbereitschaft und eine solide Kenntnis der notwendigen Bearbeitungsvorgänge und Maschinen hat er bei ihm gefunden. Viele deutsche Bewerber habe er hingegen mangels Qualifikation oder Leistungsbereitschaft schon ablehnen müssen. Sein junger Mitarbeiter, der sich in seinem Betrieb gefordert, aber auch gefördert fühlt und die familiäre Atmosphäre dort genießt, ist nun in der Lage, ohne Alimentierung durch das Jobcenter, sein Leben in Deutschland aufzubauen und seinen Beitrag zur Gemeinschaft zu leisten.

Sein nächstes Ziel: Der Führerschein und ein bezahlbares Auto sind schon fest ins Auge gefasst. Dieses Beispiel zeigt, dass es durchaus möglich ist, im Zusammenspiel mit Jobcenter, Unternehmen, Verbänden und Flüchtlingshelfern, jungen motivierten Flüchtlingen eine berufliche Integration in Deutschland zu bieten. Zum Nutzen der fachkräftesuchenden Industrie, einer demografisch nach Verjüngung strebenden Gemeinschaft und jungen, nach Erfolgserlebnis hungrigen Menschen, die sich ein neues Leben in Sicherheit und Zufriedenheit aufbauen möchten, bleibt es zu wünschen, dass die beteiligten Parteien und Institutionen in der Lage sind, ein starkes, leistungsfähiges Netzwerk aufzubauen, um Integration nicht vom Zufall abhängig zu machen.

Foto: 3.v.l. Tarek Khouli - Copyright: Fa. Wolterfoto, Bonn

 

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