Das Märchen vom Riesenbuch
Rheinbach ist seit dem 29. Januar um eine Attraktion reicher. Bürgermeister Stefan Raetz: „Ein weiterer wichtiger Impuls für die Positionierung als Kulturstadt.“

Zu Nikolaus ein Buch geschenkt zu bekommen, ist nicht außergewöhnlich. Wenn dieses Buch aber 3,50 m hoch ist und 4,60 m breit und man sogar darin sitzen kann, dann klingt das eher nach einem Märchen. Das Märchen wurde wahr für den Verein „Rheinbach liest“ und die Bücherstadt Rheinbach. Am Nikolaustag erhielt RL-Vize Gerd Engel eine Email von der Krimiautorenvereinigung „Das Syndikat“, mit der der 2011 gegründete Verein zur Leseförderung nicht mehr gerechnet hatte.

Vorausgegangen war Folgendes: Die Rheinbacher Krimiautorin Heidi Möhker, Mitglied im „Syndikat“, hatte am 1. November 2017 ihrem Rheinbach-liest-Vorstand eine Nachricht geschickt. Das Syndikat habe ein schönes, „wenn auch etwas sperriges“ Bühnenobjekt kostenlos abzugeben. Das mitgelieferte Foto elektrisierte die Rheinbacher Leseförderer. Nun liefen die Drähte heiß. Einhellige Meinung: „Ein tolles Ding, aber wohin damit?“ Genau dieses Problem hatte das Syndikat auch. Zwar war das Riesenbuch ein nicht mehr wegzudenkender Bestandteil der Preisverleihung im Rahmen der jährlichen „Criminale“, aber der befreundete Verlag „ars vivendi“ in Cadolzburg bei Nürnberg, der das Buch bisher regelmäßig bei sich gelagert hatte, brauchte Platz.

Die Trennung erfolgt durchaus „schweren Herzens“, denn das extravagante Bühnenobjekt besitzt eine „prominente Patina“: Autoren wie Nina George und Zoran Drenkvar und hochdekorierte Sprecher wie Christian Brückner, die deutsche Stimme von Robert de Niro, oder der Tatort-Schauspieler Joe Brauner (Gerichtsmediziner des Köln-Tatorts) haben bereits darin gesessen bzw. gelesen.

In Rheinbach sind die Wege kurz. Bürgermeister Stefan Raetz und Stefan Schwarzer, Schulleiter des Städtischen Gymnasiums, waren ebenfalls begeistert bei der Vorstellung, das Buch einmal auf der Bühne des Stadttheaters zu haben, das ja zugleich die Aula des SGR ist. Am nachfolgenden Tag telefonierte Gerd Engel bereits mit Angelika Eßer aus dem Syndikatsvorstand, bekundete ernsthaftes Interesse und schwärmte von der Bücherstadt Rheinbach und den zahlreichen Aktivitäten des Vereins. Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits mehrere Interessenten, weswegen die Syndikatler sich Bedenkzeit bis Ende November erbaten. Engel: „Wir hatten noch keine Lösung für den Transport und schon gar nicht für die Unterbringung. Meine persönliche Hoffnung waren Räume in der Schule oder eine Karnevalsscheune in Oberdrees.“

Nadia Fassbender mit „guten Kontakten“ zur hiesigen Baumarktkette signalisierte Unterstützung beim Transport: „Ich spreche mit meinem Mann.“ Und am 8. November kommt die Nachricht aus dem SGR, es sei Platz im Requisitenkeller. Um die Chancen für die ausgelobte Schenkung zu erhöhen, schreiben die Rheinbacher eine regelrechte Bewerbung an das Syndikat, in der in dicken Farben aufgetragen wird, wie reichhaltig das kulturelle Leben in der Glasstadt aussieht, bei welchen Veranstaltungsformaten von „Rheinbach liest“ das Buch nachhaltig zum Einsatz kommen könnte. Fazit: „Die Bücherstadt Rheinbach ist bereit für das Riesenbuch!“

Am 6. Dezember, Nikolaustag, heißt es dann: And the winner is …! Angelika Eßer vom Syndikat auf die Frage, warum das Buch nicht an die hartnäckigen Mitbewerber gegangen ist, denn auch ein Krimifest im Vogtland und ein Literaturverein in Limburg waren zuletzt noch im Rennen: „In Rheinbach war der Enthusiasmus am größten!“

Nach der freudigen Nikolausbotschaft meldet SGR-Hausmeister Weber Bedenken an. Ob der Requisitenkeller wirklich geeignet sei? Zwei Tage später zeigt eine Ortsbegehung mit Gerd Engel. Die Stellfläche ist doch sehr klein, der Türdurchgang zu eng und bei Starkregen könnte es hier nasse Füße geben. „Auf dem kurzen Dienstweg“ löst Weber das Problem aber mit dem Kollegen Schneider von der Nachbarschule. Der alte Fahrradkeller der Hauptschule ist bestens geeignet. Die Stadt gibt grünes Licht. Engel: „Das Engagement der beiden Hausmeister hat mich wirklich gerührt. Sie waren beide leidenschaftlich interessiert, uns und ihrem Rheinbach zu helfen.“

Am 29. Januar ist es soweit. Am Abend kommt ein Transporter der DHl in Rheinbach mit dem Riesenbuch an. Dass die Ehrenamtler nicht selbst die 500 km nach Cadolzburg fahren mussten, haben sie Vereinsmitglied Melanie Kriegel zu verdanken, die über ihren Chef bei der DHL eine kostenlose Unterstützung des Riesenbuch-Projekts erwirkte.

Der Aufbau auf der Bühne des Stadttheaters erfolgt am 2. Februar mit Hilfe des Rheinbacher Veranstaltungsmeisters Harvey Scherer von 4events, der die ambitionierten RL-Heimwerker Rudi Kleefuß und Joachim Weiß unterstützt. Aus der leider nicht mehr vorhandenen Textbespannung, eigentlich der Clou des Buches, macht Scherer eine Tugend: „Mit Licht- und Schatteneffekten und Powerpoint-Einspielungen von vorne und hinten auf neutralem weißen Bühnenstoff erhalten wir eine viel bessere Wirkung und bleiben variabel.“

Dann die öffentliche Premiere! Schulleiter Stefan Schwarzer und alle Besucher des Vorlesewettbewerbs-Kreisentscheid, am 6. Februar, sind hingerissen. Das Riesenbuch ist ein „Hingucker“ und inspiriert den Betrachter. Die Aktiven bei „Rheinbach liest“ blicken voraus: Mit dem Riesenbuch wird sich noch so manche Literatur- oder auch Schultheaterveranstaltung verfeinern lassen. Auch an ein auf das Buch zugeschnittenes neues Format wird gedacht. Ohne Frage: Für die Rheinbacher wurde ein Märchen war. Und das Märchen ist noch nicht zu Ende.

 

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